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08.01.2001

08:33 Uhr

Abbau von Produktionskapazitäten erwartet

Schrempp: Chrysler wird wieder profitabel wie früher

Die Daimler-Chrysler AG sieht nach den Worten ihres Vorstandschefs Jürgen Schrempp die angeschlagene US-Tochter Chrysler weiter als Teil der Strategie an, auf längere Sicht der führende Autokonzern der Welt zu werden. Schrempp sagte auf einem Empfang anlässlich der Autoschau in Detroit am Sonntagabend, der Konzern werde alle Ressourcen einsetzen, um bei Chrysler wieder die Profitabilität früherer Jahre zu erreichen.

Reuters DETROIT. "Ich habe keine Zweifel, dass wir in der Lage sind, das zu schaffen", sagte er. Ebenso wie bei Chrysler werde auch dem Management des japanischen Partners Mitsubishi Motors eine Umstrukturierung gelingen, damit das derzeit ebenfalls Verluste erwirtschaftende Unternehmen innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre wieder positive Ergebnisse erwirtschaften werde.

Daimler - Intraday-Chart

"Chrysler ist ein wesentliches, wichtiges Element in der Strategie von DaimlerChrysler, der wirklich führende Autohersteller in den kommenden Jahren zu werden", sagte Schrempp vor Journalisten weiter. Er wiederholte frühere Aussagen, dass ein Verkauf von Chrysler überhaupt keinen Sinn machen würde. Chrysler habe ein operatives Problem und durch die nachlassende Nachfrage auf dem nordamerikanischen Markt zudem eine Herausforderung durch den Markt. Chrysler habe jedenfalls spannende Produkte in der Planung, und es gebe dort sehr gute Leute, so dass die Wende gelingen werde.

Die US-Sparte des Stuttgarter Konzerns war in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tief in die Verlustzone gerutscht, für das vierte Quartal hatte DaimlerChrysler für die US-Tochter einen Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro angekündigt. Im November hatte Daimler-Chrysler die Führung bei Chrysler ausgetauscht und den neuen Chef Dieter Zetsche mit der Ausarbeitung eines Programms zur grundlegenden Neuausrichtung bis Ende Februar beauftragt.

Zur Finanzlage des gesamten Daimler-Chrysler-Konzerns sagte Schrempp: "Wir sind in einer gesunden Situation, das kann ich Ihnen versichern." Zu den erwarteten Inhalten des Umstrukturierungsprogramms für Chrysler äußerte er sich nicht weiter. Er sagte lediglich, das Programm werde sich nicht nur mit dem Jahr 2001 befassen, sondern auch mittelfristige Entwicklungen berücksichtigen. Eine Stellungnahme auf die Frage, ob ein verkleinertes Tochterunternehmen Chrysler profitabler sein könnte, lehnte Schrempp ab. Analysten gehen davon aus, dass Chrysler in großem Umfang Stellen abbauen und möglicherweise auch Werke schließen wird.

Schrempp: Es wird Anpassungen geben

Schrempp deutete an, dass er in der US-Autoindustrie insgesamt durchaus einen Abbau von Produktionskapazitäten erwartet. Im Moment gingen Prognosen für 2001 im Schnitt von einem Rückgang des Marktes auf etwa 16 Mill. Fahrzeuge nach etwa 17,4 Mill. im vergangenen Jahr aus. In den USA gebe es aber eine Kapazität für die Fertigung von mehr als 16 Mill. Fahrzeugen. "Daher denke ich, dass es einige Anpassungen geben werden muss", sagte Schrempp, ohne auf möglicherweise geplante Einschnitte bei Chrysler einzugehen.

Die Marke Mercedes wird nach Schrempps Einschätzung nicht unter der Abschwächung des US-Marktes leiden. Mercedes habe im vergangenen Jahr einen Rekordabsatz in den USA erzielt und erstmals mehr als 200 000 Pkw verkauft. "Und ich erwarte, dass sich Mercedes in der Tat sehr gut weiter entwickeln wird", sagte er mit Blick auf neue Modelle wie etwa das Kombimodell der Mercedes C-Klasse, das der Konzern auf der Autoschau in Detroit vorstellen wird.

Die Probleme bei Chrysler hatten den Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie seit dem vergangenen Jahr stark belastet, derzeit ist die Aktie etwa weniger als die Hälfte im Vergleich zum Frühjahr 1999 wert. Angesichts des tiefen Absturzes der Erträge bei Chrysler war zuletzt auch Schrempp selbst kritisiert worden. Der Vorstandschef sagte auf dem Empfang dazu, im Leben gebe es eben Hochs und Tiefs. "Welche Kritik auch immer am Unternehmen oder an mir persönlich geübt wird: Ich muss es akzeptieren, aber mich gleichzeitig auf das Geschäft konzentrieren.

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