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31.01.2002

15:55 Uhr

Abkehr vom Niederstwertprinzip

Neue Bilanzregeln für Versicherungen

Deutsche Versicherungen müssen nach einem Bundestagsbeschluss ihre Wertpapierbestände künftig nicht mehr zu ihrem niedrigsten Kurs in der Bilanz bewerten. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) erklärte am Donnerstag weiter, die Zustimmung des Bundesrates zu dem neuen "Versicherungskapitalanlagen-Bewertungsgesetz" werde am 1. März erwartet.

Reuters BERLIN. Mit dem vom Bundestag beschlossenen Gesetz werde verhindert, dass Versicherungen allein wegen kurzzeitiger Kursschwankungen bei ihren Wertpapieren einen Rückgang ihres Bilanzgewinns erlitten, was wiederum zur Kürzung der Überschussbeteiligung für die Versicherungskunden führen könnte. Mit dem Bundestags-Beschluss gebe es eine verlässliche Basis, um schon Abschlüsse für 2001 nach den neuen Regeln aufzustellen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte vergangenen Herbst nach teils massiven Kursverlusten bei Aktien eine Änderung der Bilanzregeln für Versicherungen gefordert. Anders als Banken war es den Versicherungen bislang vorgeschrieben, Wertpapiere zum jeweiligen Tiefstwert nach dem so genannten strengen Niederstwertprinzip in ihre Bilanz aufzunehmen. Das führe dazu, dass vorübergehende Kursrückgänge den Bilanzgewinn der Unternehmen schmälern und damit die Überschussbeteiligungen drücken könnten, argumentierte die Branche. Außerdem könnte das zu umfangreichen Wertpapierverkäufen bei Versicherungen führen, die eine der wichtigsten Anlegergruppen darstellen.

Nach dem nun beschlossenen neuen Gesetz werden Banken und Versicherungen bei der Bewertung ihrer Bestände an Wertpapieren gleich gestellt. Damit können die Versicherungen künftig ihre Wertpapierbestände wie Anlagevermögen behandeln. Sie können ihre Aktien künftig zu ihrem nachhaltigen, längerfristig orientierten Wert bilanzieren. Die neuen Gesetzesregeln sollen nach Angaben des Justizministeriums entsprechend den Anliegen der Branche schon für den Bilanzstichtag 30. September 2001 gelten.

Gleichzeitig soll das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen seine Kontrollmaßnahmen bei Versicherungen im Interesse des Verbraucherschutzes erweitern. Auch sollen Versicherungsfirmen künftig ihre aktuelle Vermögenslage in erweitertem Umfang offen legen.

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