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06.02.2001

16:50 Uhr

Aber niedrigster Januar-Stand seit 1995

Arbeitslosenzahl wieder über vier Millionen

Die Winterflaute hat die Zahl der Arbeitslosen zum ersten Mal seit neun Monaten wieder über die Vier-Millionen-Marke steigen lassen. Dennoch lag die Arbeitslosigkeit im Januar auf dem niedrigsten Stand in diesem Monat seit 1995. Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, sprach am Dienstag in Nürnberg von einem "deutlichen" Anstieg. Er führte aber ausschließlich jahreszeitliche Gründe an: "Ich glaube, das wird sich wieder glätten, wenn der Winter vorbei ist."

ap NÜRNBERG. Die Arbeitsämter zählten im Januar 4,093 Mill. Erwerbslose, das sind 284 300 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl um 200 200. Die Arbeitslosenquote fiel binnen Jahresfrist von elf auf zehn Prozent. Dennoch sei der Monat nicht so günstig ausgefallen wie die Januare der Vorjahre, sagte Jagoda.

Auch saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl, anders als in den Vormonaten, leicht an, nämlich um 7 000 gegenüber Dezember. Daraus dürften aber "keine weiterreichenden Schlüsse" gezogen werden, betonte Jagoda. Der Anstieg der Beschäftigung im Jahr 2000 zeige, dass sich die Konjunktur weiter positiv auf den Arbeitsmarkt auswirke. Bundesweit waren im Januar bei den Arbeitsämtern 484 300 Stellenangebote gemeldet, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Erwartungen für das Frühjahr vorsichtig

Im Westen wie im Osten stiegen die Erwerbslosenzahlen stärker als in den Vorjahren. In den alten Bundesländern waren Ende Januar 2 622 200 Arbeitslose registriert, 168 600 mehr als im Vormonat, aber 204 700 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote war mit acht Prozent weniger als halb so groß wie in den neuen Bundesländern mit 18,7 %. Im Osten gab es 1 471 000 Arbeitslose, 115 800 mehr als im Vormonat und 4 500 mehr als im Vorjahr.

Zu den Erwartungen für das Frühjahr äußerte sich Jagoda vorsichtig. Falls die Bereitschaft der Betriebe steige, das vorhandene Potenzial zu nutzen, könnte die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt bereits im März einsetzen. Vom Februar erwarte er noch keine große Belebung.

Auffällig war im Januar die unterschiedliche Entwicklung einzelner Branchen. Im verarbeitenden Gewerbe sowie in Metall- und Elektroberufe stieg die Zahl der offenen Stellen deutlich. Düster sah es dagegen am Bau aus. Besonders verheerend fielen die Ergebnisse in Ostdeutschland mit 15 % mehr Arbeitslosen.



Riester sieht weiter positiven Trend



Der positive Trend am Arbeitsmarkt hält nach Einschätzung von Bundesarbeitsminister Walter Riester weiter an. Der Anstieg gegenüber Dezember 2000 sei ausschließlich saisonbedingt, betonte er. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer warf der Bundesregierung dagegen vor, die Chancen des konjunkturellen Wachstums zu verschenken. Notwendig zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seien ein modifizierter Kündigungsschutz und eine stärkere Flexibilisierung der Tarifverträge.

Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Johannes Singhammer, kritisierte die Bundesregierung habe nichts zur Entspannung auf dem Arbeitsmarkt beigetragen. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle nannte die Lage am Arbeitsmarkt dramatisch.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund erklärte, beim Kampf für mehr Beschäftigung dürfe nicht nachgelassen werden. Zugleich forderte der DGB, die Europäische Zentralbank zu einer Zinssenkung auf, "um die Konjunkturdelle auszubügeln".



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