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30.01.2002

19:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Analysten geben BMW Vorschusslorbeeren

VonMartin-W. Buchenau

Der von BMW zu Wochenbeginn gemeldete Umsatzrekord kam nicht überraschend. Nach Konzernchef Joachim Milbergs optimistischem Ausblick für das Jahr 2002 stuften wichtige Banken die Aktie hoch. Daraufhin haben die Anteilsscheine des Automobilherstellers seit Montag eine kleine Rally hingelegt.

MÜNCHEN. BMW hat seine Hausaufgaben gemacht: Der bayerische Automobilkonzern hat erstmals über 900 000 Autos verkauft. Die Bayern verkaufen seit jeher Autos im hochpreisigen Segment und die Premium-Klasse erwies sich als weniger konjunkturanfällig als die Massensegmente. Die Trennung von Rover hat dem ganzen Konzern gut getan. Anfang der Woche wurde dann auch erwartungsgemäß ein Rekordumsatz gemeldet. Häppchen für Häppchen füttern die Bayern den Finanzmarkt mit Erfolgsmeldungen: Erst Absatzzahlen, dann Umsatz und schließlich kommt im März dann das Rekordergebnis. Die Taktik scheint aufzugehen. Seit dem "schwarzen September" hat sich der Aktienkurs wieder fast verdoppelt. Auch die leichte Schwäche zu Jahresbeginn konnte das BMW-Papier wieder wettmachen. Am Montag stieg die Aktie um 4,65 Prozent auf 40,28 Euro, am Dienstag legte sie nochmal rund zwei Prozent auf 41 Euro zu. Danach gönnte sich die Aktie gestern eine Verschnaufpause. Grund für die Mini-Rally seit Wochenbeginn ist aber vor allem, dass wichtige Banken die Aktie hochgestuft haben. Die US-Investmentbank Morgan Stanley machte am Montag den Anfang und stufte die Aktie von "Outperform" auf "Strong Buy". Zugleich hob das Bankhaus seine Bewertung des europäischen Autosektors von "underperform"auf "neutral" an. Händler sagten, Morgan Stanley halte einen Zusammenbruch des Autoverkaufs in Nordamerika für unwahrscheinlich und auch in Europa werde sich die Nachfrage weiterhin auf 14,1 Millionen Einheiten belaufen. Das Kursziel für die Aktie setzten die Analysten von Morgan Stanley auf 45 Euro fest. Auch für die Investmentbank Merrill Lynch bleibt BMW ein "Strong Buy". Analyst Stephen Reitman erwartet sogar ein Kursziel von 50 Euro, vor allem auch auf Grund des starken US-Geschäftes, des Ausbaus der Produktion des Geländewagens X 5 in Spartanburg, dem guten Start des "Mini" sowie den Impulsen durch das neue 7er-Modell. WestLB Panmure stufte BMW ebenfalls hoch. Hintergrund der Hochstufungen ist vor allem der positive Ergebnisausblick, den der scheidende BMW-Chef Joachim Milberg trotz der Autokrise gab: "Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen 2002 den eingeschlagenen Wachstumskurs fortsetzen wird." Für ein konservatives Unternehmen wie BMW drücke diese Aussage beträchtlichen Mut aus, sagte Analyst Markus Plümer von WestLB Panmure. Aber das Management werde wohl Gründe für den Optimismus haben. "Das kann alles heißen", gab indes Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zu bedenken. Das erste Quartal 2002 werde nur ein leichtes Umsatzwachstum bringen. Der Commerzbank wird der Kursanstieg allerdings schon zu bunt. Sie hat die BMW-Aktien nach den jüngsten Zuwächsen auf "Halten" von zuvor "Akkumulieren" heruntergestuft. "Die Stimmung im Autosektor ist nicht mehr ausschließlich von Bedenken über eine schwache Nachfrage im Jahr 2002 geprägt. Vielmehr treten Hoffnungen auf eine Besserung im Jahr 2003 in den Vordergrund, und diese sind bereits in den Kursen mitberücksichtigt", teilte die Commerzbank mit. "Wir denken nicht, dass die BMW-Aktie nach dem jüngsten Anstieg vor diesem Hintergrund noch weiters Potenzial hat." Allerdings ist BMW in der gesamten Branche bekannt dafür, seine Prognosen niedrig anzusetzen, um sie dann übertreffen zu können. Zusätzliche positive Impulse für die Aktie erwarten die Analysten durch die im Februar anstehende Umstellung der Bilanzierung auf IAS. dadurch wird in der Regel ein höheres Ergebnis ausgewiesen.

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