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03.01.2001

16:38 Uhr

Ältere Optionen sind nach Kursstürzen oft wertlos

Aktienoptionen verlieren an Bedeutung

Quer durch die Unternehmenslandschaft haben Aktienoptionen ihren Reiz verloren. Firmen der New Economy suchen nach neuen Wegen, Großunternehmen sehen dagegen tatenlos zu.

weg/lip/sgr/rk DÜSSELDORF. Aktienoptionen wurden in Deutschland schon immer höher besteuert als anderswo - im Gefolge der jüngsten Kursstürze haben viele ihren Wert jetzt völlig verloren. Während Großunternehmen wie Daimler-Chrysler oder SAP die Konditionen erst einmal unangetastet lassen, haben einige Unternehmen des Neuen Marktes (siehe nebenstehenden Beitrag) bereits reagiert.

Grund ist die unterschiedliche Bedeutung, die Aktienoptionen für Startups auf der einen und für Traditionsunternehmen auf der anderen Seite zukommt: Für Erstere sind sie üblicher Bestandteil der Vergütung. Und nicht nur leitende Angestellte bekamen sie, sondern oft die ganzen Belegschaft. In der Old Economy waren Aktienoptionen dagegen nicht selten den Vorständen vorbehalten und galten als "Sahnehäubchen".

Beispiel SAP AG: Der Aktienkurs befindet sich derzeit, wie die Mitarbeiter des Walldorfer Softwarehauses selbst sagen, "under water". Die Optionen sind also wertlos. Die Aktie hat noch bis zum kritischen Termin am 23. Januar drei Wochen Zeit, um sich so zu verbessern, dass die Mitarbeiter, die am so genannten Star-Programm (Stock Appreciation Rights) beteiligt sind, davon profitieren. Der Kurs muss bis dahin auf mindestens 274 Euro steigen. Erst dann bekommen die Mitarbeiter eine Sonderzahlung für die so genannten "virtuellen Aktienoptionen".

Seit 1998 gibt es diese von SAP kreierte Form der Mitarbeiterbeteiligung. 1998 gingen die Abgestellten leer aus, dafür klingelten 1999 die Glocken, als hohe Sonderzahlungen fällig wurden. Aber selbst unter der Annahme des - durchaus wahrscheinlichen - Falles, dass am 23. Januar der Kurs unter 274 Euro liegen wird, bleibt die Hoffnung auf 2002. Denn im Januar 2002 sollte der Kurs wieder über 274 Euro liegen. Und wenn er doch weiter fällt? "Dann dürften wir ganz andere Probleme haben", räumt Pressesprecher Gundolf Moritz ein.

Die Daimler-Chrysler AG wird an ihren Aktienoptionsplänen keine Änderungen vornehmen. Es gebe keinerlei Pläne, die Hürden für die Ausübung der Aktienoptionen herabzusetzen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.

Daimler-Chrysler hat im Frühjahr 2000 einen Aktienoptionsplan aufgelegt, dessen erste Tranche für die Ausübung einen Aktienkurs von knapp 75 Euro erfordert. Zur Zeit bewegt sich der Kurs um 45 Euro. Die Optionen sind zurzeit praktisch wertlos. Das gilt genauso für zwei Programme der früheren Daimler-Benz mit so genannten Phantomaktien. Für das Programm aus dem Jahr 1997 liegt der Ausübungspreis bei 75 Euro, für das Programm von 1998 gar bei 106 Euro.

Die Daimler-Chrysler-Manager müssen also Geduld mitbringen. Bis 2007 haben sie Zeit, die Optionen auszuüben. Überdies wird im Frühjahr 2001 eine neue Tranche aufgelegt. Für die ist der aktuelle Kurs maßgebend. Und von den derzeitigen Tiefen sollte eine Steigerung von 20 Prozent, wie sie der Optionsplan verlangt, ohne größere Probleme möglich sein.

Auf keine finanzielle Entschädigung dürfen Mitarbeiter der am Neuen Markt notierten Micrologica AG hoffen, die am ersten Aktienoptionsprogramm des Anbieters für Call-Center-Technologie teilgenommen haben. Denn angesichts des dramatischen Kursverlustes würde eine Ausübung der Option derzeit keinen Sinn machen. Bereits seit Anfang 1999 war die Notierung der Micrologica-Aktie von 140 Euro auf inzwischen 3,50 Euro eingebrochen. Hoffnung auf eine Gehaltsaufbesserung können hingegen Micrologica-Mitarbeiter schöpfen, die an dem im November 2000 neu aufgelegten Aktienoptionsprogramm teilnehmen. "Der derzeitige Kursverfall der Aktie ist auf das Verhalten institutioneller Anleger zurückzuführen. Wir gehen davon aus, dass unser Kurs wieder steigen wird", so eine Unternehmenssprecherin.

Leer gehen hingegen Mitarbeiter der am Neuen Markt notierten Emprise Management Consulting AG aus, die vor zwei Jahren Aktienoptionen erhalten haben. Bei der dramatischen Talfahrt des Aktienkurses von 225 Euro im März vergangenen Jahres bis auf derzeit 6,25 Euro bringt eine Ausübung der Option für die Angestellten keinen Profit. "Der Mitarbeiter trägt das Risiko, wenn er statt einer Jahresprämie in bar eine Aktienoption wählt", betont ein Firmensprecher. Er rät den Arbeitnehmern, auf eine Kurserholung zu warten.

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