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07.01.2003

11:37 Uhr

4,2 Millionen Arbeitslose erwartet

HWWA sieht Deutschland als Bremser in Europa

Deutschland wird nach Einschätzung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) mehr und mehr zum Bremser der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa. Nach dem enttäuschenden Jahr 2002 erwarte das HWWA auch 2003 ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,7 %, sagte Eckhardt Wohlers, der Leiter der Konjunkturabteilung, am Dienstag in Hamburg.

HB/dpa HAMBURG. "Das reicht natürlich nicht für eine Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt." So werde die Erwerbstätigkeit weiter zurückgehen und die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt von 4,06 auf 4,2 Mill. steigen. Das HWWA bekräftigte damit seine Konjunkturprognose vom 12. Dezember.

Laut Wohlers ist die anhaltende Konjunkturflaute in Deutschland nicht auf die Weltwirtschaft zurückzuführen. "Das Kernproblem der deutschen Wirtschaft ist die schwache Binnennachfrage", sagte er. Dies lasse sich vor allem an der seit Jahren nachlassenden Bautätigkeit und dem privaten Verbrauch festmachen, der im vergangenen Jahr zurückging. "Die hartnäckige Schwäche des privaten Verbrauchs ist ein Spiegelbild der Probleme am Arbeitsmarkt", erklärte Wohlers.

Die gewerkschaftliche Position, dass durch kräftige Lohnerhöhungen die Nachfrage gesteigert werden könne, sei empirisch nicht zu belegen. Vielmehr müssten die Wachstumskräfte gestärkt und die Beschäftigungsschwellen gesenkt werden, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die Umsetzung des Hartz-Konzeptes werde nur geringe Entlastungen am Arbeitsmarkt nach sich ziehen.

HWWA-Präsident Thomas Straubhaar äußerte sich irritiert über die jüngsten Reformvorschläge aus dem Regierungslager, die auf die Stärkung des Mittelstandes, den Abbau von Bürokratie und die Senkung von Steuern und Abgaben abzielen. "Man fragt sich, wie dieses Programm mit dem zusammen passt, was bisher gemacht wurde", sagte er. "Wie viel davon ist politische Rhetorik und wie viel ist politisches Handeln?" Der HWWA-Chef nannte den Zerfall der Moral und den Vertrauensverlust in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die entscheidende Entwicklung des vergangenen Jahres. Politik und Wirtschaft hätten versagt und müssten Vertrauen neu erarbeiten.

Einen Weg zu mehr Wachstum und Beschäftigung sieht Straubhaar in einem stärkeren Wettbewerb zwischen den Bundesländern. In den vergangenen Jahren seien in der EU kleinere Länder wie Schweden, Finnland und die Niederlande schneller gewachsen und erfolgreicher beim Abbau der Arbeitslosigkeit als größere Länder. Deutschland mit seinen mehr als 80 Mill. Einwohnern sei zu groß und schwerfällig, zumal kleinere Länder die Vorteile der Globalisierung für sich schneller nutzen könnten. "Wir müssen weg vom kooperativen zum wettbewerblichen Föderalismus", forderte der HWWA-Chef.

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