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16.06.2000

08:15 Uhr

55 Jahre nach dem Holocaust

Niederländische Banken und Börse zahlen für jüdische Enteignungen 314 Mill. Gulden

Banken und Börse hatten einen Entschädigungsplan vorgelegt, die Vereinigung jüdischer Betroffener (CJO) stimmte zu.

dpa-AFX AMSTERDAM. Niederländische Banken und die Börse in Amsterdam werden für jüdische Enteignungen im Zweiten Weltkrieg gemeinsam einen Ausgleich von 314 Mill. Gulden (276 Mill. DM) zahlen. Auf diese Summe sowie ein öffentliches Schuldbekenntnis haben sich Delegationen der Geldinstitute mit der Vereinigung jüdischer Betroffener (CJO) am späten Donnerstagabend in Amsterdam geeinigt. Mit der Zahlung sollen Juden oder ihre Angehörigen für frühere Guthaben auf Bankkonten und in Schließfächern sowie an enteigneten Effekten entschädigt werden. Außerdem wird eine Gedenkplatte für die Opfer des Holocaust an einem Bankgebäude angebracht.

"Damit wurde von den Banken erstmals anerkannt, dass man sich damals fundamental falsch verhalten hat", sagte am Freitag Ronnie Naftaniel, der Sprecher der im CJO zusammengeschlossenen jüdischen Verbände. Er äußerte sich zufrieden über das erreichte Ergebnis.

In ersten Reaktionen äußerten sich Vertreter der Banken zurückhaltend. Insbesondere die Haltung des jüdischen Weltkongresses, der auf die seit längerem laufenden Verhandlungen in den Niederlanden Einfluss genommen hatte, wurde kritisiert. Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen war mit erheblichen Konsequenzen für führende niederländische Unternehmen in den USA gedroht worden. Noch vor knapp zwei Wochen waren die Verhandlungen festgefahren. Am Donnerstag hatten Banken und Börse jedoch einen Entschädigungsplan vorgelegt, der den jüdischen Vorstellungen näher kam. Details der Zahlungen sollen noch bekanntgegeben werden.

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