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17.03.2006

09:55 Uhr

Ärzte streiken

Im Operationssaal bleibt es zappenduster

VonMichael Kretz

Seit Donnerstag streiken am Universitätsklinikum Bonn nicht nur nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter sondern auch Ärzte und Ärztinnen. Andreas Hoeft, stellvertretender ärztlicher Direktor, schätzt die täglichen finanziellen Verluste durch den Streik auf 100 000 Euro.

BONN. Trotz geschlossener Fenster sind im Büro von Professor Andreas Hoeft deutlich die Sprechchöre der Streikenden zu hören. Während im "operativen Zentrum" der Universitätsklinik Bonn der Betrieb nur mit halber Kraft läuft, halten vor dem Komplex die streikenden nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter eine ihrer vielen Kundgebungen ab. Am Donnerstag sind sie erstmals nicht mehr die einzige Gruppe, die sich im Ausstand befindet. Denn auch der Marburger Bund, der die Ärztinnen und Ärzte vertritt, hat zur Arbeitsniederlegung aufgerufen - vorerst für nur einen Tag.

Bei der zentrale Kundgebung in Mainz machen nach Angaben des Marburger Bunds 4 000 Mediziner ihrem Unmut über die Arbeitsbedingungen Luft. Verbandschef Frank Ulrich Montgomery fordert einen eigenen Tarifvertrag mit "vernünftigen Arbeitszeiten" und 30 Prozent mehr Gehalt. "Es muss ein Gesamtpaket geschnürt werden, das die Arbeit für die Ärzte wieder attraktiv macht." An den Arbeitsniederlegungen beteiligten sich gestern Mediziner an zehn Universitäts-Krankenhäusern. Am Freitag soll der Ausstand für einen Tag ausgesetzt und dann am Montag ausgeweitet werden.

"Sollten die beiden Streiks noch viele Tage andauern, wird der Schaden für das Bonner Klinikum beträchtlich sein", schildert Mediziner Hoeft, stellvertretender ärztlicher Direktor, seine Befürchtungen. Oft können Eingriffe zwar für ein bis zwei Tage verschoben werden. Doch nach einigen Tagen fallen dann auch diese Patienten unter die Notfälle, die operiert werden müssen. Dafür wurden mit Ärzten und Verdi entsprechende Notdienstvereinbarungen geschlossen.

Sorgen macht sich Hoeft, der die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin leitet, besonders um den möglichen Imageverlust und die täglich auflaufenden Kosten. "Von der Dauer des Streiks ist es abhängig, wie viele unserer jährlich 42 000 stationären Patienten sich anders orientieren."

Zappenduster ist es am Donnerstag dagegen schon in acht Sälen des zentralen Operationsbereichs. Da sich etwa 200 der 750 in Bonn beschäftigten Mediziner im Ausstand befinden, können im Vergleich zu anderen Tagen nur 50 Prozent der Operationen durchgeführt werden. Daher sind auch nur die Hälfte der Operationssäle in Betrieb.

Obwohl keine Lohnkosten anfallen, entstehen täglich Verluste von 100 000 Euro, schätzt der ärztliche Direktor. "Für das ganze Jahr 2006 gesehen können die beiden Streiks durchaus zu einem negativen Jahresabschluss führen."

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