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28.01.2003

18:27 Uhr

Aktie grenzt Verluste ein

Telekom macht Kabel-TV-Verkauf perfekt

Die Deutsche Telekom hat wie erwartet ihre verbliebenen Kabel-TV-Aktivitäten vollständig an ein US-Finanzinvestorenkonsortium verkauft und wird für die sechs Gesellschaften bis zu 2,1 Milliarden Euro erhalten. Ein Kaufvertrag mit einer Barzahlung über 1,725 Milliarden Euro sei mit dem Konsortium aus Apax Partners, Goldman Sachs Capital Partners und Providence Equity unterzeichnet worden, teilte die Telekom am Dienstag mit.

Reuters BONN. Abhängig von der zukünftigen Wertentwicklung des Kabelgeschäfts könne sich der Kaufpreis um bis zu 375 Mill. Euro erhöhen. Die Transaktion soll wie angekündigt bis Ende März abgeschlossen werden, wenn die Zustimmung unter anderem der EU-Kartellbehörde vorliegt.

Analysten sind zufrieden

Nach vorübergehenden starken Einbußen erholten sich die Aktien im Handelsverlauf auf 12,05 Euro, was einem Minus von rund 1 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss entsprach. Der Gesamtmarkt tendierte kaum verändert. "Der Markt war wohl enttäuscht über das, was die Telekom jetzt für den Verkauf ihrer Kabel-TV-Aktivitäten bekommen hat", begründete ein Händler den Minustrend an der Börse. Werner Stäblein, Analyst bei ING BHF Bank sagte hingegen, "der erzielte Verkaufspreis hat exakt meine Erwartungen von rund 2 Mrd. Euro getroffen." Niemand könne ernsthaft überrascht sein. Von den Kartellbehörden sei nicht mit Widerstand gegen die Transaktion zu rechnen.

Aus verhandlungsnahen Kreisen verlautete, die mögliche Extra-Zahlung von bis zu 375 Mill. Euro hänge vom Unternehmenswert zu dem Zeitpunkt ab, wenn die Geschäfte wieder veräußert würden. Ein Wiederverkauf in den nächsten fünf Jahren sei nicht zu erwarten. In Finanzkreisen hieß es, rund die Hälfte des Baranteils von 1,725 Mrd. Euro werde fremd finanziert.

Telekom ist auf Kabelnetz nicht mehr angewiesen

Vor gut drei Jahren hatte die Telekom mit dem Verkauf von Teilen ihres bundesweiten Kabel-TV-Netzes begonnen. Mit den nun veräußerten sechs Gesellschaften mit rund zehn Millionen Kunden wird sich die Telekom vollständig aus dem operativen Kabel-Geschäft zurück ziehen. Lediglich in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen hält der größte europäische Telekom-Konzern noch Minderheitsbeteiligungen an den bereits veräußerten Kabel-Netzen. Ursprünglich war ein Ausbau der Netze für schnelle Datenübertragungen und Multimedia-Anwendungen geplant. Dafür nutzt die Telekom inzwischen jedoch das mittels DSL-Technik aufgerüstete Telefon-Netz.

Anfang 2002 war der mit dem US-Medienkonzern Liberty vereinbarte Verkauf der sechs Kabel-Regionen in Nord- und Ostdeutschland sowie in Rheinland-Pfalz und Bayern für 5,5 Mrd. Euro am Verbot des Bundeskartellamts gescheitert. Daher leitete die Telekom ein erneutes Verkaufsverfahren ein. Angesichts fallender Marktpreise für Kabelnetze reduzierte die Telekom mehrmals ihre Erlöserwartungen von ursprünglich bis zu 3,5 Mrd. Euro auf zuletzt zwei bis 2,3 Mrd. Euro.

Verkaufserlös fließt in Schuldenabbau

Der Kabel-Netzverkauf ist ein wesentlicher Teil des Verkaufsprogramms von Unternehmensbeteiligungen zum Abbau der Telekom-Verbindlichkeiten von zuletzt 64 Mrd. Euro. "Mit dem heutigen Abschluss hat die Deutsche Telekom einen weiteren deutlichen Schritt auf ihrem Weg getan, die Nettofinanzverschuldung bis Ende dieses Jahres auf das Dreifache des (operativen Ergebnisses) Ebitda 2003 zu senken", erläuterte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Das entspricht nach derzeitigen Erwartungen einem Schuldenstand von knapp 50 bis rund 53 Mrd. Euro.

Die Bonitätsbewertung der Telekom wird nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's durch den Kabel-Verkauf nicht beeinflusst. Standard & Poor's teilte am Dienstag in London mit, der Beteiligungsverkauf habe "keinen Einfluss" auf das derzeitige Rating mit BBB+. Im Mittelpunkt des Interesses stünden die Ergebnisse des laufenden Geschäfts, begründete die Agentur ihre Entscheidung.

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