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25.04.2003

07:45 Uhr

2004 wieder Wachstumsraten von rund 20 Prozent?

Finanzdienstleister MLP gibt positiven Ausblick

Nachdem die Bilanzwirren im vergangenen Jahr die Kräfte gebunden hat, konzentriert sich MLP nun wieder auf das Tagesgeschäft. Der Finanzdienstleister hat sich für 2003 ehrgeizige Ertragsziele gesetzt. Die Börse honorierte den positiven Ausblick mit kräftigen Kursgewinnen.

pk FRANKFURT/M. Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP versucht nach dem katastrophalen Jahr 2002 jetzt den Neustart. Man habe die Krise gemeistert und stehe heute gefestigter da als noch vor zwölf Monaten, sagte Vorstandschef Bernhard Termühlen gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. Nach einem schwierigen ersten Vierteljahr erwartet MLP jetzt im weiteren Jahresverlauf stärkere Quartale - auch ohne eine konjunkturelle Besserung. Insgesamt peilt das auf Akademiker spezialisierte Beratungsunternehmen für 2003 einen Vorsteuergewinn von mindestens 65 Mill. Euro an und einen Anstieg der Kundenzahl auf 575 000. In den ersten drei Monaten habe man 13 000 neue Kunden gewinnen können. Nach einigen schwachen Quartalen habe sich das Kundenwachstum offenbar stabilisiert, sagte Analyst Klaus Baumann von SES.



Die anziehenden Kundenzahlen wurden auch von weiteren Analysten als positives Signal gewertet. Sie rechnen damit, dass MLP wieder in die Spur kommt. Auch die Fluktuationsrate unter den jungen Beratern, die auf 10 bis 15 % gedrückt wurde, sei wieder branchenüblich. Auch die erstmals genannte Quote von 5,1 Verträgen pro Kunde honorierte die Börse. Die MLP-Aktie, die mehrfach von einem Rauswurf aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) bedroht gewesen war, stand gestern Nachmittag mit einem Plus von 5,4 % an der Spitze des Kurszettels.

Trotz steigender Kundenzahl entwickelte sich das Neugeschäft im ersten Quartal schleppend. Bei Lebens- und Sachversicherungen habe man auf oder leicht unter der Vergleichszeit des Vorjahres gelegen. Lebensversicherungen steuerten bei MLP im vergangenen Jahr 47 % zu den Umsatzerlösen bei, Krankenversicherungen rund ein Viertel. Eine Umsatzprognose für das Gesamtjahr wollte Termühlen nicht wagen, mittelfristig strebe MLP aber wieder Zuwachsraten von rund 20 % an, wobei das Auslandsgeschäft an Gewicht gewinnen soll. Auch die Dividende, die erstmals ausgefallen ist, werde für 2003 wieder gezahlt.



MLP war 2002 nach der Kehrtwende in der Bilanzierungspraxis tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Steuern lag bei minus 36,6 Mill. (2001: 150,8 Mill.) Euro. Darin eingerechnet sind Erlöse in Höhe von 82,6 Mill. Euro aus dem Verkauf der MLP-Lebensversicherung (Wien), die bei der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen nicht enthalten waren. Der Verzicht auf den Verkauf künftiger Provisionsansprüche und die massiv zurückgeführte Rückversicherungsfinanzierung sowie Wertberichtigungen summierten sich 2002 auf insgesamt 147 Mill. Euro, davon seien die flüssigen Mittel (Cash-Flow) aber nur mit 8 Mill. Euro betroffen gewesen, sagte Finanzvorstand Uwe Schroeder-Wildberg. Staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen des Verdachts falscher Bilanzdarstellung sieht Termühlen nach einem neuen Gutachten gelassen entgegen.

In einer Analystenkonferenz hieß es, von den Schwierigkeiten beim Not leidenden Gerling-Konzern erwarte man keine Auswirkungen auf MLP. Eine Gerling-Tochter betreibe das Rückversicherungsgeschäft für die Lebenspolicen.



Die Branche der Finanzdienstleister in Deutschland spürt derzeit generell die Unsicherheit der Kunden wegen der Arbeitsplatzunsicherheit und steuerpolitischer Verwirrung. Der ebenfalls börsennotierte Konkurrent AWD Holding konnte zwar im ersten Quartal nach eigenen Angaben neue Kunden gewinnen, gleichzeitig rückt aber die Senkung der Kosten stärker in den Vordergrund. Und die in Familienbesitz befindliche Deutsche Vermögensberatungs AG (DVAG) hat sich nach Jahren des stürmischen Wachstums bei der Zahl der Berater eine Verschnaufpause verordnet. Hinzu kommen steigende Anforderungen an die Qualifikation der Berater, allein MLP investiert dafür jährlich 5 000 Euro pro Berater.

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