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07.02.2003

14:20 Uhr

Ackermann bricht mit der Vergangenheit

Abschied von der Deutschland AG

Der neue Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat das größte deutsche Finanzhaus in weniger als einem Jahr radikal umgebaut. Nach massivem Personalabbau, deutlich gedrückten Kosten und Milliarden-Verkäufen an Beteiligungen sieht sich der Branchenprimus gut gerüstet für den erhofften Konjunkturaufschwung.

HB/dpa FRANKFURT. "Die Deutsche Bank ist heute nicht mehr vergleichbar mit der Deutschen Bank vor einem Jahr", bilanzierte Ackermann am Freitag in Frankfurt den radikalen Schnitt zur Vergangenheit.

Allein mit dem Verkauf von Beteiligungen wurden 2002 rund 3,5 Milliarden Euro erzielt. Neben der eingeschlagenen Strategie - "zurück zum Kerngeschäft" - konnten mit diesen Mitteln auch Schwachstellen in der Bilanz ausgeglichen werden. Dazu zählen vor allem Abschreibungen auf die Gerling-Beteiligung in Höhe von 700 Millionen Euro. Damit seien aber auch die bislang vorhandenen Polster in Form des "Tafelsilbers" weggeschmolzen, betonte Ackermann.

Aktienmärkte verhindern weitere Verkäufe

Auch die noch bestehenden Engagements an Daimler-Chrysler, Linde, RWE, Heidelberger Zement und der ehemaligen Metallgesellschaft stehen mittelfristig auf der Verkaufsliste. Die aktuell schlechte Verfassung der Aktienmärkte lasse dies gegenwärtig nicht zu, betonte der Vorstandssprecher. Mit dem eingeschlagenen Kurs unter dem Schweizer Ackermann hat sich der Branchenprimus aber endgültig von seiner Rolle als "Spinne im Netz der Deutschland AG" verabschiedet.

Der massive Schwund der Belegschaft verdeutlicht ebenfalls die konsequente Handschrift Ackermanns. Von den angekündigten 14 500 Stellenstreichungen seien bereits 80 Prozent oder 11 300 erledigt. Von ursprünglich 89 000 Beschäftigten waren Ende Januar weltweit nur noch 72 000 Personen im Konzern tätig. Bereits 2002 konnten die Personalkosten um rund zwei auf 11,4 Milliarden Euro gedrückt werden, die Gesamtkosten sogar um 3,8 auf 19 Milliarden Euro.

Verringerung der Kreditrisiken

Der dritte Komplex zur Überwindung des schwersten Bankenjahres seit 50 Jahren war eine deutliche Verringerung der Kreditrisiken. Das gesamte Kreditvolumen wurde innerhalb eines Jahres von 295 auf 172 Milliarden Euro zurückgefahren. Neben der Veräußerung der Hypothekentochter spielten der gestiegene Eurokurs, aber auch die Kappung von Kreditlinien bei Kunden (minus 10 Prozent) eine Rolle. Schließlich wurden faule Kredite in den Büchern mit einer Verdoppelung der Risikovorsorge auf zwei Milliarden Euro abgesichert.

Mit diesen Schnitten ist Ackermann zuversichtlich, für die Zukunft gerüstet zu sein. "Jede Verbesserung der Marktbedingungen wird sich unmittelbar positiv auf unsere Ergebnisse auswirken." Selbst eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland hätte nur einen begrenzten Effekt für den Risikobedarf 2003. Neben dem Ausbau der führenden Position im Inland habe man auch international gegen die ausländische Konkurrenz deutlich an Boden gewonnen.

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