Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2002

18:59 Uhr

Aktie unter der Lupe

Bei Volvo-Aktien ist Geduld gefragt

VonHelmut Steuer

Volvo übt auf die meisten Schweden immer noch eine enormen Reiz aus: Fast jeder hat schon einmal einen Volvo gefahren, und fast jeder sammelte seine ersten Erfahrungen mit Aktien des Göteborger Konzerns.

HB STOCKHOLM. Die Zeiten, in denen jedes schwedische Postamt Volvo-Aktien verkaufte, sind längst vorbei. Auch ist der Konzern aus Göteborg an der Westküste nicht mehr Schwedens größtes Unternehmen. Schon vor Jahren musste Volvo dem Telekommunikationsriesen Ericsson Platz machen. Doch immer noch, auch nach dem Verkauf der PKW-Sparte an den amerikanischen Autobauer Ford, übt Volvo einen enormen Reiz auf die meisten Schweden aus: Fast jeder hat in seinem Leben mal Volvo gefahren, fast jeder sammelte seine ersten Aktionärserfahrungen mit einem Papier des Göteborger Konzerns. Wenn am morgigen Freitag der schwedische LKW-, Baumaschinen- und Motorenhersteller Volvo AB, Göteborg seine Zahlen für das vergangene Jahr vorlegt, werden deshalb alle Börseninteressierten aufhorchen.

Eine von der Wirtschaftsnachrichtenagentur Direkt durchgeführte Umfrage unter Stockholmer Analysten förderte kein erfreuliches Bild zutage: Die Experten rechnen mit einem Gewinn im vierten Quartal 2001 von 104 Mill. Kronen (11,3 Mill. Euro). Im Jahr zuvor waren es noch 1,4 Mrd. Kronen. Eine entsprechende Analystenumfrage von Reuters ergibt für das gesamte Jahr 2001 einen Verlust von 1,2 Mrd. Kronen gegenüber einem Gewinn von 4,7 Mrd. Kronen in 2000.

Die Volvo-Aktionäre werden nach Ansicht von Nutzfahrzeug-Analyst Anders Bruzelius von Danske Bank Securities in Stockholm Geduld aufbringen müssen: "Volvo hat den Markt gegen sich". Er rechnet mit einem etwa 18 %-igen Rückgang der LKW-Nachfrage in Westeuropa im laufenden Jahr. "Auch 2003 wird noch ein schwieriges Jahr werden." Außerdem drückt Volvo die Tatsache, dass es auch in den USA kaum Zeichen einer Erholung gibt. "Der Gebrauchtfahrzeug-Markt ist mit rund 100 000 Einheiten immer noch sehr hoch", sagt Bruzelius. Auch Volvo-LKW-Chef Jorma Halonen erklärte gestern auf der Nutzfahrzeug-Messe in Amsterdam, dass er im ersten Halbjahr 2002 nicht mit einer Erholung des US-Marktes rechne.

In Südeuropa, wo Volvo mit seiner Tochter Renault VI stark vertreten ist, wird für 2002 auch eine sinkende Nachfrage erwartet. Mehrere Konkurrenten wie etwa Scania haben für diese Region vor Orderrückgängen in Südeuropa gewarnt.

Danske Securities sieht langfristig in der Volvo-Aktie Potenzial für einen Kursanstieg. Derzeit bleibt die Bank aber bei ihrem Votum "Halten". Mats Liss, LKW-Analyst bei Swedbank Markets, spricht ebenfalls von einer "schwierigen Zeit" für Volvo. "Die Integration der beiden Volvo-Töchter Renault VI und Mack ist noch nicht abgeschlossen", sagt er. 2003 werde aber wieder ein deutlich besseres Jahr werden.

Die zunächst als Dachorganisation gebildete Volvo Global Trucks wurde vor kurzem überraschend aufgelöst. Die meisten Experten gehen von einem Machtkampf hinter den Kulissen aus, der dazu geführt hat, dass die drei Marken Volvo, RVI und Mack nun doch relativ unabhängig voneinander auftreten. "Der Markt will hören, dass das neue Konzept des Konzerns gut ist", sagt Liss. Volvo hatte angekündigt, durch gemeinsamen Einkauf und Entwicklung bis Ende 2003 Synergien von 3,5 Mrd. Kronen zu erzielen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×