Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2001

14:29 Uhr

870 Mill. DM bis 2004

Deutschland engagiert sich verstärkt in Genomforschung

Nach der Veröffentlichung der Daten des internationalen Humangenomprojektes zur Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes will die Bundesregierung die Genomforschung in Deutschland gezielt und verstärkt fördern.

ap BERLIN/WASHINGTON. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn kündigte am Montag in Berlin an, dass noch in diesem Jahr in Deutschland ein Genomforschungsnetz entstehen soll. Dafür würden in den kommenden drei Jahren zusätzlich 350 Mill. DM investiert, sagte die SPD-Politikerin.

Die Bundesregierung werde in diesem Zeitraum insgesamt 870 Mill. DM in die Förderung von Projekten der Genomforschung stecken. Dabei werde sich die Forschung auf die fünf Krankheitsbereiche konzentrieren, die am häufigsten vorkämen. An erster Stelle stünden Herzkreislauferkrankungen, gefolgt von Krebs, Erkrankungen des Nervensystems, umweltbedingten Krankheiten sowie Infektionen. Bulmahn warnte jedoch vor übertriebenen Hoffnungen.

Anlass war die Veröffentlichung der wissenschaftlich aufgearbeiteten Daten des Projekts im Wissenschaftsmagazin "Nature" am Wochenende. Die beiden unabhängigen Forschungsgruppen des Menschlichen Genomprojektes HUGO und des US-Unternehmens Celera Genomic fanden heraus, dass der Mensch über etwa 26 000 bis 40 000 Gene verfügt. Wissenschaftler waren früher von mehr als 100 000 menschlichen Genen ausgegangen. Die neuen Untersuchungen ergaben, dass der Mensch nur etwa doppelt so viele Gene hat wie ein winziger Wurm mit dem Namen C. elegans oder die Fruchtfliege Drosophila, die es auf 19 000 beziehungsweise 13 600 Gene bringen.

Es gebe viele Menschen, die sich von dieser Tatsache irritiert fühlten, räumte der britische HUGO-Wissenschatler Eric Lander ein. Warum Menschen dennoch um so vieles komplexer sind als ein Wurm oder eine Fliege, bleibt ein Geheimnis. Wissenschaftler vermuten, dass die Gene eines Menschen eher in der Lage sind, vielfältige Proteine zu produzieren und außerdem vielseitiger sind als die von Wurm und Fliege.



Zwtl: "Ehrfurcht vor der Natur"



Die Veröffentlichung der Sequenz des Humangenoms habe eine derart große symbolische Bedeutung, wie sie "bisher nur von der Mondlandung und der Explosion der ersten Atombombe" ausgegangen sei, erklärt Professor Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut in einem Beitrag für das US-Fachmagazin "Science", das am Freitag auf den Markt kommt. Nach seiner Einschätzung sind die "immer deutlicheren Übereinstimmungen zwischen dem Genom des Menschen und dem anderer Lebewesen sowohl ein Quell der Demut und Ehrfurcht vor der Natur; doch zugleich erschüttern sie den Glauben der Menschen an ihre Einzigartigkeit."

Die aktualisierte Fassung der genetischen Information des Menschen ist nach Einschätzung der Max-Planck-Gesellschaft von enormer Bedeutung. "Doch die Kenntnis der Genomsequenz allein ist erst der Start der eigentlichen Arbeit", heißt es in einer Erklärung. Die Wissenschaft müsse jetzt herausfinden, was diese Sequenz bedeute und wie die darin enthaltenen Informationen die Funktionen eines Organismus steuerten.

Das Augenmerk wird sich den Wissenschaftlern zufolge deshalb stärker auf die so genannte funktionelle Genomanalyse verlagern, also auf die Analyse der Genprodukte, der Proteine, und ihres komplexen Zusammenwirkens. "Im Verständnis der Funktion der menschlichen Gene liegt wiederum auch der Schlüssel für die Aufklärung der molekularen Urachsen von genetisch bedingten Erkrankungen - vor allem der Volkskrankheiten wie Herz- und Kreislaufleiden, Diabetes oder Krebs", urteilt die Max-Planck-Gesellschaft.

Bereits am Sonntag waren Analysen der Sequenzierung auf der Internet-Seite des renommierten Wissenschafts-Blatts «Nature» unter der Adresse www.nature.com veröffentlich worden. Die ganze Sequenzierung steht unter der Homepage . Mit der Veröffentlichung im Internet stehen die Daten allen Wissenschaftler und Mediziner weltweit für Forschungen zur Verfügung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×