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28.03.2003

07:34 Uhr

14 US-Soldaten vermisst

Bombenhagel auf Bagdad

Im Irak bemühen sich die alliierten Streitkräfte um einen raschen Aufbau der Frontlinie im Norden des Landes. US-Transportflugzeuge brachten in der Nacht zum Freitag schweres Kriegsgerät auf ein Flugfeld in der Nähe von Erbil. Zugleich waren die irakische Hauptstadt Bagdad und Städte im Süden und Norden des Landes erneut Ziel heftiger Luftangriffe.

HB/dpa/rtr BAGDAD/NEW YORK. Auf dem Flugfeld in Harir nordöstlich von Erbil seien in der Nacht permanent US-Transportflugzeuge gelandet, berichtete der US-Sender CNN aus der Region. An Bord der Maschinen befänden sich Panzer und andere Fahrzeuge aus Stützpunkten in Europa. Rund 1 000 Fallschirmjäger der 173. US-Luftlande-Brigade hatten das Flugfeld am Donnerstag besetzt. In den nächsten Tagen sollen dort weitere 5 000 bis 6 000 Soldaten sowie Panzer, Artillerie und Transportfahrzeuge landen. Das Gebiet wird von Kurden kontrolliert, die auf Seiten der amerikanisch-britischen Streitkräften stehen. Die Türkei hatte den ursprünglich geplanten Durchmarsch von mehr als 60 000 US-Soldaten in den Nordirak abgelehnt.

Die britisch-amerikanischen Flugverbände setzten am Freitag ihre vor acht Tagen begonnene Luftoffensive gegen Bagdad fort. Gegen Mitternacht und am Morgen gingen mehrere starke Angriffswellen auf die irakische Hauptstadt und das Umland nieder. dpa-Korrespondenten sahen eine große Explosion im Gebiet des Präsidentenpalastes im Regierungsviertel Bagdads. Nach Angaben des arabischen TV-Senders El Dschasira wurden mehrerer Ministerien angegriffen, darunter auch das Außenministerium. Auch der bereits in der vergangenen Woche getroffene Präsidentenpalast El Salam wurde erneut bombardiert. Aus Lautsprechern der benachbarten Moschee war "Gott ist groß" zu hören. Zudem war im Zentrum Bagdads am Freitagmorgen unter anderem eine Auffahrt zur Raschid-Brücke, einer von mehreren Brücken über den Tigris, gesperrt, weil ein großer Bombenkrater das Passieren unmöglich machte. Offenbar sollten unter der Straße verlegte Kommunikationskabel getroffen werden.

Es gab auch eine Serie von Detonationen in den Außenbezirken, wo sich Kämpfer der Republikanischen Garden von Präsident Sadam Hussein verschanzt haben sollen. Sie bilden den äußeren Verteidigungsring der Iraker und sind bereits seit Tagen Ziel von Angriffen. In mehreren Stadtbezirken funktionierten die Telefone nicht. Wie in den vergangenen Tagen verdunkelkten auch am Freitag Rauchschwaden den Himmel. Sie stammten von brennenden Öllachen. Die Iraker hoffen, mit Hilfe des Rauchs amerikanische Flugzeuge und Raketen abzulenken. Über die Zahl möglicher Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Bei ihren Angriffen warfen US-Tarnkappenbomber erstmals zwei bunkerbrechende Bomben ("Bunker- Buster") über Bagdad ab. Das verlautete am Donnerstag (Ortszeit) aus dem Pentagon. Aus dem Umland zeigte El Dschasira am Freitagmorgen Bilder eines zerstörten Wohnhauses, in dem nach irakischen Angaben 8 Menschen getötet und 40 verletzt worden waren. Inzwischen werden zu allen Tageszeiten Raketen und Marschflugkörper auf Bagdad gefeuert. Der Irak rechnet nach eigenen Angaben damit, dass Bagdad in fünf bis zehn Tagen von US-Truppen eingekesselt sein dürfte.

