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02.02.2001

00:00 Uhr

52. Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg

Digitale Monster machen Brettspielen und Puppen das Leben schwer

VonFrank G. Heide

DÜSSELDORF. Während die Mehrzahl der Video- und PC-Spieleanbieter trotz enorm gestiegener Entwicklungskosten für Hard- und Software noch auf stolze Zuwachstumsraten verweisen kann, kämpfen traditionelle deutsche Spielwaren-Hersteller mit rückläufigen Absatzzahlen.

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So will sich die Ravensburger AG nach einem Umsatzrückgang im abgelaufenen Geschäftsjahr neu strukturieren und Stellen abbauen. Der Umsatz habe sich 2000 um 6,7 % auf 551 Mill. DM verringert, sagte Vorstandschef Detlev Lux im Vorfeld der Nürnberger Spielwarenmesse.(link) Das Ergebnis werde wohl negativ ausfallen. Genaue Zahlen nannte er nicht. 1999 hatte Ravensburger früheren Angaben zufolge ein Vorsteuer-Plus von 6 Mill.DM verbucht, nach Steuern jedoch einen Verlust von 7 Mill. DM ausgewiesen. Dank des virtuellen Charakters "Moorhuhn" habe jedoch der Umsatz der Tochter Interactive um 38 % auf 27 Mill. DM zugelegt. Mehr als 500 000 CDs des Spiels seien verkauft worden.

Schmidt setzt auf Maus und Tigerente

Die Fernseh-Maus und Janoschs "Tigerente" sollen den im vergangenen Jahr rückläufigen Umsatz der Berliner Schmidt GmbH-Spiele wieder ankurbeln. Das Umsatzziel für 2001 liege bei 50 Mill. DM, sagte der Geschäftsführer des zweitgrößten deutschen Spiele-Verlags, Axel Kaldenhoven, am Mittwoch in Nürnberg. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz des Unternehmens mit 44,8 Mill. DM knapp unter dem Ergebnis von 1999. Einzelheiten zur Ertragslage nannte Kaldenhoven nicht. Grund für den Umsatz-Rückgang seien schlechtere Verkäufe von Plüschtieren. Der Umsatz bei Puzzles habe bei 9 Mill. DM stagniert. Dagegen hätten Brett- und Kartenspiele um 6 % zugelegt. Auf der Internationalen Spielwarenmesse stellt Schmidt-Spiele nach eigenen Angaben 243 Neuheiten vor.

Die schwedische Firma Brio hat ebenfalls Lizenzen entdeckt und lässt Jim Knopf in seiner Lok Molly oder den Lokomotivführer Lukas und seine alte Emma über die Insel Lummerland brausen. Damit Spielspaß garantiert ist, lassen sie auch die Piratengang "Wilde 13" aufleben, die mit einem Holzschiff vor der Insel kreuzen. Der kleinformatigen Plüsch-Fledermaus "Igor" soll der Aufstieg ins Rampenlicht erst noch bevorstehen. Der Schauspieler Rolf Zacher und die Entertainerin Anke Engelke leihen Flattertier mit den Vampirzähnen ihre Stimmen auf Kassetten und CDs.

Die Spielwarenbranche steht unter Strom. Playmobil kommt an einem elektrisch betriebenen, ferngesteuertem Fahrzeug nicht mehr vorbei. Wader, einer von vielen Herstellern von Baggern und Lastwagen für den Sandkasten, setzt ebenfalls auf Elektronik. Damit bei den ferngesteuerten Autos für den Spielplatz kein Sand ins Getriebe kommt, wurde die Technik dicht gekapselt. Die so genannten "Power Trucks" können aus Gründen des Preises und der Stabilität lediglich vor- und zurück oder nach links oder rechts fahren.

Steiff und Märklin bieten teure Stücke für Sammler

Andere Spielzeug-Produzenten setzen bewusst auf Hochwertiges, das von Kindern kaum zu bezahlen sein dürfte. Der Erwachsenen-Markt, der bisher rund 11 % des Branchenumsatzes ausmacht, rückt stärker ins Visier. Steiff zeigt auf der Messe den "Ewigen Kalender", in dem 12 Bären in 12 verschiedenen Kleidungen für die Monate des Jahres stehen. Der Januar-Bär trägt zum Beispiel einen Strickpulli und hat einen Schlitten dabei. Der Kalender kostet 2 800 DM und ist auf 2001 Stück limitiert.

Der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin, der die Hälfte seines Umsatzes mit Neuheiten erwirtschaftet, setzt zum 225-jährigen Unabhängigkeitstag der USA in diesem Jahr die schwere Dampf-Güterzuglokomotive "BigBoy" auf die Gleise. Das mit Hochleistungsmotor und vielen digitalen Zusatzfunktionen ausgestattete HO-Modell misst 46 Zentimeter und wiegt 1,2 Kilogramm. Mit einem Preis von 1 100 DM soll es vor allem Sammler ansprechen. "Das sind Liebhaber, die unsere Arbeit schätzen", sagt Märklin-Chef Wolfgang Topp.

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