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14.01.2003

16:10 Uhr

Airbus hält Krisenpläne vor

Angst vor Irak-Krieg belastet Luftfahrt

Die beiden Flugzeugbau-Giganten Airbus und Boeing stellen sich auf weitere Turbulenzen ein. Der mögliche Irak-Krieg lastet schwer auf der Luftfahrtbranche. Selbst Airbus-Chef Noël Forgeard, sonst von unterschütterlichem Optimismus geprägt, blickte am Dienstag in Paris düster in die Zukunft.

HB/dpa PARIS. "Nach den Terroranschlägen vom 11. September ist auch 2003 kein Ende der Krise in Sicht." Er verhehlte nicht, dass in den Schubladen der großen Flugzeugbauer wie der Fluggesellschaften Krisenpläne bereit liegen, die noch härtere Einschnitte und empfindlichen Stellenabbau vorsehen. Vorerst sieht sich Airbus gut gerüstet.

"Es darf nicht schlimmer kommen", lautet in diesen Tagen der Standardspruch in der Branche. "Die Branche hat die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 noch nicht verkraftet", erklären Analysten. Zudem verheißen die Wirtschaftsprognosen nichts Gutes. "Schwarzmalen nützt keinem", widersprechen andere. Falls es zu einem längeren Irak-Krieg kommt, rechnen Branchenkenner diesseits und jenseits des Atlantiks mit einem erneuten Einbruch im zivilen Luftverkehr, der noch schlimmer als im ersten Golfkrieg ausfallen dürfte, als die Gesellschaften aufhörten, Flugzeuge zu bestellen. "Nur ein Krieg von kurzer Dauer hätte keine Auswirkungen", meinte Forgeard.

Forgeard rechnete vor, dass die US-Fluggesellschaften im vergangenen Jahr nochmals Verluste über 13 Milliarden Dollar angehäuft haben. Auch viele europäische Airlines steckten tief in den roten Zahlen. In Asien sei das Bild gemischt. Im Dezember mußte Airbus allein 41 Stornierungen einstecken.

Nur die Milliardenaufträge der Billigfluglinien Easyjet und Ryanair verhinderten im vergangenen Jahr bei Airbus und Boeing ein Desaster. Noch kurz vor Jahresende bevorzugte die britische Easyjet als erster Billiganbieter Airbus und vereinbarte die Lieferung von 120 Maschinen und weitere 120 Optionen insgesamt im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar nach Listenpreis. Boeing glänzte mit dem Auftrag über 103 Maschinen von Ryanair.

Doch im laufenden Jahr ist die Expansionslust der Billiganbieter gesättigt. "Der Auftragseingang im zivilen Flugzeugbau sackt 2003 weiter ab", wagte Forgeard eine Prognose. Waren es im Jahr 2000 für Airbus und Boeing noch rund 1100 Bestellungen, so verringerten sie sich 2002 auf 550 und könnten im laufenden Jahr nur noch bei 330 liegen. Davon will Airbus sich wieder mehr als die Hälfte holen.

Im 30-jährigen Wettbewerb mit dem Rivalen aus den USA will der europäische Hersteller 2003 sogar erstmals klarer Marktführer werden, "wenn das Umfeld stabil bleibt", sagt Forgeard. Während bei Airbus 300 Flugzeuge an Kunden übergeben werden sollen, sind es bei Boeing voraussichtlich 275 bis 285 Maschinen.

Eine herbe strategische Niederlage bedeuten nach Ansicht der Branche für Boeing die bisher 103 Aufträge für den Super-Airbus A380, der 2006 auf den Markt kommen soll. Airbus will mit der Neuentwicklung die Vormachtstellung des US-Rivalen bei den Jumbo-Jets brechen. Dagegen scheiterte Boeing mit seiner ursprünglich geplanten Verlängerung des jahrzehntealten 747-Modells und musste auch seinen Plan für den fast schallschnellen Jet Sonic Cruiser auf Eis legen. Jetzt setzt Boeing auf einen Sparflieger, der 2008 auf den Markt kommen soll.

Die Luftfahrtkrise hat Boeing als Großlieferant für die existenzbedrohten US-Fluggesellschaften schwer getroffen. Der einst dominierende Konzern musste 50 Prozent seiner Kapazitäten in der Zivilluftfahrt kürzen und 35 000 Arbeitsplätze abbauen. Airbus konnte den geplanten Ausbau seiner Produktion noch rechtzeitig stoppen, als die Krise ausbrach. Bislang haben die 46 000 Airbus-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz sicher. Es kamen im vergangenen Jahr sogar noch 1000 hinzu. Doch so ungewiss waren die Aussichten lange nicht mehr, meinte Forgeard. Boeing rechnet erst 2005 mit einer Erholung.

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