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13.01.2003

07:50 Uhr

20 neue Modelle bis 2005

Opel drückt Verlust stärker als geplant

VonCarsten Herz und Stefan Menzel (Handelsblatt)

Vorstandschef Carl-Peter Forster kommt mit der Sanierung des angeschlagenen Autoherstellers Opel besser voran als erwartet. Trotz der Absatzflaute senkt das Unternehmen sein operatives Minus unter 400 Millionen Euro.

RÜSSELSHEIM. Der angeschlagene Autohersteller Opel hat trotz der Flaute auf dem deutschen Markt seine Talfahrt gestoppt und seinen Verlust deutlicher gedrückt als bislang erwartet. Nach Informationen des Handelsblatts schrumpfte das Minus im operativen Geschäft im abgelaufenen Jahr auf unter 400 Mill. Euro. Ein Opel-Pressesprecher wollte dies offiziell nicht kommentieren.

Bisher war für die deutsche Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) ein operativer Verlust zwischen 400 und 450 Mill. Euro erwartet worden. Opel-Chef Carl-Peter Forster hatte vor wenigen Tagen eine deutliche Reduzierung des Verlustes im Jahr 2002 in Aussicht gestellt. Damit hellen sich die Perspektiven für das Ergebnis des Autobauers in diesem Jahr etwas auf. Forster hat sich darauf festgelegt, im vierten Quartal 2003 mit Opel wieder einen operativen Gewinn zu erzielen. Optimisten innerhalb des Unternehmens halten es sogar für möglich, dass Opel etwas früher die Gewinnschwelle erreichen wird. Doch für ein positives Ergebnis im gesamten Jahr wird es voraussichtlich nicht reichen.

2001 hatte Opel einen operativen Rekordverlust von 674 Mill. Euro eingefahren. Nur die Dividendenzahlung der Opel-Bank führte zu einem Jahresüberschuss von 87 Mill. Euro. Offiziell will Forster das Jahresergebnis für das gerade abgelaufene Jahr am Donnerstag in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim vorlegen.

Eine verfehlte Modellpolitik sowie Qualitäts- und Imageprobleme hatten die traditionsreiche Automarke in den vergangenen Jahren in die Krise getrieben und für tiefrote operative Zahlen gesorgt. Forsters Vorgänger bekamen die Schwierigkeiten nie in den Griff: Der Marktanteil von Opel in Deutschland hat sich zwischenzeitlich im Vergleich zu alten Glanzzeiten fast halbiert.

Doch Opel schaffte die deutliche Verbesserung - ungeachtet eines anhaltenden Nachfragerückgangs - in Deutschland. Zeitweilig hatte der Absatz der GM-Tochter wieder deutlich unter dem Vorjahresniveau gelegen. Dennoch konnte Opel den massiven Umsatzschwund mit dem neuen Mittelklassemodell Vectra und einem generell gestiegenen Anteil an höherwertigen Wagen aufhalten. Das lässt Opel hoffen.

Die Sanierung liegt voll im Plan, heißt es bei der US-Konzernmutter GM. Auch bei einem neuerlichen Absatzrückgang auf den Automärkten in Europa und Deutschland in diesem Jahr müsse die deutsche Tochter kein neues Kostensenkungsprogramm auflegen, glaubt GM-Finanzchef John Devine.

Eine Reihe neuer - und aus Unternehmenssicht zugkräftiger - Modelle sowie der Erfolg des Sanierungsprogramms Olympia, mit dem Opel das Ergebnis bis Ende 2004 um 2 Mrd. Euro verbessern will, sollen für die ersehnte Wende im laufenden Jahr sorgen. Opel-Chef Forster muss dieses Jahr beweisen, dass sein Sanierungsplan weiter greift. Neue Autos sollen helfen: Im Frühjahr kommen mit dem Signum und dem kleinen Van Meriva zwei weitere Modelle auf den Markt. Im September läuft die Kombi-Version des Vectra an und im Herbst wird der Nachfolger für den Astra präsentiert werden.

Gas geben will Forster in allen Klassen: 20 neue Modelle rollt Opel bis 2005 zu den Händlern. Verstärkt will die Traditionsmarke mit dem Blitz im Emblem lange vernachlässigte Lücken im Sortiment auffüllen. So wird Opel künftig Nischenmodelle wie sportliche Geländewagen und Roadster anbieten. Forster kündigte in der vergangenen Woche auf der Automobilmesse in Detroit an, dass das Unternehmen auch einen geländegängigen Sportwagen (Sport-utility-vehicle) wieder ins Programm nehmen wolle.

In Börsen- und Finanzkreisen wird allerdings vor dem Eindruck gewarnt, Opel sei tatsächlich schon über den Berg. "Erst 2004 ist das Jahr der Bewährung", sagt Albrecht Denninghoff, Automobilanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. Der Automobilhersteller habe die Besserung im operativen Geschäft zunächst auf der Kostenseite erreicht.

Das Rüsselsheimer Unternehmen müsse mit neuen Modellen nun auf der Ertragsseite dauerhaft beweisen, dass eine grundsätzliche Erneuerung gelungen sei. Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg bei Opel sei der neue Astra, der wahrscheinlich in einem Jahr bei den Händlern stehen wird. Der neue Astra muss sich vor allem gegenüber dem VW Golf behaupten, der ebenfalls erneuert wird.

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