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29.06.2000

18:00 Uhr

3200 Arbeitsplätze werden mit Zusammenschluss entbehrlich

RWE-Aktionäre geben grünes Licht für Fusion mit VEW

Der Weg für die Fusion von RWE AG und VEW AG zum drittgrößten Energieversorger Europas ist frei: Die RWE-Aktionäre billigten am Donnerstag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Essen mit 99,91 % der Stimmen den Zusammenschluss.

Reuters ESSEN. Zuvor hieß es beim Bundeskartellamt, die Fusion werde kommende Woche unter Auflagen genehmigt werden. RWE-Chef Dietmar Kuhnt hatte vor 3500 Aktionären für die Fusion geworben und gesagt, "wir haben am Mittwoch den Auflagen im letzten noch offenen Bereich, dem Gasbereich, zugestimmt und die Freigabe erhalten". Aktionärsvertreter nannten die Fusion notwendig. Bereits am Dienstag hatten die Aktionäre von VEW der Fusion zugestimmt.

Die neue Gesellschaft, die wieder RWE heißen soll, wird nach neuesten Schätzungen der Unternehmen einen Jahresumsatz von 52 Mrd. Euro erreichen und rund 170 000 Mitarbeiter beschäftigen. Damit ist sie die Nummer eins im deutschen Energiemarkt und die Nummer drei in Europa. Die neue RWE mit zehn operativen Einheiten soll rückwirkend vom 1. Juli 2000 bestehen und zum 1. Oktober 2000 an den Start gehen. Durch die Fusion sollen laut Kuhnt rund 3200 Arbeitsplätze wegfallen. Der RWE-Chef sagte, der Konzern überlege, Aktien der Finanzbeteiligungen Hochtief AG und Heidelberger Druckmaschinen AG abgeben zu wollen. Die Mehrheit solle aber beim Konzern bleiben.

RWE-Chef spricht von "schmerzhaften Zugeständnissen"

Für die Fusion von RWE und VEW spreche eine "industrielle Logik", sagte Kuhnt. Beide ergänzten und verstärkten sich in ihren Kerngeschäften Strom, Gas und Entsorgung. Die Fusion biete zudem erhebliche Kostensenkungspotenziale. RWE und VEW hatten die Synergien auf jährlich rund 725 Mill. Euro beziffert.

Um die nun gegebene Zusicherung des Kartellamtes zu bekommen, hätten RWE und VEW "schmerzhafte Zugeständnisse" machen müssen, sagte Kuhnt. Diese stünden jedoch in keinem Verhältnis zu den Vorteilen der Fusion. "Man kann da nichts anderes tun als "Ja" zu sagen oder eine Untersagung in Kauf zu nehmen", sagte der RWE RWE-Chef. und VEW hatten unter anderem zugesagt, ihre Beteiligungen an verschiedenen Energieunternehmen abzugeben. Dazu gehört auch ein Rückzug der RWE aus der ostdeutschen Veag.

Aus unternehmensnahen Kreisen hieß es, RWE habe über die Verbändevereinbarung hinaus Zugeständnisse im Gasbereich gemacht. So werde RWE unter anderem Durchleitungsbedingungen und Preise veröffentlichen und den Austausch von niederkalorischem Gas gegen höherkalorisches Gas zulassen. Im Strombereich wolle RWE als Netzbetreiber Abnahmeschwankungen preisgünstiger ausgleichen, hieß es. Diese werden von Kunden verursacht, die von fremden Anbietern über das RWE-Netz beliefert werden.

Einen Tag vor Ablauf des Geschäftsjahres 1999/00 am 30. Juni bekräftigte Kuhnt seine frühere Prognose, wonach das Betriebsergebnis im RWE-Konzern im vergangen Geschäftsjahr wegens des Preisverfalls im Strombereich um rund 15 % gesunken sei. Das Netto-Jahresergebnis dürfte, wie schon im Neun-Monatsbericht angekündigt, um rund sechs Prozent gestiegen sein, hieß es weiter. 1998/99 hatte RWE ein Konzern-Betriebsergebnis von 3,2 Mrd. Euro ausgewiesen.

Der Kurs der RWE-Aktie notierte am späten Nachmittag 0,3 % leichter bei 35,60 Euro.

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