Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.12.2011

17:16 Uhr

Absteiger des Jahres

Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Mogelpeter

VonArnulf Baring

Karl-Theodor zu Guttenberg sollte und wollte als Politiker alles erreichen. Doch seine Verfehlungen zeigen, es fehlt ihm an Größe. Dieser Mangel macht ihn in der Politik und darüber hinaus zum Absteiger des Jahres.

Stand 2011 in keinem guten Licht: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Stand 2011 in keinem guten Licht: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Schon lange vor der raschen, steilen Karriere, die ihn zunächst zum Minister für Wirtschaft, dann zum Verteidigungsminister und zugleich zum Liebling von Medien und Öffentlichkeit werden ließ, kannte ich den jungen Karl-Theodor zu Guttenberg. Er machte damals einen hervorragenden Eindruck: bescheidenes Auftreten, gewinnendes Wesen, angenehme Umgangsformen; gebildet, beredt, kenntnisreich.

Besonders positiv fiel auf, dass er sich in aller Stille zum außenpolitischen Experten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion heranbildete. Denn das ist für einen Christdemokraten seit 1969 eine ungewöhnliche, wenig aussichtsreiche Orientierung. Seit jenem Jahr stellt immer der kleinere Koalitionspartner den Bundesminister des Auswärtigen. Seit über 40 Jahren droht also einem außenpolitisch orientierten Christdemokraten, trotz glänzender Expertise, lebenslang das Abseits.

Dieses Schicksal blieb Guttenberg erspart - und noch mehr. Seit er Minister geworden war, erfreute er sich eines unglaublichen öffentlichen Rückenwinds, der ihn in die Höhe trug, ihm aber gleichzeitig zu Kopfe stieg. Kein Wunder: Unsere Massenmedien und dann auch die Bevölkerung wussten sich nicht zu lassen in ihrer grenzenlosen, maßlosen Begeisterung. Obwohl sich die Frage seiner Kanzlerschaft nach menschlichem Ermessen erst viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später stellen würde, sahen viele Beobachter in KT, diesem Enddreißiger, schon den künftigen Regierungschef, der unser Land aus allen Schwierigkeiten bringen würde.

Laudator Arnulf Baring, Jahrgang 1932, ist Publizist, Politikwissenschaftler, Zeithistoriker und Autor. Baring stammt aus einem Zweig der deutsch-britischen Bankiersfamilie Baring. Zuletzt lehrte er an der FU Berlin Politikwissenschaften. Seit 1998 ist er emeritiert. David Ausserhofer

Laudator Arnulf Baring, Jahrgang 1932, ist Publizist, Politikwissenschaftler, Zeithistoriker und Autor. Baring stammt aus einem Zweig der deutsch-britischen Bankiersfamilie Baring. Zuletzt lehrte er an der FU Berlin Politikwissenschaften. Seit 1998 ist er emeritiert.

Wie ist dieser Gefühlsüberschwang zu erklären? Denn wenn man Guttenbergs Wirken nüchtern betrachtete, hatte er weder originelle Konzepte noch gut begründete Entschlüsse vorzuweisen. Was bei anderen als selbstverständliches Verhalten galt, wurde bei ihm hoch gelobt. Er sprach anders als normale Politiker, das ist wahr, und er ließ eine innere Distanz gegenüber dem üblichen Gehabe erkennen. Man schrieb ihm eine innere Unabhängigkeit zu, die man bei anderen Politikern schmerzlich vermisst. Seine demonstrative Unbefangenheit schien sich aus einem beträchtlichen Vermögen, einer jahrhundertealten Familientradition und einer entsprechenden Statussicherheit zu erklären.

Guttenberg wurde als Ausnahme, als Glücksfall begriffen. Er konnte zum erhofften nationalen Erlöser werden, weil die Deutschen ihr Führungspersonal von Jahrzehnt zu Jahrzehnt skeptischer betrachten. Da unsere politischen Eliten in den drei maßgeblichen Parteien der Nachkriegszeit außergewöhnliche Qualitäten besaßen, hat sich bei unseren Parteien mittlerweile die Illusion eingenistet, politische Führung entstehe und wachse gewissermaßen von selbst. Das ist aber offenkundig nicht der Fall. Aus Funktionärsapparaten und Dorfkrughinterzimmern kann man in aller Regel keine Personalangebote erwarten, die das Land begeistern.

Kommentare (29)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dr.NorbertLeineweber

28.12.2011, 17:47 Uhr

Dr.NorbertLeineweber: Guttenberg sauber filetiert!
Typisch Arnulf Baring. Punktgenau und tadellos. Mit der Charakterschwäche hat Baring recht. Auch scheinen hier gewisse Skrupel und Selbstrefelexion zu fehlen. Wer derart ins Rampenlicht will, will nicht, er muss und ist getrieben von seiner Persönlichkeitsstruktur. Diese ist auch vielen Managern gemein. Letztere leiden definitiv nicht selten an einem ausgeprägten Narzissmus. Die Entwicklungsgeschichte im Kindheitsalter würde jedenfalls dazu passen. Welcher Psychologe traut sich? Der Vortragende hat unter härtesten Bedingungen nach 5 Jahren ein summa bekommen und weiß wovon er redet wenn sich Guttenberg "Leistungen " zuordnen wollte, denen er nicht gewachsen ist.

aruba

28.12.2011, 17:47 Uhr

Guten Tag,.... Alles schoen und Gut(tenberg ). Aber diese blaubluetigen Halunken von denen Sie das Wort " elitaer " missbrauchen,... kommen mit dem goldenen Loeffel in der Hand zur Welt. Ich bin Baumschulabsolvent und habe nicht studiert;... ( aber einen ECHTEN Professor / Doktor / der Sorbonne als Minderheitsteilhaber und guten Freund. Dieser Mann kam aus einfachen Verhaeltnissen und war erst mit 31 Jahren fertig ( im wahrsten Sinne des Wortes ) mit seinen Studien. Sein Vater war ein einfacher Angestellter mit kleinem Lohn. Seine Mutter musste mitarbeiten. Der Mann, dem Ich intellektuell nicht das Wasser reichen kann,.. ist ein bescheidenes Kerlchen der niemals Rampenlicht sucht. Immer, aber auch immer laesst er Mich entscheiden;... obwohl Ich seinen Rat hoch ansehe. Es liegt im Blut der Adligen ( von denen Ich viel zu viele kenne ) dass sie sogar heute noch Standesdenken praktizieren. Das dumme Volk hilft ihnen auch noch dabei, indem es solche Aale vergoettert. Nachher wenn so ein " Von und Zu, Auf und Davon " auf der Fresse liegt;.... dann haben natuerlich alle es immer schon geahnt. Dieses blaubluetige Geschwuer hat Kriege, Kreuzzuege, und die Ausloeschung ganzer Kulturen ( mit bester Beihilfe unserer Mutter der heiligen Kirche ) auf dem Kerbholz. Also;.... immer schoen bescheiden bleiben. Besten Dank

SlingShot

28.12.2011, 17:54 Uhr

gibts nichts anderes zu berichten? Die deutsche Politik und Medien muessen enormen Respekt vor Karl-Theodor zu Guttenberg haben, weil das Thema immer wieder aufgegriffen wird und in die Schlagzeilen kommt.
Unsere Politik, mit ihren gleichgeschalteten Medien, bewegen sich langsam zum Rande des Abgrunds. Die koennten bald zu den Absteigern des Jahrhunderts werden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×