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20.01.2003

08:32 Uhr

Aktie unter der Lupe

Analysten sorgen sich um Home Depot

VonAnette Kiefer (Handelsblatt)

Auf diese Meldung hatten Aktionäre lange Zeit warten müssen: Der Heimwerker- und Baumarkt Home Depot teilte am Freitag mit, er erwarte für das kommende Geschäftsjahr 2003/2004 ein Wachstum von 9 bis 14 Prozent, der Umsatz soll um 9 bis 12 Prozent steigen. Im noch bis zum 2. Februar laufenden Geschäftsjahr 2002/2003 soll ein Wachstum von 10 Prozent erreicht werden, das Ergebnis je Aktie soll um 21 bis 23 Prozent steigen. Die Home Depot-Aktie legte daraufhin 2 Prozent zu.

NEW YORK. Nichtsdestotrotz steckt Home Depot weiter in Schwierigkeiten. Der Kurs tauchte zuletzt so tief ab wie seit fünf Jahren nicht mehr. Seit den Jahreshöchstständen vom vergangenen Februar hat die Aktie rund 60 % verloren. Home Depot ist die größte Baumarktkette der Welt und nach Wal-Mart der zweitgrößte Einzelhändler im Dow Jones Industrial Index.

Zur Begründung hatte der Konzern erklärt, die Verkäufe im Weihnachtsgeschäft seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Daher werde der Umsatz aus den seit mindestens einem Jahr geöffneten Filialen um 10 % sinken. Zuvor war Home Depot noch von einem Rückgang um 3 bis 5 % ausgegangen.

Mehrere Experten großer US-Bankhäuser senkten daher ihre Bewertungen, darunter Michael Baker von Deutsche Bank Securities, der das Urteil von Halten auf Verkaufen herabsetzte. Alan Rifkin von der Investmentbank Lehman Brothers kürzte seine Gewinnschätzung für das Gesamtjahr 2002 um 3 Cents auf 1,54 Dollar. Rund 20 % ging William Julian, Analyst bei Salomon Smith Barney, mit seinem Zwölfmonats-Ziel auf 28 Dollar herab. Im Vergleich zum aktuellen Kurs würde dies einen Zuwachs von rund einem Viertel bedeuten. Dennoch vergibt Julian weiterhin das Urteil "Outperform" für die Aktie, weil der Preis zurzeit auf einem verlockenden Niveau liege: "Home Depot ist im gesamten Einzelhandels noch immer am stärksten aufgestellt". Mit 4 Mrd. Dollar in bar und Aktien im Wert von 20 Mrd.Dollar ist das Unternehmen seiner Meinung nach konkurrenzlos.

Julians positive Einschätzung teilen allerdings die meisten seiner Kollegen nicht. Die Nachrichtenagentur Bloomberg notiert 21 Anlageurteile, die Mehrheit rät zum Halten. Den Experten bereitet die starke Konkurrenz Sorgen. "Home Depot muss in seine Filialen investieren, um ihr Erscheinungsbild aufzupolieren und zu modernisieren", sagt Michael Baker. "Das jüngere und attraktivere Design von Konkurrent Lowes übertrifft Home Depot". Nach Schätzung von Wayne Hood von Prudential Securities wird das Unternehmen aus Georgia 2003 bis zu 200 Mill. Dollar in die Renovierung von Filialen pumpen. "Die starke Bilanz von Home Depot sollte es dem Management erlauben, die Geschäftsstellen wieder auf den neusten Stand zu bringen", erklärt Hood. Bereits in der zweiten Hälfte 2003 könnten die Umsätze dann wieder über dem Durchschnitt liegen.

Analystin Aram Rubinson von Banc of America Securities hält dagegen die Marktsättigung für die Ursache rückläufiger Verkaufszahlen: "Zu den Warnsignalen zählen schwache Umsätze in neu eröffneten Filialen, verstärkte Kannibalisierung zwischen älteren Filialen und eine aggressive Preispolitik", sagt sie. Zurzeit blinken noch nicht alle Warnlichter, aber Anlass zur Sorge besteht.

Ihrer Schätzung zu Folge hat die Baumarktbranche inzwischen rund 20 % Marktanteil erreicht, was ein Ende des Wachstums ankündigen könnte: "Auch die Bereiche Bürobedarf, Elektrogeräte und Spielwaren haben sich sehr schwer getan, über die 20-Prozent-Schwelle hinaus Marktanteile zu erreichen. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung bei den Heimwerkermärkten wiederholt. Die besten Jahre der Branche liegen hinter uns", so ihr Urteil.

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