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26.01.2001

13:33 Uhr

Abkühlung der US-Konjunktur beschrieben

Greenspan-Äußerungen beflügeln Euro-Renten

Die Äußerungen von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan von Donnerstag haben die europäischen Zinsfutures Händlern zufolge auch am Freitag weiter gestützt. Vor allem Greenspans Beschreibung der derzeitigen Abkühlung der US-Konjunktur als "sehr dramatisch" und sein Hinweis auf ein mögliches Null-Wachstum in den USA hätten die US-Staatsanleihen und in deren Gefolge auch die Euro-Renten beflügelt.

Reuters FRANKFURT. "Genau das wollte der Rentenmarkt hören, denn damit hat Greenspan die Tür für eine kräftige Leitzinssenkung weit geöffnet", sagte ein Händler. Die Kursgewinne seien jedoch nicht überschwenglich, da der Markt Überraschungen der US-Notenbank (Fed) seit der vergangenen unerwartet frühen Leitzinssenkung um 50 Basispunkte Anfang Januar nicht mehr ausschließe. Gegen 14.00 Uhr MEZ notierte der richtungweisende Euro-Bund-Future bei knapp 400 000 gehandelten Kontrakten 24 Ticks fester bei 108,55 Punkten, nachdem er in der Spitze bereits bei 108,65 Punkten gelegen hatte.

Der Bobl-Future lag zur gleichen Zeit 14 Stellen im Plus bei 105,64 Punkten. Am kurzen Ende gewann der Schatz-Future vier Ticks auf 102,55 Punkte. Die zehnjährige Bundesanleihe Januar 2011 notierte mit 103,14 % nach 102,94 % am Vortagesschluss. Zur Kasse lag das Papier bei 103,24 (102,82) Prozent. Auf dem aktuellen Niveau rentierte die Anleihe mit 4,84 %.

"Der Markt hatte sich am späten Donnerstagnachmittag entschieden, dass Greenspans Äußerungen positve Nachrichten für die Rentenpapiere sind", sagte ein Händler. Zu Beginn seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats hatte sich Greenspan jedoch als Befürworter der Steuersenkungspläne des neuen US-Präsidenten George Bush gezeigt. Das führte Händlern zufolge zunächst zu einem spürbaren Test der Tiefststände bei den Euro-Renten, da viele Anleger befürchteten, Steuersenkungen könnten zu Lasten der Schuldentilgung und der Anleiherückkäufe der US-Regierung gehen.

Infusion für die Aktienmärkte

Auch wenn dies später von den Aussagen zum Null-Wachstum wieder überlagert worden sei, sehen einige Analysten die geplanten Steuersenkungen der neuen US-Regierung mittel- bis langfristig als eher belastenden Faktor für die Rentenmärkte an. "Massive Steuer- und Zinssenkungen sind eine wahre Infusion für die Aktienmärkte", sagte ein Händler. Das könne bereits in zwei bis drei Monaten die Euro-Renten spürbar drücken. Bush plant die US-Bürger um insgesamt 1,6 Billionen $ steuerlich zu entlasten.

Derzeit wird der Rentenmarkt aber noch hauptsächlich von der Erwartung baldiger Zinssenkungen der Fed getragen. Der für die Geldpolitik der Fed verantwortliche Offenmarktausschuss (FOMC) kommt am 30. und 31. Januar zu seinem nächsten Zinstreffen zusammen. Einer jüngsten Reuters-Umfrage zufolge, die kurz nach Greenspans-Rede erhoben wurde, erwarten 24 der der 25 befragten Händler eine Senkung um 50 Basispunkte. Zuvor hatte nur rund die Hälfte der Befragte mit einem so deutlichen Zinsschritt gerechnet.

"Wir blicken gegenwärtig eigentlich nur in die USA", sagte ein Händler. Europäische Daten spielten nur eine untergeordnete Rolle. Die am Vormittag bekannt gegebene Verlangsamung des Geldmengenwachstums in der Euro-Zone habe sich daher nicht spürbar ausgewirkt. Die Geldmenge M3 stieg im Dezember nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einer Jahresrate von 4,9 % nach revidert 5,0 % im Vormonat. Die Zahlen liefern Analysten zufolge jedoch keinen Grund für eine baldige Leitzinssenkung der EZB. "Spekulationen über mögliche Zinsschritte in der Euro-Zone sind am Markt mittlerweile vom Tisch", sagte ein Händler. Die EZB habe angesichts noch immer vorhandener Inflationsgefahren in der Euro-Zone derzeit keinen Anlass, die Leitzinsen zu senken.

Die Kurse der börsennotierten Anleihen notierten am Freitag im Kassa-Vergleich mehrheitlich fester. Während 66 der gehandelten Papiere um bis zu 0,6 % zulegten, gaben 15 Papiere um bis zu 0,02 % nach. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen fiel auf 4,82 (4,85) Prozent. Die Bundesbank verkaufte in Frankfurt zum Marktausgleich per Saldo Anleihen im Volumen von 216,7 (Donnerstagskäufe 106,2) Mill. Euro. Der Rex-Rentenindex stieg um 0,15 % auf 112,4680 Punkte.

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