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16.04.2003

08:22 Uhr

2004 sollen drei neue Medikamente auf den Markt kommen

Roche belastet Novartis

Der Anteil am Konkurrenten Roche hat den Pharmakonzern Novartis im ersten Quartal viel Geld gekostet. Allerdings kann Novartis die Belastung leicht auffangen, denn das Geschäft mit Arzneien brummt ungebrochen.

ef/bef ZÜRICH. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat mit den Ergebnissen des ersten Quartals Analysten und Investoren einmal mehr überzeugt. Sowohl Umsatzplus als auch der Zuwachs beim operativen Gewinn lagen über den Erwartungen. Zwar stagnierte der Nettoertrag in dem Zeitraum bei 1,06 Mrd. $. Doch das lag an der Beteiligung am lokalen Rivalen Roche, der 2002 hohe Verluste gemacht hat. Ohne diesen Einfluss hätte Novartis wegen des ungebremst wachsenden Geschäfts mit verschreibungspflichtigen Medikamenten den Nettogewinn um 27 % gesteigert.

Novartis hat seinen Anteil an Roche im vorigen Jahr auf 32,7 % der Stimmrechte und 6,2 % des Kapitals ausgebaut. Weil der Konzern Roche als assoziiertes Unternehmen einbezieht, wirkt sich dessen vier Mrd. sfr hoher Nettoverlust aus dem vorigen Jahr nun auch anteilig auf die Novartis-Bilanz aus. Die verspätete Berücksichtigung erklärt sich mit dem Zeitpunkt der Publikation der Konzernzahlen 2002: Roche berichtet später als Novartis. Novartis hatte diese Zahlen nicht früher, denn laut Finanzchef Raymund Breu wird der Konzern von Roche "wie jeder Kleinaktionär behandelt".

Novartis betonte erneut, man halte die Roche-Beteiligung als "langfristiges Investment". Konzernchef Daniel Vasella sucht offenbar die Nähe zu Roche, um bei einem möglichen Fusionswunsch der Roche-Inhaber schneller als Konkurrenten zum Zug zu kommen. Die Mehrheit der Roche-Stimmrechte liegt bei zwei Gründerfamilien, die allerdings keinerlei Willen zum Verkauf zeigen. Auch das Werben Vasellas für Kooperationen der Unternehmen bleibt bei Roche ohne Erfolg.

Die Zahlen für das erste Quartal hat Novartis erstmals in US-Dollar vorgelegt, um die Bedeutung der Region zu unterstreichen: Der Konzern erzielt 43 % seines Erlöses in der Region, die als lukrativster Pharmamarkt der Welt gilt. Von Januar bis Ende März stieg der Konzernumsatz um 21 % auf 5,7 Mrd. $. In Lokalwährungen betrug das Plus 13 %. Zum Wachstum trugen Akquisitionen 3 % bei.

Novartis hatte jüngst den slowenischen Generikahersteller Lek übernommen - dieser Kauf verdoppelte den Umsatz des Konzerns mit billigen Kopien von patentfreien Medikamenten auf 761 Mill. $. In diesem Geschäftsfeld "Generika" will Novartis weiter wachsen, sagte Breu in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Dies könne durch eigene Produkte oder durch Zukäufe erfolgen. Generikaherstellern prognostizieren Analysten starkes Wachstum, weil viele umsatzstarke Medikamente in den nächsten Jahren ihren Patentschutz verlieren.

Das operative Ergebnis von Novartis verbesserte sich im ersten Quartal um 24 % auf 1,35 Mrd. $. Analysten zeigten sich davon beeindruckt: Novartis sei auf gutem Wege, in diesem Jahr den Gesamtmarkt zu übertreffen, kommentierte die Bank Sarasin. Für das Gesamtjahr 2003 bestätigte Novartis die Prognose eines Umsatzwachstums um 10 % in Lokalwährungen. Trotz eines rückläufigen Finanzergebnisses und hoher Forschungskosten werde das Betriebsergebnis steigen.

Novartis will den Forschungsaufwand in diesem Jahr um weitere 20 % steigern, was allerdings zu einem Rückgang der operativen Gewinnspanne im Pharmageschäft führen dürfte. Im nächsten Jahr sollen laut Breu drei neue Medikamente - Xolair (Asthma), Prexige (Arthritis) und Certigen (Transplantation) - eingeführt werden.

Zu den bestverkauften Novartis-Arzneien im ersten Quartal 2003 gehörten der Blutdrucksenker Diovan (Umsatzplus: 49 %) sowie die Krebsmittel Glivec (plus 95 %) und Zometa (plus 196 %).

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