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29.01.2002

16:38 Uhr

Adidas-Tochter baut Sommer-Geschäft aus

Salomon steigt in den Wassersport ein

VonMartin W. Buchenau und Joachim Hofer

Die Outdoor-Sparte des Adidas-Konzerns will künftig auch mit Surf-Ausrüstung Geld verdienen. Das bislang hauptsächlich im Wintersport engagierte Unternehmen versucht so, die Umsätze im Sommer zu steigern. Das Geschäft mit Ski und Snowboards verläuft diesen Winter eher verhalten.

HB MÜNCHEN. Die Lifestyle- und Outdoor Marke Salomon wird bald auch am Strand zu sehen sein. "Wir werden in den Wassersport mit Surf-Ausrüstungen vom Board bis zur passenden Kleidung einsteigen", versprach Salomon-Chef Jean-Luc Diard im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das Ziel: "Wir wollen mittelfristig den Anteil des Sommer-Umsatzes von rund 30 % auf 50 % steigern." Bislang ist Salomon vor allem für Wintersport-Artikel bekannt. "Wir kommen vom Schnee in die Wellen", umreißt der 44-jährige Franzose die Strategie. Im Konzern soll sich Salomon im Gegensatz zur Marke Adidas auf "alle gleitenden Sportarten konzentrieren, egal ob im Schnee, auf der Straße oder im Wasser". Neben dem Surfen nimmt Salomon auch Skateboard-Equipment neu ins Programm auf. "Nach einer Lernphase von zwei bis drei Jahren wird sich das auszahlen", betont Diard. Ziel ist es, die zu den Trendsportgeräten passenden und wesentlich margenträchtigeren Textilkollektionen zu etablieren.

Die Outdoor-Sparte der Herzogenauracher Adidas AG-Salomon könnte damit auch im Sommer Gewinne abliefern. Bislang liegt die französische Firma in den ersten drei Quartalen des Jahres im Minus, und erzielt ihren Profit erst in der Weihnachtszeit. Seit Adidas die ehemals börsennotierte Salomon 1998 übernommen hat, kletterte der Umsatz von 435 Mill. ? auf 648 Mill. ? im Jahr 2000. Der Betriebs-Gewinn lag zuletzt bei 57 Mill. ?. Damit entfällt auf die Franzosen rund 15 % des Konzerngeschäfts. Die aktuellen Zahlen gibt Adidas in der kommenden Woche bekannt. Die eingeschlagene Strategie findet auch bei Analysten Anklang. "Salomon tut sich beim Einstieg in Trendsportarten sicherlich leichter als die traditionelle Marke Adidas", sagt Philip Bonhoeffer von Merck Finck.

Die Franken hatten den französischen Sportartikelhersteller 1998 für 2,4 Mrd. DM gekauft. Für den hohen Preis musste Adidas damals viel Kritik von Analysten einstecken. Diard, der seit fast 20 Jahren für Salomon arbeitet, hält die Summe aber für gut angelegtes Geld: "Der Kaufpreis entsprach der damaligen Marktkapitalisierung. Die Marken Salomon und Taylor Made sind heute Wachstumssäulen, die zum Erfolg der Adidas-Salomon-Gruppe beisteuern." Die Golf-Firma Taylor Made ist inzwischen eine eigene Sparte des Konzerns mit knapp 450 Mill. ? Umsatz. Der Fahrradteile-Produzent Mavic soll dagegen bei Salomon integriert werden.

Die derzeit laufende Wintersaison macht Salomon bislang keine große Freude. Das Geschäft in Deutschland sei "nicht sehr gut", so Diard. Weltweit sei der Wintersport-Markt im vierten Quartal 2001 um rund 15 % geschrumpft. "Es ist allerdings noch zu früh für eine konkrete Aussage", sagt Diard, der die Hoffnung auf ein gutes Wintergeschäft noch nicht ganz aufgegeben hat. Vor allem wird es darauf ankommen, ob auf der Alpensüdseite und in den französischen Alpen noch genügend Schnee für das Ostergeschäft fallen wird.

Salomon hat sich innerhalb von 10 Jahren auch als Skihersteller etabliert und zählt als ehemaliger Bindungs- und Schuhproduzent neben Rossignol und Atomic zu den größten Anbietern, die Ski, Schuh und Bindung anbieten. "Die Zukunft gehört den Komplettanbietern", bestätigt auch Atomic-Chef Michael Schineis, der vor fünf Jahren von Salomon zu Atomic wechselte. Mit immer neuen Varianten der stark taillierten Carving-Ski versucht die Branche derzeit, weitere Skifahrer zum Umsteigen zu bewegen: "Hier gibt es noch ein immenses Potenzial, da mindestens die Hälfte aller Leute noch mit alten Ski fährt", glaubt Diard. Die Adidas-Salomon-Aktie verlor gestern leicht und notierte bei knapp 78 ?. Vor drei Monaten lag der Kurs noch bei 60 ?.

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