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13.01.2003

14:41 Uhr

Acht Personen im Visier

Ermittlungen gegen Neuber und Tui-Chef Frenzel

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat ihr Ermittlungsverfahren wegen der Insolvenz des Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig ausgeweitet. Neben dem ehemaligen Vorstandschef Klaus Lederer werde gegen sieben weitere Manager von Babcock und TUI (vormals Preussag) und der Kieler Werft HDW wegen Insolvenzverschleppung und Untreue beziehungsweise Beihilfe ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch am Montag. Zu den Beschuldigten gehörten der Babcock-Aufsichtsratschef und ehemalige WestLB-Chef Friedel Neuber und TUI-Chef Michael Frenzel.

Friedel Neuber. Foto: dpa

Friedel Neuber. Foto: dpa

DÜSSELDORF/OBERHAUSEN. Außerdem seien Ermittlungen gegen zwei weitere ehemalige Babcock-Vorstände, gegen TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake, einen ehemaligen Finanzvorstand der Kieler Werft HDW und einen weiteren Babcock-Mitarbeiter aufgenommen worden, sagte Englisch. Wegen Insolvenzverschleppung und Untreue ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit dem vergangenen Juli gegen den ehemaligen Babcock-Chef Klaus Lederer.

"Grob gesagt geht es um den Vorwurf, dass die Kieler Werft zum Schaden für HDW in das Cash-Clearing des wackeligen Babcock-Konzerns einbezogen wurde", erläuterte Englisch. Bei diesem Verfahren wurden alle Gewinne der Werft von der Konzernmutter vereinnahmt. Dies soll unter anderem von Feuerhake als Aufsichtsrat bei HDW mit bewerkstelligt und von seinem Chef Frenzel gedeckt worden sein. "Es ist zudem schwer vorstellbar, dass Neuber als Chef der an allen betroffenen Firmen beteiligten WestLB von all dem nichts gewusst hat", sagte Englisch. "Möglicherweise wurde ein Schaden für HDW in Kauf genommen, um den Umbau von der Preussag zur TUI zu bewerkstelligen und Babcock über Wasser zu halten."

Tui bietet Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft an

TUI-Sprecher Kay Baden sagte, die Vorstände wollten der Staatsanwaltschaft jede Zusammenarbeit anbieten, um die Angelegenheit schnell aufzuklären. Babcock-Sprecher Thomas Schulz sagte, er könne nicht für Aufsichtsratschef Neuber sprechen. Nach Zeitungsberichten soll Neubers Rücktritt kurz bevorzustehen. Dies wollte Schulz weder bestätigen noch dementieren. Im Januar gebe es aber noch keine Sitzung des Gremiums.

Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen Lederer war eine Anzeige der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Aktionärsschützer hatten Lederer und dem Vorstand vorgeworfen, beim Verkauf der Mehrheit an der Kieler Werft HDW die Zahlungsunfähigkeit des Konzerns bewusst in Kauf genommen zu haben. Zudem habe Lederer dies der Hauptversammlung im März 2002 bewusst verschwiegen. Die Insolvenz wurde erst Anfang Juli nach dem Ausscheiden Lederers angemeldet.

Insolvenzverwalter Helmut Schmitz und der neue Vorstandschef Hans Piepenbrock hatten erklärt, es habe bereits zum Ende 2001 Anzeichen für Zahlungsprobleme gegeben. Aus Prüfungsberichten hätten sich für Vorstand und Aufsichtsrat "starke Indizien" für eine drohende Zahlungsunfähigkeit ergeben.

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