Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2003

08:52 Uhr

800 Kapitalsammelstellen geschlossen

Hedge Funds erfüllen Erwartungen nicht

VonUdo Rettberg

Das Jahr 2002 war nicht das Jahr der Hedge Funds. Zwar schlugen sie in der Wertentwicklung Aktien um Längen. Doch statt hoher Renditen kam im Schnitt nur ein mageres Plus von drei Prozent heraus. Das gilt indes nicht für Hedge Funds, die eindeutige Preistrends an den Rohstoffmärkten ausgenutzt haben.

FRANKFURT/M. Die Hedge-Funds- Branche hat im Jahr 2002 besser abgeschnitten als die Aktienbörsen. Dennoch haben diese wenig regulierten Kapitalsammelstellen die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt. Der CSFB Tremont Hedge-Fund-Index ist im Jahr 2002 um 3,04 % gestiegen. Der Index reflektiert die Wertentwicklung von rund 400 der bekanntesten Hedge Funds.

Hedge Funds sind Kapitalsammelstellen, die in der Regel von Steueroasen aus operieren und dabei große Freiheiten sowohl in der Wahl ihrer Anlageinstrumente als auch ihrer Anlagestrategien haben. Eine Schwäche dieser Akteure ist die unzureichende Transparenz und Liquidität. Dass Indexbetrachtungen gerade an diesem Markt problematisch sein können, ist auch daraus zu ersehen, dass der Hennessee HF-Index im Gegensatz zum CSFB/Tremont-Index im Jahr 2002 um rund 3 % zurück gegangen ist.

Verglichen mit der Wertentwicklung von Aktien - der MSCI-Weltindex verlor im vergangenen Jahr rund 20 % - erwiesen sich Hedge Funds jedoch weiterhin als interessante Kapitalanlage. Das Jahr sei vor allem für die Verfechter von Managed-Futures- Strategien sehr erfolgreich gewesen, sagt Oliver Schupp, Präsident der CSFB Tremont Index LLC. Bei dieser Strategie versuchen Hedge-Funds-Manager das ihnen anvertraute Geld durch Investments in Derivaten (wie Futures und Optionen) an den Terminbörsen zu vermehren.

Der CSFB/Tremont-Teilindex für Managed Futures wies im vergangenen Jahr eine Steigerung von 18,33 % auf. "Dies war das beste Ergebnis für diese spezielle Strategie seit dem Jahr 1998", sagt Schupp. Dabei hätten zahlreiche dieser Spezialisten klar erkennbare Trends an den Terminmärkten voll ausgenutzt. So wiesen vor allem jene Managed-Futures-Funds gute Ergebnisse auf, die konsequent auf sinkende Kapitalmarktzinsen oder aber auf steigende Rohstoffpreise gesetzt haben. Im vergangenen Jahr verdienten solche Funds zum Beispiel mit Gold und Kakao sehr viel Geld.

Eine überdurchschnittlich positive Entwicklung verzeichneten auch die Hedge-Funds-Manager, die der Strategie des "Dedicated Short Bias" folgten, die also konsequent auf sinkende Aktienkurse gesetzt haben. Der entsprechende Teilindex wies im Jahr 2002 ein Plus von rund 18,14 % auf. Enttäuschend fiel dagegen das Ergebnis jener Hedge Funds aus, die die Strategie "Long/Short Equity" verfolgten. Diese Anlagestrategie wird nach Aussagen von Schupp von rund 70 bis 80 % der im Hedge-Funds-Bereich tätigen Anlagestrategen verfolgt. Auch die von den deutschen Banken aufgelegten Hedge- Funds-Investmentvehikel verfolgen meist die Strategie Long/Short Equity. Hierbei wird versucht, innerhalb von Märkten und Branchen Aktien von unterbewerteten Unternehmen zu kaufen und im Gegenzug gleichzeitig Aktien überbewertet erscheinender Unternehmen zu verkaufen.

Wo spielt bei Hedge Funds derzeit die Musik? Thomas Staubli von der Schweizer Partners Group ist sicher, dass Long/Short-Equity-Manager, bei Aktien heute weiter leicht auf der "Long-Seite übergewichtet sind", also überwiegend auf steigende Aktienkurse setzen. Jens Ehrhardt von der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG in München weist auf das zunehmende Interesse der Hedge Funds an den Rohstoffmärkten hin. "Hedge Funds waren jüngst zum Beispiel die größte Käufergruppe am Goldmarkt", sagt der Fondsmanager. Ehrhardt erwartet, dass das Interesse der oftmals für ihre Weitsicht bekannten Hedge Funds an Rohstoffen und speziell an Gold bestehen bleibt.

Die Leistungen der Hedge Funds seien in der Vergangenheit oft zu unkritisch gesehen worden, sagt Schupp. Auch in der "Königsdisziplin der Kapitalanlage" entscheiden die Markttrends über Erfolg und Misserfolg. "Im Jahr 2002 haben mehr als 800 Hedge Funds aufgeben müssen", sagt Schupp. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge derzeit rund 5500 dieser Geldpools. Hedge Funds, die die kritische Masse im Anlagevermögen von 200 Mill.$ nicht erreichten, seien nicht überlebensfähig gewesen, so Schupp. Die Manager von Hedge Funds werden durch eine Managementgebühr (von durchschnittlich 1 %) und eine wertabhängige Gebühr entlohnt. Die leistungsabhängige Komponente kam wegen der schlechten Wertentwicklung vieler Geldpools zuletzt nicht zum Tragen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×