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22.01.2001

19:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

BMW-Papier peilt frühere Rekordwerte an

Für eine Überraschung hat am Montag die BMW-Aktie in einem ansonsten eher ruhigen Handel gesorgt. Der Titel des Münchener Automobilherstellers wurde praktisch den ganzen Tag über mit Aufschlägen von mehr als drei Prozent gehandelt. Auslöser waren neue Spekulationen über einen Verkauf.

zel DÜSSELDORF. Die Spanne klingt riesig: Der Kurs der BMW-Aktie könnte von derzeit gut 38 Euro auf bis zu 77 Euro steigen, falls sich die Quandt-Familie als wichtigster Anteilseigner des Münchener Automobilherstellers (fast 50 % der Aktien) zu einem Verkauf entscheiden könnte. Diese von einer US-Anlegerzeitschrift genannte Kursdifferenz hat am Montag die Phantasie der Finanzmärkte geweckt. Die Spekulation sorgte dafür, dass der BMW-Titel fast den alten Spitzenwert von 40 Euro erreichte.

Fundamentale Neuigkeiten gibt es hingegen derzeit bei BMW nicht. Nach der Abspaltung der verlustreichen britischen Konzerntochter Rover im vergangenen Jahr besinnt sich der Münchener Automobilhersteller wieder auf sein Kerngeschäft in der Ober- und Luxusklasse. Mit entsprechendem Erfolg: Für das Jahr 2000 wird BMW auf der Bilanzpressekonferenz im Frühjahr mit Sicherheit einen neuen Rekordwert verkünden.

Ob es nun am Zeitschriften-Artikel lag oder Anleger sich aus anderen Gründen plötzlich für die BMW-Aktie interessieren - Analysten halten das Kursplus für gerechtfertigt. "BMW sticht durch seine Zuverlässigkeit hervor", sagt Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank in München. Entsprechend häufig würden daher Anleger von dem Papier angelockt. Die BMW-Strategie mit der Konzentration auf die Oberklasse habe an "relativem Reiz" gewonnen. Vor allem weil die drei großen amerikanischen Automobilkonzerne General Motors, Ford und Chrysler derzeit massive Absatzeinbußen hinnehmen müssen und deshalb für Anleger nicht sonderlich attraktiv sind.

Hypo-Vereinsbank äußert Skepsis

Die Hypo-Vereinsbank glaubt allerdings nicht an einen schnellen Verkauf der Quandt-Anteile und hält daher lediglich ein Kursziel von 42 Euro für realistisch. Die US-Investmentbank Merrill Lynch ist etwas optimistischer und sieht 50 Euro im Bereich des Möglichen. Für Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank spricht für die BMW-Aktie, dass der Münchener Automobilhersteller wahrscheinlich weitaus weniger als erwartet von der US-Absatzkrise berührt wird.

Allerdings herrscht unter den Finanzfachleuten keine Einigkeit darüber, wie sich BMW auf Dauer im Vergleich zur automobilen Konkurrenz behaupten wird. Siegfried Frick von der WestLB in Düsseldorf spricht von einem "safe play" ("sicheren Spiel") für die Münchener.

Skepsis legt hingegen Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler an den Tag. Kurzfristig seien bei BMW zwar keine Probleme zu erwarten. Zudem hätten einige Investmentbanken den Titel auf ihre Kauflisten gesetzt. Doch auf längere Sicht kommen Pieper Zweifel, ob die BMW-Rechnung aufgehen wird. Die Entwicklungskosten in der Automobilindustrie fielen immer größer aus. "Und dann kommt die Frage auf, ob BMW dabei langfristig mithalten kann", fragt Pieper.

Für problematisch hält er die Münchener Pläne im Kleinwagen-Segment, die in diesem Jahr den Verkaufsstart für den neuen Mini vorsehen und in drei Jahren einen kleinen 2er-BMW. "Der Mini macht keinen Sinn", sagt Pieper, das Auto passe nicht in das Modellprogramm. Jährlich seien zwischen 300 und 400 Millionen DM Verlust für den Kleinwagen zu erwarten. Anlegern empfiehlt Pieper, spätestens bei einem Kurs von 41 oder 42 Euro aus der Aktie auszusteigen.



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