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25.02.2003

14:46 Uhr

Aktie bricht erneut um 20 Prozent ein

US-Börsenaufsicht nimmt Ahold unter die Lupe

Der Bilanzschwindel bei dem niederländischen Einzelhandelskonzern beschäftigt jetzt auch die Börsenaufseher. Analysten geben derweil nicht mehr viel auf die arg geschundene Aktie.

rtr AMSTERDAM. Die Aktien des von Bilanzproblemen erschütterten niederländischen Einzelhandelsunternehmens Ahold haben am Dienstag ihren Kursrutsch fortgesetzt.

Nach Gewinnen zu Handelsbeginn drehten die Titel ins Minus und tendierten gegen Mittag zwölf Prozent tiefer auf 3,16 ?. Bereits am Vortag hatten die Papiere rund zwei Drittel ihres Wertes verloren, nachdem der nach Umsatz weltweit drittgrößte Einzelhandelskonzern Falschbuchungen bei der US-Tochter U.S. Foodservice eingestanden und den Rücktritt von Vorstandschef Cees van der Hoeven und Finanzvorstand Michael Meurs bekannt gegeben hatte.

Da Ahold-Aktien auch in den USA börsennotiert sind, steht wegen der von dem Unternehmen angekündigten teilweisen Neuerstellung der Bilanzen ein Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC an. "Wenn eine Firma ihre Ergebnisse neu erstellt, dann sieht sich unser Personal das an", sagte SEC-Sprecher Herb Perone. Auch die Ahold-Heimatbörse Euronext beschäftigt sich mit den Bilanzunregelmäßigkeiten des Konzerns. "Ich sage nicht, dass wir Ermittlungen gestartet haben oder beginnen werden, aber wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf", sagte Börsensprecherin Alice Jentink. Euronext hat zwar keine Aufsichtspflicht über die Bilanzierung der bei ihr gelisteten Unternehmen, sie kann aber Sanktionen verhängen, wenn Firmen der Pflicht zur schnellen Veröffentlichung kursbewegender Nachrichten nicht nachkommen.

Ahold hatte nach eigenen Angaben bei U.S. Foodservice den operativen Gewinn um mehr als 500 Mill. ? zu hoch verbucht. Die US-Tochter habe von Lieferanten angebotene Provisionen in den Bilanzen deutlich höher angegeben, als diese dann tatsächlich gezahlt worden seien.

Mehrere Investmentbanken stuften ihre Gewinnerwartungen sowie die Kursziele für Ahold deutlich herab. Analysten warfen dem Konzern eine unzureichende Informationspolitik vor. "Abgesehen vom Ausmaß der Gewinnwarnung vom Montag waren wir zu dieser kritischen Zeit bestürzt über den Mangel an Details und Informationen, und wir sind daher nicht überrascht über den Kurskollaps", sagte Analyst Ben Britz von Morgan Stanley. Er senkte das Ahold-Kursziel auf 7,99 ? von zuvor 13,99 ?. Die Analysten der UBS reduzierten das Kursziel sogar auf nur noch 3,80 ? von zuvor 11,80 ?.

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