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22.01.2003

13:45 Uhr

2800 Arbeitsplätze werden abgebaut

Generali will auf Platz Zwei vorrücken

Italiens größter Versicherungskonzern Generali erwägt weitere Zukäufe in Deutschland und will hinter der Allianz auf den zweiten Platz vorrücken. Außerdem teilte Generali am Mittwoch mit, keine Aufstockung ihrer knapp zehnprozentigen Beteiligung an der Commerzbank zu planen.

Reuters MAILAND/MÜNCHEN. "Ich unterstütze den Vorstand der Commerzbank bei seinem Plan, die Bank wieder in die Rentabilität zu führen. Es gibt keine Absicht, unsere Beteiligung zu erhöhen, weil wir zufrieden sind mit dem, was wir haben", sagte der stellvertretende Generali-Chef Sergio Balbinot vor Journalisten.

Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, weitere Zukäufe in Deutschland, Frankreich, Österreich und Spanien zu erwägen. "Wenn wir die richtigen Ziele sehen, können wir auch durch Akquisitionen wachsen", sagte Balbinot. Auf dem deutschen Markt nimmt Generali derzeit den dritten Platz hinter Allianz und der zum Münchner-Rück-Konzern gehörenden Ergo ein. Im Rahmen ihres Sparprogramms wollen die Italiener in Deutschland allerdings knapp 1400 Arbeitsplätze abbauen.

Ein Sprecher der Allianz lehnte es ab, sich dazu zu äußern, ob der Versicherer einen Verkauf von Konzernteilen für denkbar halte. "Das kommentieren wir nicht", sagte er. Auf die Frage, ob sich die Allianz möglicherweise selbst als Übernahmeziel sehe, äußerte sich der Sprecher ausweichend. Er sagte lediglich, Übernahmen gehörten zu einem funktionierenden Kapitalmarkt. Ein Sprecher der Münchener Rück sagte: "Zu Käufen oder Verkäufen äußern wir uns vorab nicht."

Branchenkennern zufolge gibt es derzeit keinen Kandidaten, der sich für eine Übernahme durch Generali aufdrängt. "Es ist derzeit am Markt eigentlich kein Großer frei, den man kaufen könnte", sagte ein Analyst. Zwar stehe Gerling aktuell zur Veräußerung, Generali werde für die Gruppe aber bislang nicht als Interessent gehandelt. Möglich sei hingegen die Übernahme von einem der rund 120 deutschen Lebensversicherer, von denen angesichts der schwachen Kapitalmärkte im laufenden Jahr womöglich noch weitere in die Krise gerieten.

"Das gibt es vielleicht schon die eine oder andere Chance, einen Lebensversicherer zu übernehmen", sagte auch Sal-Oppenheim-Analyst Michael Haid, ohne aber Namen zu nennen. Sein Kollege Ralph Dibbern von MM Warburg wies jedoch darauf hin, dass hier ein Zukauf häufig kaum möglich sei, da es sich zumeist um so genannte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit handelt, an denen die Mitglieder beteiligt sind. Einen Einstieg bei Gerling halte er für unwahrscheinlich, da Generali eigentlich aus dem Industrieversicherungsgeschäft aussteigen wolle.

Das vergangene Jahr hat Generali nach eigener Einschätzung mit roten Zahlen beendet. Unter anderem auf Grund hoher Abschreibungen auf Anlagevermögen und der schwachen Aktienmärkte rechnen die Italiener für 2002 mit einem Nettoverlust, nach einem Gewinn von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2001. Für das laufende Jahr strebt Generali einen Gewinn von 931 Millionen Euro an. Bis zum Jahr 2005 soll das Ergebnis den Angaben zufolge auf 1,5 Milliarden Euro anwachsen.

In den kommenden drei Jahren will Generali 617 Millionen Euro einsparen, rund 200 Millionen allein durch den Abbau von Arbeitsplätzen. Allein in Deutschland will der Konzern fast die Hälfte der insgesamt 2800 geplanten Stellenstreichungen vornehmen.

Die Flaute an den Aktienmärkten hatte die Gewinne in der gesamten Versicherungsbranche gedrückt. Allein bei Generali verringerte sich der Wert der Aktienbestände in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um 2,2 Millionen Euro.

Der Generali-Aktienkurs sank am Mittwoch an der Mailänder Börse im Handelsverlauf stärker als der Gesamtmarkt um fünf Prozent auf 17,50 Euro. Investoren hätten vor allem auf die Nachricht über die erwarteten Einbußen für 2002 reagiert, sagten Analysten.

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