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24.02.2004

10:16 Uhr

21 DSV-Athleten in Budapest am Start

Die Schnellsten laufen zu langsam

VonJörg Wenig

Die Deutschen rennen kurz vor der Hallen-WM hinterher - konkurrenzfähig sind wohl nur die Stabhochspringer.

Tobias Unger

Tobias Unger: Hallenrekord knapp verpasst. Foto: dpa

DORTMUND. Schon einmal hatte Tobias Unger für Furore gesorgt. Im Juni des vergangenen Jahres war der Leichtathlet die 200 m bei den Landesmeisterschaften von Baden-Württemberg in 20,41 Sekunden gelaufen. Das reichte zwar in der Jahresweltbestenliste nicht für einen Platz unter den ersten 30, aber für deutsche Verhältnisse war es außerordentlich gut. Seit Frank Emmelmann, der 1985 in Moskau mit 20,23 Sekunden den heute noch gültigen deutschen Rekord aufgestellt hatte, war kein 200-m-Sprinter mehr so schnell gewesen wie Tobias Unger. Doch bestätigen konnte der Kornwestheimer diese Leistung nicht. Bei den Weltmeisterschaften in Paris blieb er bereits im Vorlauf hängen. Das war nichts Neues im deutschen Sprint, der seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Rolle mehr spielt, wenn es darum geht, den schnellsten Mann der Welt zu ermitteln.

Am Sonntag bei den deutschen Meisterschaften in Dortmund war es wieder Unger, der Hoffnungen weckte - diesmal für die Hallen-WM, die in zehn Tagen in Budapest beginnt. Nachdem er das 60-m-Finale gewonnen hatte, sprintete der 24-Jährige über 200 Meter zu einer Siegerzeit von 20,59 Sekunden. Damit verpasste er den 20 Jahre alten deutschen Hallenrekord um zwei Hundertstelsekunden und setzte sich sogar an die Spitze der Jahresweltbestenliste. Die internationale Nummer eins war er allerdings nicht einmal einen Nachmittag lang, denn bei den französischen Meisterschaften war Joseph Batangdon (Kamerun) etwas schneller.

Beim Blick auf die Hallen-WM ist Realismus gefragt. Obwohl viele Stars im Olympiajahr auf die Titelkämpfe verzichten, wäre es schon ein außergewöhnlicher Erfolg, sollte Tobias Unger ins Finale der besten sechs kommen. Locker will er an die neue internationale Herausforderung herangehen. "Vor der WM in Paris war ich zu verkrampft, das ist jetzt nicht der Fall", sagt er. Dabei trainiert er für die 200-m-Hallenrennen im Freien - auf einer 400-m-Bahn. "Die nächste Halle ist 180 Kilometer weit weg. Es ist nicht leicht, sich bei Rennen auf die Hallenbahn umzustellen", sagt Unger.

In Budapest aber werden wohl nicht die Sprinter, sondern die Stabhochspringer um Medaillen kämpfen. Gerade zur rechten Zeit kommt Tim Lobinger (ASV Köln) wieder in Form. In Dortmund steigerte er seine Saisonbestmarke bereits auf 5,75 m. Lobinger reist als Titelverteidiger nach Budapest. Zuvor plant er Starts bei den Meetings in Chemnitz und Leipzig. "Ich möchte nicht erst bei der Hallen-WM wissen, dass ich 5,80 Meter springen kann", sagte der 31-Jährige.

21 Athleten nominierte der Deutsche Leichtathletik-Verband für die WM. Nicht dabei ist Weitspringerin Susen Tiedtke: Sie kam bei ihrem Comeback nicht über schwache 6,19 m hinaus.

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