Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2002

21:00 Uhr

46-Jährige ist Chef und Gründer von Apple

Steve Jobs: Der Meister des Marketings

VonSIGRUN SCHUBERT (San Francisco)

Wie kein Zweiter versteht es Jobs, sein Unternehmen medienwirksam zu inszenieren. Er verschafft Apple damit eine Bedeutung, die den Marktanteil deutlich übertrifft.

Steve Jobs liebt den großen Auftritt: "Das ist das Beste, was wir je hergestellt haben", schmettert der Chef von Apple Computer vollmundig ins Mikrofon. Die Fan-Gemeinde belohnt das kühne Eigenlob mit eifrigem Applaus und begeisterten Zurufen. Jobs lächelt - jungenhaft, sympathisch und zufrieden.

Wo sich das Spektakel zugetragen hat? Eigentlich egal - denn fast jede Präsentation eines neuen Apple-Rechners läuft so ab - als sei es ein Ritual. Diesmal war es die Messe MacWorld in San Francisco, und das neue Produkt ist der iMac mit Flachbildschirm, ein Computer, dessen gewagtes Design an eine Tischlampe erinnert.

Jobs, auf der MacWorld wie sonst auch lässig in verwaschenen Jeans und schwarzem Rolli gekleidet, ist ein Meister des Marketings. Kein anderer Computer-Hersteller verfügt über so eine treue Fangemeinde, kein anderes Unternehmen ist so häufig in den Schlagzeilen vertreten wie Apple. Und das bei einem Weltmarktanteil von nur 2,8 Prozent. Glühende Apple-Verehrer tragen nicht nur T-Shirts mit dem Firmen-Logo, sondern lassen sich den Firmen-Apfel gleich auf die Haut tätowieren. Apple ist mehr als ein Computerbauer. Apple ist cool, ist Design, ist Lebensstil.

Geheimniskrämerei ist seine Masche

Bei fast jedem öffentlichen Auftritt von Steve Jobs, 46, erklingt sein Lieblingssong: "Building a mystery" (ein Mysterium aufbauen) von Sarah McLachlan. Jobs setzt auf die Macht der Geheimniskrämerei - vor jeder Produktvorstellung heizt er die Spekulationen durch vage Andeutungen an, dann aber schweigt er wie ein Grab, so dass bald jeder überzeugt ist, dass Apple wieder etwas Revolutionäres erfunden haben muss.

Damit die Masche funktioniert und keine Neuheit verfrüht nach draußen sickert, muss ein Chef seine Mitarbeiter im Griff haben - und das hat Jobs. "Er ist besessen davon, die Kontrolle über sein Unternehmen zu haben", schreibt das US-Magazin "Forbes". Tatsächlich wurde ein Mitarbeiter verklagt, weil er Details eines neuen Computers schon vor der offiziellen Vorstellung im Internet veröffentlich hatte.

Intern gilt Jobs als "Kontroll-Freak" und "Perfektionist". Geschadet hat sein strenger Führungsstil dem Unternehmen offensichtlich nicht. Fast auf den Tag genau fünf Jahre sind es her, dass Firmengründer das Ruder bei Apple wieder übernommen hat. Nach seinem unfreiwilligen Abschied Mitte der achtziger Jahre war Apple immer weiter in die Krise gerutscht, so dass Jobs 1997 als vorläufiger Vorstandschef zurück geholt wurde.

Konzentration auf Design und Marke

1998 landete er mit dem ersten iMac einen Hit. Der Computer verkaufte sich bis heute rund sechs Millionen mal. Doch das war es nicht allein, was Apple aus der Krise half: Jobs strich ganze Produktreihen, unter anderem den Taschencomputer Newton, unterwarf das Unternehmen einer neuen Disziplin und begann eine engere Zusammenarbeit mit dem früheren Erzfeind Microsoft. Er konzentrierte sich mehr auf das Design und die Stärkung des Markennamens bis hin zum Kult. "Damit hat Jobs bewiesen, dass er erwachsen geworden ist", lobt Analyst Charlie Wolf vom Investmenthaus Needham & Co.

Doch die jüngste Krise im Technologie-Sektor hat auch Apple nicht verschont. Die Verkaufszahlen schrumpften im Vergleich zum Jahr 2000 um mehr als 30 Prozent. Jobs selber zog Konsequenzen und kürzte sein Gehalt auf einen Dollar - eine großzügige Geste, möchte man meinen. Auf sein Aktienoptionspaket, das zwar zur Zeit wegen des Kursverfalls nichts wert ist, und sein 43 Millionen Dollar teures Flugzeug, ein Gulfstream V Jet, plus noch einmal die gleiche Summe an Wartungskosten mochte der Milliardär dann aber doch nicht verzichten.

Zwar hat Apple noch genügend Bargeldreserven, doch ausruhen kann sich Jobs, der nebenberuflich noch Vorstandschef des Filmstudios Pixar ist, keinesfalls. Das wird er auch nicht, denn bereits jetzt spekulieren Branchenbeobachter und Fans über die nächste Innovation. "Eine technische Neuheit, vielleicht zur MacWorld im Juli in New York", heißt es.

Und Steve Jobs? Der schweigt. Und heizt damit das Rätselraten noch weiter an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×