14 US-Soldaten nach schweren gefechten bei Nasirija vermisst

Im Norden des Landes kam die Stadt Mosul nach Berichten des arabischen Fernsehsenders El Dschasira unter Beschuss. Im Süden gingen bei Nasirija die Gefechte zwischen US-Einheiten und irakischen Soldaten weiter. Es gebe massive Luftangriffe und Artilleriefeuer auf irakische Stellungen, berichtete ein dpa-Fotograf, der das 3. Leichtgepanzerte Aufklärungsbataillon der US-Marineinfanterie begleitet. Das Aufklärungsbataillon sei nicht weiter auf Bagdad vorgerückt. Offensichtlich seien sogar Einheiten teilweise wieder zurückgezogen worden. Es habe Verluste auf amerikanischer Seite gegeben. Genaue Angaben über Tote oder Verletzte gebe es nicht. Der US-Sender CNN berichtete am Freitagmorgen unter Berufung auf US-Militärsprecher, nach den heftigen Gefechten in der Gegend um Nasirija würden zwölf amerikanische Soldaten vermisst. Weitere 14 seien in den vergangenen 24 Stunden bei Kämpfen mit Einheiten der irakischen Armee verwundet worden.

Auch im zentralirakischen Nadschaf lieferten sich US-Soldaten und irakische Einheiten nach Angaben aus Militärkreisen in der Nähe der Stadt über mehrere Stunden Gefechte. Bei dem nächtlichen Kampf gegen rund 1500 Iraker seien auf US-Seite Panzer und Artillerie zum Einsatz gekommen, hieß es am Freitag in den Kreisen weiter. Über mögliche Opfer sei nichts bekannt. Die US-Einheiten versuchen am Westufer des Euphrat auf die irakische Hauptstadt Bagdad vorzustoßen. Reuters-Korrespondent Luke Baker berichtete, es sei nicht klar, ob es sich bei den irakischen Kämpfern um reguläre Truppen oder Teile der Eliteeinheiten der Republikanischen Garden gehandelt habe. Nadschaf liegt etwa 160 Kilometer südlich von Bagdad.

Am Donnerstag hatten ranghohe US-Befehlshaber gesagt, sie erwarteten innerhalb von 48 bis 72 Stunden eine möglicherweise entscheidende Schlacht bei Kerbala, rund 50 Kilometer nördlich von Nadschaf. Um die den Schiiten heilige Stadt habe eine ganze irakische Brigade mit rund 6 000 Mann und Panzern Position bezogen.

In der südirakischen Stadt Basra verschärft sich nach CNN-Angaben die humanitäre Situation. Immer mehr Menschen würden aus der 1,3 Millionen Einwohner zählenden Stadt flüchten, weil dort die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser nicht gesichert sei.

Verstärkung für alliierte Streitkräfte auf dem Weg in den Irak

Die US-Armee will nach Angaben aus US-Militärkreisen die Zahl ihrer Bodentruppen in Irak im kommenden Monat um 100 000 Mann verdoppeln. Erste Einheiten der 4. US-Infanterie-Division sind bereits auf dem Weg Richtung Irak. Die Soldaten brachen nach amerikanischen Fernsehberichten vom Donnerstag in Texas auf. Die Truppen sollen die alliierten Streitkräfte im Irak verstärken. In den USA war in den vergangenen Tagen Kritik laut geworden, dass bei der Invasion zu wenig Bodentruppen eingesetzt worden waren. US-Präsident George W. Bush kündigte an, der Krieg werde so lange dauern, bis Saddam entmachtet sei. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schloss einen Waffenstillstand aus.

Nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN soll am Freitag ein erstes Schiff mit Hilfslieferungen in der von alliierten Truppen eingenommene südirakische Hafenstadt Umm Kasr eintreffen. Die Ankunft hatte sich verzögert, weil Seeminen gefunden worden waren.

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