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25.01.2003

08:55 Uhr

Aktie unter der Lupe

Analysten beurteilen Ford-Pläne skeptisch

VonAnette Kiefer (Handelsblatt)

Mit strengen Sparplänen kennt Ford sich aus: Dank rigoroser Kosteneinsparungen verringerte der zweitgrößte Autohersteller der Welt seinen Verlust im vergangenen Jahr deutlich von 5,45 Mrd. Dollar auf 980 Mill. Dollar. Das gab Ford bei der Bilanzkonferenz Mitte dieser Woche bekannt. Im laufenden Jahr soll der Gürtel noch enger geschnallt werden: Bis zu einer Mrd. Dollar will der Konzern diesmal einsparen und damit das Kunststück schaffen, im seit Jahren hart umkämpften Fahrzeugsektor Gewinne oberhalb der Analystenprognosen zu erzielen.

NEW YORK. Nach Angaben von Finanzchef Allan Gilmour erwartet Ford in diesem Geschäftsjahr einen Reingewinn von etwa 70 Cent je Aktie. Von Thomson First Call befragte Analysten prognostizieren im Durchschnitt einen Ertrag von 46 Cent.

Dennoch sind die Aktienexperten der großen US-Bankhäuser von Fords Plänen nicht vollständig überzeugt. Ihre größte Sorge sind die Ausgaben für den firmeneigenen Pensionsfonds, die zurzeit in die Höhe schießen. Die Pensionsfonds großer Unternehmen sind üblicherweise sehr stark in Aktien investiert und haben deshalb unter der Börsenflaute gelitten - während die Verpflichtungen weiter wachsen. In diesem Jahr werden die Kosten für Ford voraussichtlich bei 270 Mill. Dollar liegen. "Noch 2001 war der Fonds mit 600 Mill. Dollar überfinanziert", sagt Analystin Wendy Needham von Credit Suisse First Boston (CSFB). "Durch den Umschwung lag die Bilanz dann Ende 2002 plötzlich bei einem Minus von 7,3 Mrd. Dollar." Mit diesem Problem steht Ford nicht alleine da: Das Defizit beim deutsch-amerikanischen Daimler-Chrysler-Konzern liegt bei 5,6 Mrd. Euro; dem Weltmarktführer General Motors fehlen sogar 19,3 Mrd. Dollar in der Pensionskasse.

Das schwierige Marktumfeld belastet Ford zusätzlich. Insgesamt 16,5 Millionen Neuwagen werden die Amerikaner nach Schätzungen von Ford in diesem Jahr kaufen. Zwar zeigt sich der Konzern optimistisch, die Preise für seine Fahrzeuge halten zu können und sogar Marktanteile hinzuzugewinnen. Bis Mitte des Jahrzehnts solle der Gewinn dann auf neun Milliarden Dollar steigen. Doch die Analysten bezweifeln, dass sich diese Pläne einhalten lassen: "Unsere Schätzungen sind deutlich konservativer als die der Ford-Geschäftsführung, sowohl was die Nachfrage angeht als auch Marktanteile, Lagerbestände und die Preise", sagt Stephen Girsky von Morgan Stanley. Seiner Meinung nach wird Ford in diesem Jahr möglicherweise Marktanteile einbüßen. "Unter anderem ist Ford zuversichtlich, weil sie neue Sonderausstattungen in ihren Autos eingeführt haben - aber andere Anbieter tun das zurzeit auch und reduzieren außerdem noch die Preise."

Noch im Dezember konnte Ford den Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund acht Prozent steigern. Marktbeobachter befürchten allerdings, dass diese Zuwächse vor allem aus stark forcierten Kaufanreizen stammen: Wie die meisten Autobauer hatte auch Ford mit Nullzins-Programmen und starken Rabatten um Käufer geworben. Kritiker vermuten, dass die verlockenden Angebote statt dessen lediglich die Kunden angesprochen haben, die ohnehin in den nächsten Monaten einen Neuwagen anschaffen wollten. Diese Strategie könnte sich daher im ersten Quartal dieses Jahres rächen, falls die Verkaufszahlen wieder zurückgehen.

Doch nicht alle Experten teilen diese pessimistische Prognose. "Wir vermuten zwar auch, dass der Grund für die starken Dezemberzahlen vor allem in den Sonderangeboten liegt und dass wir dafür zu Jahresanfang 2003 die Quittung bekommen", sagt David Bradley von JP Morgan. "Trotzdem zeigt die Stärke auch, dass die Nachfrage nach Autos und Trucks weiterhin groß ist." Als weiteren Vorteil sieht Bradley, dass die großen Autobauer durch die Preisaktionen ihre Lagerbestände reduzieren konnten. Daher haben die Experten die Hoffnung für Ford noch nicht aufgegeben. Von den 14 Anlageurteilen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg aktuell zu der Aktie verzeichnet, raten drei zum Kauf und sieben zum Halten. CSFB-Analystin Wendy Needham, die Ford momentan als "Neutral" einstuft, erhöhte Mitte Januar ihre Gewinnprognose um rund ein Drittel auf 56 Cent je Aktie.

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