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08.01.2003

08:40 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Aufschwung der T-Aktie nur ein Strohfeuer?

VonUlf Sommer

Zur Jahreswende sagten Fondsmanager und Analysten den gebeutelten Aktien der Deutschen Telekom bessere Zeiten voraus. Dass diese so schnell und rasant kommen, überrascht aber doch. Die fundamentalen Aussichten sind jedoch nicht ganz so rosig, denn das Problem der hohen Schulden löst sich nicht von heute auf morgen.

DÜSSELDORF. Als Lehman Brothers am Dienstag den europäischen Telekomsektor von neutral auf positiv heraufstufte, erklomm die Aktie der Deutschen Telekom mit 14 Euro den höchsten Stand seit Mai 2002. Da interessierte es wenig, dass das Unternehmen zum zweiten Mal von Lehman profitierte. Die amerikanische Investmentbank hatte den magentafarbenen Riesen bereits Ende Dezember heraufgestuft. Offenbar ist es also der Trend, auf den Anleger jetzt aufspringen. Seit dem Allzeittief von 8,42 Euro Ende September vergangenen Jahres gewann das Schwergewicht fast 70 %. Der Dax schaffte im selben Zeitraum nur 10 %.

Obwohl die Probleme des einstigen Staatsbetriebes angesichts eines Schuldenbergs von 64 Mrd. Euro immer größer wurden, kommt die Rally nicht unerwartet. Zum Jahreswechsel sagten viele Analysten und Fondsmanagern der Telekom deutlich bessere Zeiten voraus. So prophezeite Credit Suisse First Boston Unternehmen mit hoher Verschuldung und insbesondere der Telekom überdurchschnittliche Chancen, weil die entsprechenden Aktien unangemessen stark abgestraft worden seien. Auch viele Fondsmanager, darunter DWS-Experte Ralf Oberbannscheidt und Fortis-Spezialist Robert Kuin setzten auf die T-Aktie. Der Grund: Kaum eine andere Branche als der europäische Telekom-Sektor habe angesichts seiner vielen Unzulänglichkeiten soviel Restrukturierungspotenzial. Und die Börse lebt bekanntlich von Zielen und Hoffnungen, aber weniger von Tatsachen und alten Erfolgen.

Allein die Einschätzung darüber, ob die Telekom ihr Potenzial umsetzen kann, entscheidet über Wohl und Weh der Aktie. Und hier haben sich die Gewichte zu Gunsten der Telekom verschoben. "Ich bin zuversichtlich, dass 2003 ein besseres Jahr wird. Die Schulden sind seit einiger Zeit rückläufig, und der Cash Flow ist deutlich positiv", sagt Sal. Oppenheim-Analyst Frank Rothauge. Auch Lehman Brothers lobt, dass sich europäische Telekom-Manager auf den Zufluss an liquiden Mitteln konzentrierten.

Nicht mehr der Schuldenberg an sich, sondern die Perspektiven des Abbaus stehen im Vordergrund. Ende 2003 will Telekomchef Kai-Uwe Ricke die Verbindlichkeiten um gut 10 Mrd. Euro auf 50 bis 53 Mrd. Euro reduziert haben. Möglich werden könnte dies durch den Verkauf der verlustreichen französischen Festnetztochter Siris. Die Veräußerung weiterer Randbeteiligungen soll 6 Mrd. Euro einbringen. Auf der Liste stehen etwa DeTe Medien und sechs Kabeltöchter. Hinzu kommt noch das Milliarden-Potenzial aus dem Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile, der angesichts des schlechten Börsenklimas noch auf Eis liegt.

Derzeit zählt für Investoren allein das Restrukturierungspotenzial, das sie der Telekom zubilligen. Doch Zahlen und Tatsachen drohen schon bald wieder in den Vordergrund zu rücken. In den kommenden Tagen will Moody?s seine Einschätzung zur Kreditwürdigkeit der Telekom bekannt geben. Kurz vor Weihnachten hatte die Ratingagentur erhebliche Zweifel an den Plänen zum Schuldenabbau geäußert und deshalb eine weitere Herabstufung erwogen. Dadurch müsste der Bonner Konzern künftige Anleiheemissionen, die in der Summe in den nächsten Jahren weiterhin zweistellige Milliardenhöhe erreichen werden, höher verzinsen. Standard&Poor?s plant zwar noch keine Änderung des Ratings, kündigte aber eine Prüfung an, falls die Telekom ihre Ziele nicht erreicht

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Entsprechend vorsichtig äußern sich die Investmenthäuser HSBC, UBS Warburg und Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW). Sie setzen ihre Kursziele für die T-Aktie auf 10 bzw. 13 Euro. Daran gemessen gibt es jetzt nichts mehr zu gewinnen.

Quelle: Handelsblatt

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