Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2003

11:55 Uhr

2003 keine Ergebnisverbesserung erwartet

Lufthansa backt kleine Brötchen

Die Deutsche Lufthansa erwartet angesichts anhaltender Sparmaßnahmen vieler Kunden in diesem Jahr keine Ergebnisverbesserung im operativen Geschäft. "Keinesfalls wird 2003 besser als 2002", sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley am Donnerstag in Berlin mit Blick auf die Ergebnisentwicklung.

Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen, Foto: dpa

Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen, Foto: dpa

Reuters BERLIN. Die letzten Monate des Jahres 2002 hätten eine starke Zurückhaltung bei den Kunden gezeigt. "Und der Trend setzt sich fort", sagte Kley. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002 rechne der Manager weiter mit einem operativen Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro. Eine deutliche Geschäftsbelebung sei erst wieder im kommenden Jahr zu erwarten. 2004 werde die Lufthansa wieder zur alten Ergebnisstärke zurückkehren, bekräftigte Kley.

Kley beklagte, beim Frachtaufkommen liege die Lufthansa seit Wochen etwa zehn bis 15 Prozent unter den eigenen Erwartungen. "Wir sehen mengenmäßig nichts von einer Erholung." Stattdessen mache sich der gestiegene Ölpreis bei den Treibstoffkosten bemerkbar. "Wenn das in dieser Höhe weitergeht, werden wir 100 Millionen Euro mehr ausgeben als im vergangenen Jahr."

Die Belastungen aus den geplanten Steueränderungen der Regierung bezifferte Kley auf rund 90 Millionen Euro. Die von Rot-Grün befürwortete Mehrwertsteuer auf EU-Flüge erwartet der Finanzchef allerdings nicht mehr. Er sei optimistisch, dass das Vorhaben im parlamentarischen Verfahren gestoppt werde. Eine Unternehmensanleihe werde die Lufthansa 2003 voraussichtlich nicht begeben, sagte Kley.

Einstellungsstopp wird erwogen

"Wir backen kleine Brötchen", sagte Kley mit Blick auf das laufende Geschäft. "Die Firmen sparen auf Teufel komm raus. Wenn der Trend anhält, wird der Tritt auf die Bremse stärker werden." So sei der Anteil von Business-Class-Passagieren auf 18 Prozent von 20 Prozent zurückgegangen. Die Stilllegung von Flugzeugen, wie am Dienstag angekündigt, könne in dieser Lage womöglich allein nicht ausreichen. Das Instrumentarium reiche daher vom Einfrieren von Investitionen in neue Projekte bis hin zu einem Einstellungsstopp. Es gebe aber keine Pläne, den Kauf von neuen Flugzeugen zurückzustellen, ergänzte der Finanzvorstand.

Mit Blick auf den Irak-Konflikt sagte Kley, dass die Lufthansa stark unter dem gestiegenen Ölpreis leide. Obwohl man sich an den Finanzmärkten gegen einen hohen Ölpreis teilweise abgesichert habe, sei mit höheren Treibstoff-Kosten als im Vorjahr zu rechnen. Beim derzeitigen Ölpreis würden sich die Mehrkosten auf rund 100 Millionen Euro belaufen.

Die Ausgabe einer Unternehmensanleihe, wie sie bereits 2001 geplant war, sei für 2003 unwahrscheinlich, sagte Kley weiter. Die Liquidität der Fluggesellschaft sei durch die Sparmaßnahmen gut und die Lage auf den Finanzmärkten derzeit nicht vorteilhaft. "Wenn nichts Außergewöhnliches geschieht, wird sie 2003 nicht kommen."

Steueränderungen würden hart treffen

Die geplanten Steueränderungen der Bundesregierung würden die Lufthansa ebenfalls hart treffen. Das so genannte Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen koste die Lufthansa jährlich rund 90 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 20 Millionen Euro auf die geplante Besteuerung von Sachprämien für das Sammeln von Flugmeilen. Es sei unpraktikabel, diese Steuer auch von ausländischen Unternehmen auf dem deutschen Markt einzutreiben. Daher sei dies eine Wettbewerbsverzerrung. Dagegen werde die Lufthansa notfalls klagen.

Ebenfalls gerichtlich vorgehen wolle man gegen eine Mehrwertsteuer für Flüge innerhalb der Europäischen Union (EU). Sie würde die Lufthansa mit etwa 250 Millionen Euro belasten. Kley äußerte sich aber optimistisch, dass es soweit nicht kommen werde. Es sei praktisch unmöglich, die Steuer zu erheben, da man dafür die genaue Flugroute über deutsches Gebiet ermitteln müsse. "Ich bin optimistisch, dass die Steuer in dem parlamentarischen Verfahren keinen Bestand haben wird." Dafür habe er schon Anzeichen registriert. Sein Vortrag bei der parlamentarischen Anhörung sei wohl auf fruchtbaren Boden gefallen, sagte Kley.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×