Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2003

16:35 Uhr

Äußerungen schlagen weiter Wellen

US-Botschafter: Rumsfelds Worte waren ein Ausrutscher

Der US-Verteidungsminister werde seine Worte vom "alten Europa" nicht noch einmal benutzen, versicherte Botschafter Coats in Berlin - und betonte gleichzeitig, dass Berlins Haltung im Irak-Konflikt die gegenseitigen Beziehungen belaste.

dpa BERLIN. Der Botschafter der USA in Deutschland, Daniel Coats, hat die umstrittenen Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als "Ausrutscher" bezeichnet. Rumsfeld hatte Deutschland und Frankreich wegen deren Ablehnung eines Irak-Kriegs als Vertreter eines alten Europa kritisiert. Die Haltung Frankreichs habe die US-Regierung schwer enttäuscht, sagte Coats am Freitag in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" (22.15 Uhr). "Deutschland ist nicht relevant bei dieser Frage", fügte der Botschafter hinzu.

Coats versicherte, Rumsfeld werde diese Wörter vom alten Europa nicht noch einmal benutzen: "Ich meine, dass das ein Ausrutscher war." Als Ursache für Rumsfelds Attacke nannte Coats Frustrationen. Die USA hätten geglaubt, von Frankreich mehr Unterstützung zu erhalten. Paris hätte nach seiner Ansicht wenigstens den für 27. Januar angekündigten Bericht von Waffeninspekteur Hans Blix abwarten können. Die französischen Regierung habe ihre Entscheidung, die USA im UN-Sicherheitsrat nicht zu unterstützen, schon gefällt.

Von Deutschland habe die US-Regierung in dieser Frage gar nichts anderes mehr erwartet, betonte Coats. "Wir kannten die Antwort. Die Antwort war nein. Das gefällt uns nicht." Der US-Botschafter machte kein Hehl daraus, dass die deutsche Haltung in der Irak-Frage die Beziehungen zwischen beiden Ländern belastet. Deutschlands Position werde für das bilaterale Verhältnis nicht ohne Folgen bleiben.

Die Kritik der US-Regierung beziehe sich insbesondere auf die Art und Weise, in der Deutschland seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg formuliert hat, sagte Coats. Die deutsche Regierung habe den Eindruck erweckt, als gehe es um eine aktive Beteiligung deutscher Truppen bei Kampfhandlungen. "Wir haben Deutschland nicht gebeten, Truppen zu schicken. Wie werden sie nie danach fragen, wir hätten sie nie danach gefragt. Wir wussten, das wäre für Deutschland nicht möglich."

Der US-Botschafter kritisierte, dass die Regierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Irak-Konflikt in den aktuellen Landtagswahlkämpfen erneut für innenpolitische Zwecke nutze. Auf die Frage nach einer Lösung für die Krise zwischen den USA und Deutschland sagte Coats: "Wir haben in Amerika ein Sprichwort: Wer Geschirr zerdeppert, der muss auch beim Auffegen helfen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×