Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2003

08:19 Uhr

Absage an Fusion mit Commerzbank

Hypo-Vereinsbank ändert die Strategie

Der neue Chef der Hypo-Vereinsbank, Dieter Rampl, startet einen Befreiungsschlag, um die Bank aus ihrer schwersten Krise zu führen. Künftig werde sich der Münchener Konzern auf das Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland, Österreich und Osteuropa konzentrieren, teilte Rampl am späten Mittwochabend nach einer ungewöhnlich langen Aufsichtsratssitzung mit. Der Fusion mit der Commerzbank erteilte er zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage.

Die Zentrale der Hypo-Vereinsbank in München. Foto: dpa

Die Zentrale der Hypo-Vereinsbank in München. Foto: dpa

cbu/dpa MÜNCHEN. Erst am Dienstag wurden weitere Akquisitionen in Osteuropa angekündigt. "In diesem Jahr wollen wir eine nachhaltige Verbesserung unser operativen Ergebnisse erreichen", sagte Rampl. Die Bank hat 2002 voraussichtlich tiefrote Zahlen geschrieben.

Alle anderen Aktivitäten, insbesondere an außereurpäischen Standorten wie in Asien und den USA, sollen größtenteils aufgegeben werden. Gleichzeitig will die HVB das Kreditengagement deutlich zurückfahren.

Rampl erteilte am Donnerstag vor Analysten Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank erneut eine Absage. Eine Akquisition oder eine Fusion mit einem anderen Kreditinstitut stünde nicht auf der Agenda. Dabei bezog er sich ausdrücklich auch auf die Commerzbank. Für die Hypo-Vereinsbank hätten der Konzernumbau und die Stärkung der operativen Ertragskraft Priorität, sagte Rampl.

Außerdem baut Rampl die Führungsspitze des Konzerns erneut um. Die Vorstände Stephan Bub und Paul Siebertz müssen überraschend gehen. Gleichzeitig sollen die Risikoaktiva um ein Drittel oder um 100 Mrd. Euro gesenkt werden. Dies erfolgt unter anderem durch die Ausgliederung der gewerblichen Immobilienfinanzierung unter dem Namen HVB Real Estate. Dies soll im zweiten Halbjahr 2003 umgesetzt werden, hieß es.

Einschneidend sind vor allem die Veränderungen der neuen Führungsstruktur. Künftig soll es nur noch drei Geschäftsfelder geben: Deutschland, Österreich/Osteuropa und Kapitalmärkte. Die Bereiche Private Banking und die Fondsgesellschaft Activest werden künftig dem Bereich Deutschland zugeschlagen.

Per Ende März wird der langjährige Vorstand Paul Siebertz ausscheiden. Die Verantwortung für den Bereich Personal wird Rampl selbst übernehmen. Siebertz hatte zuletzt noch intensiv mit den Arbeitnehmer- Vertretern über einen weiteren Personalabbau verhandelt und einen so genannten "Runden Tisch" ins Leben gerufen. Die Trennung erfolge in "freundschaftlichem Einvernehmen", teilte die HVB mit.

Ende des Jahres geht auch Stephan Bub von Bord. Der ehemalige BHF-Banker, der lange als Hoffnungsträger galt, hatte selbst Ambitionen auf den Chefsessel. Er betreut derzeit das internationale Kapitalmarktgeschäft in New York. Anfang 2004 werde Bub sich mit einem Teil des Geschäftes selbstständig machen. Die HVB bleibe als Finanzinvestor an Bord. Die Risikoaktiva werden aber ausgegliedert.

Neu in den Vorstand wird der derzeitige Bereichsvorstand Michael Mendel berufen, der sich in erster Linie um das Risikocontrolling kümmern soll. Gerhard Randa, bereits für Österreich und Osteuropa zuständig, erhält zusätzliche Kompetenzen und soll sich künftig verstärkt um Synergien und einheitliche IT-Systeme kümmern. Stefan Jentzsch, ebenfalls als neuer Chef im Gespräch gewesen, erhält die Zuständigkeit für das wichtigste Geschäftsfeld Deutschland und damit eine Schlüsselposition. Wolfgang Sprißler bleibt Finanzvorstand.

Der Konzern kommt damit nicht zur Ruhe. Rampls Vorgänger Albrecht Schmidt hatte zuletzt die Struktur und den Vorstand mehrmals umgebaut. Die interne Unruhe ist bereits beträchtlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×