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13.01.2003

16:21 Uhr

Aktie profitiert von Ankündigungen

Vodafone will in Europa Töchter komplett übernehmen

Nach der fehlgeschlagenen Mehrheitsübernahme des französischen Mobilfunkbetreibers Cegetel will der größte europäische Mobilfunkanbieter Vodafone nun die Minderheitsaktionäre bei seinen Töchtern in den Niederlanden, in Schweden und in Portugal für bis zu zwei Milliarden Euro auskaufen.

Reuters LONDON. Vodafone teilte am Montag in London mit, man sei in Gesprächen mit den börsennotierten Mobilfunkgesellschaften Europolitan in Schweden, Telecel in Portugal und Libertel in den Niederlanden. Die angebotenen Kaufpreise zur vollständigen Übernahme der mehrheitlich bereits von Vodafone kontrollierten Gesellschaften lagen jeweils nahe bei den Schlusskursen der Aktien vom Freitag.

Bei freundlichem Branchentrend kletterten die Aktien der drei Mobilfunkanbieter und wurden am Nachmittag zu Kursen gehandelt, die über der Vodafone-Offerte lagen. Die freundliche Kursentwicklung bei den Vodafone-Aktien blieb hinter dem durchschnittlichen Börsentrend zurück, trotz einer Hochstufung durch die Investmentbank Goldman Sachs.

Zwei Milliarden Euro Übernahmekosten

Für die Aktien des schwedischen Anbieters Europolitan bietet Vodafone 45 schwedische Kronen je Anteilsschein, für die Aktien von Telecel 8,50 Euro und für die Papiere von Libertel elf Euro. Die Aufstockung der Beteiligungshöhe werde die Ergebnissituation des Konzerns verbessern, begründete Vodafone die geplanten Akquisitionen. Die Übernahmekosten sollen zusammengerechnet bis zu zwei Milliarden Euro betragen und aus dem Barmittelbestand beglichen werden.

Vodafone setzt damit seine Linie fort, Anteile an börsennotierten Töchtern konsequent aufzukaufen. Der vor dem Ausscheiden stehende Vodafone-Chef Chris Gent hatte im vergangenen Jahr angekündigt, nicht in neue Märkte zu investieren und stattdessen die weltweite Marktpräsenz zu konsolidieren.

In den zurückliegenden Monaten hatte Vodafone bereits 3,6 Prozent der Anteile von Europolitan erworben und damit seine Beteiligungsquote auf 74,7 Prozent geschraubt. Bei Telecel hatte Vodafone zuletzt bereits 10,5 Prozent des Kapitals erworben und hält nun 61,4 Prozent der Anteile. Bei Libertel lag die Beteiligungshöhe zuletzt bei 77,56 Prozent nach der Übernahme von 7,56 Prozent von der ING Group. Im Zuge des verlorenen Bieterwettstreits mit Vivendi um die Mehrheit bei SFR/Cegetel vereinbarte Vodafone die Übernahme eines 15-Prozent-Anteils vom US-Konkurrenten SBC und wird dann 30 Prozent an SFR halten.

Keine Übernahmen in Griechenland und Japan

In Griechenland und in Japan, wo Vodafone ebenfalls Mehrheitsbeteiligungen hält, will der vergleichsweise gering verschuldete Konzern seine Beteiligungsquote zunächst nicht aufstocken. Bei der griechischen Tochter Panafon war der Vodafone-Anteil zuletzt durch Zukauf auf 63 Prozent gestiegen. An Japan Telecom hält Vodafone seit mehr als einem Jahr gut zwei Drittel der Anteile.

Ende vergangener Woche hatte Reuters aus verhandlungsnahen Kreisen erfahren, dass neben der Deutschen Telekom auch Vodafone über den Zukauf der niederländischen Tochter des Mobilfunkanbieters mmO2 verhandelt. Die beiden Interessenten wollen mit der Übernahme der Kundenbasis ihre Marktstellung verbessern. Ein Bieterwettstreit für das defizitäre Mobilfunkunternehmen könnte den Kaufpreis nach Analysteneinschätzung auf bis zu 1,2 Milliarden Euro hochtreiben. Vodafone verfügt über einen branchenweit geringen Schuldenstand von rund zehn Milliarden Pfund und hohe Barmittel. Für den Anteilszukauf bei SFR/Cegetel war Vodafone bereit, insgesamt 13 Milliarden Euro zu zahlen.

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