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14.07.2000

15:46 Uhr

Aktie reagiert mit Kursrutsch

Telefónica-Chef Villalonga tritt laut Magazin Cinco Dias ab

Vertraute, Großaktionäre und Banken drängen zu einem "ehrenhaften" Rücktritt.

afp MADRID. Der Chef des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica, Juan Villalonga, tritt nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Cinco Dias" ab. Die Entscheidung werde spätestens am 26. Juli nach der letzten Sitzung des Verwaltungsrates vor den Ferien, vielleicht aber schon nach der Sitzung am Freitag bekannt gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf "verhandlungsnahe Kreise" in Madrid. Villalonga steht im Zentrum eines Skandals um angeblichen Insider-Handel mit Telefónica-Optionen, über den die regierungsnahe Zeitung "El Mundo" seit Wochen prominent berichtet. Die spanische Börsenaufsicht ermittelt, ob sich der Konzernchef und frühere Intimus von Regierungschef José Maria Aznar illegal bereichert hat, was er selbst bestreitet. Eine Konzernsprecherin dementierte kategorisch Rücktrittsabsichten Villalongas.

Laut "Cinco Dias" drängten Vertraute sowie die Telefónica-Großaktionäre Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und die katalanische Sparkasse La Caixa Villalonga zu einem "ehrenhaften" Rücktritt aus eigenen Stücken. Die Börsenaufsicht ermittelt seit Ende Juni. Zu Grunde liegen Berichte, wonach Villalonga am 2. Januar 1998 insgesamt 264.224 Telefónica-Optionen gekauft haben soll, während er vertraulich mit dem US-Konzern MCI-WorldCom über eine Allianz verhandelte. Die Optionen habe er knapp zwei Wochen später nach Scheitern der Gespräche wieder verkauft und dabei einen Gewinn von 126.210 Euro (etwa 240.000 Mark) eingestrichen, berichtete "El Mundo". Insiderhandel ist in Spanien wie in den meisten anderen Ländern verboten.

Die Negativ-Schlagzeilen um die Affäre hatten zeitweise auch die Telefónica-Aktie stark unter Druck gesetzt. Am Freitag reagierte die Aktie erneut mit einem Kursrutsch von fast drei Prozent auf die Rücktrittsmeldungen, bevor das Dementi sie sich wieder auf über 25 Euro steigen ließ.

Villalonga war 1996 von Aznar auf den Chefsessel bei Telefónica gehievt worden, um die Privatisierung und strategische Neuausrichtung des Ex-Monopolisten zu steuern. Die noch aus Schulzeiten stammende Freundschaft zwischen beiden Männern soll dann aber aus privaten und geschäftlichen Motiven zerbrochen sein. Auch das Scheitern einer sicher geglaubten Allianz mit dem niederländischen Telefonkonzern KPN Anfang Mai war Villalonga angekreidet worden und hatte erste Rücktrittsforderungen laut werden lassen. Unter Analysten wurden derweil der Chef des französisch-spanischen Tabakkonzerns Altadis, Cesar Alierta, und der BBVA-Ko-Vorsitzende Francisco Gonzales als möglicher Nachfolger Villalongas gehandelt.

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