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16.01.2001

20:34 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

British Telecom hat den Anschluss verpasst

VonKatharina Slodczyk

Der Ex-Monopolist British Telecom muss seinen Schuldenberg abbauen. Dabei sollen Börsengänge einzelner Sparten und Beteiligungen helfen. Doch erst muss der Konzern Milliarden zahlen, um Viag Interkom komplett zu übernehmen. Analysten sind uneins über die Aussichten der stark gesunkenen Aktie.

DÜSSELDORF. Eigentlich müsste Peter Bonfield es besser wissen. Seine Vorgänger haben dem Chef von British Telecommunications plc schließlich vorgemacht, dass auch ein ehemaliges Staatsunternehmen im Wettbewerb ein Vorreiter sein kann. Doch die Zeiten, als deutsche Politiker ihre Liberalisierungspläne am britischen Vorbild orientierten, sind endgültig vorbei.

Gestern zählte die Aktie zeitweise zu den Tagesverlierern unter Europas Standardwerten. Anfang des Monats fiel der Kurs auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. An der Börse ist der Konzern nicht einmal mehr halb so viel wert wie beim Höchststand im vergangenen Jahr.

British Telecom ächzt unter einer Schuldenlast von 48 Mrd. Euro. Jetzt muss das Unternehmen erst einmal mehr als 8 Mrd. Euro ausgeben, um den Münchner Telekom-Anbieter Viag Interkom vollständig zu übernehmen.

Börsengänge sollen frisches Geld bringen

Die Online-Ausgabe des Wall Street Jounal meldet, British Telecom wolle möglicherweise schon morgen neue Anleihen über fast 10 Mrd. Euro ausgeben. Damit würde der Schuldenberg weiter wachsen.

Vorstandschef Bonfiel will einzelne Konzernsparten und auch seine Minderheitsbeteiligung an dem spanischen Mobilfunker Airtel an die Börse bringen, um frisches Geld einsammeln. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass British Telecom mit dem Mehrheitseigner Vodafone über einen Airtel-Börsengang verhandelt. Analysten warnen jedoch, die Aktienemissionen könnten auf eine flaue Nachfrage stoßen.

Der Plan des Ex-Monopolisten, in möglichst viele europäische Länder vorzudringen und ein flächendeckendes Netz aus Beteiligungen in Festnetz, Mobilfunk und Internet zu knüpfen, gilt als gescheitert. Die Versteigerungen für Mobilfunklizenzen der dritten Generation (UMTS) waren ein extrem teures Vergnügen. Zudem kam das Unternehmen nur in Deutschland und in Großbritannien zum Zuge. Auch auf dem Heimatmarkt hat der Konkurrent Vodafone das ehemalige Staatsunternehmen zumindest im Mobilfunkgeschäft abgehängt.

Bei den vielen schlechten Nachrichten stellt sich die Frage: Lohnt es sich wieder, bei British-Telecom- Aktien einzusteigen? Die Pläne des Konzerns sprechen nach Aussage einiger Analysten dafür. "Wir werden schneller und flexibler, und wir werden unsere Aktionäre belohnen", kündigte Bonfield an. Die Deutsche Bank und Credit Lyonnais empfehlen British Telecom zum Kauf.

Analysten fordern radikale Schnitte

Andere Analysten sind mit den Plänen noch nicht zufrieden. Das Unternehmen sei ein klarer Fall von "zu wenig und zu spät", sagt ein Londoner Analyst. Zu wenig, weil die geplanten Ausgliederungen nicht radikal genug seien. Zu spät, weil das Unternehmen den besten Zeitpunkt für einen Börsengang schon im vergangenen Jahr verpasst habe

.

British Telecom will als Erstes die Gelbe-Seiten-Sparte Yell an die Börse bringen. Die Mobilfunksparte British Telecom Wireless soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres folgen. Mit den Einnahmen will der Konzern seine Schulden bis zum Jahresende um 16 Mrd. Euro senken. Vor zwei Wochen haben die Briten zudem angekündigt, ihre Immobilien zu verkaufen, um Kasse zu machen. "Reine Kosmetik", nennen Analysten diesen Schritt.

Ihr Kreditlimit hat British Telecom langsam erreicht. Agenturen senkten bereits das Rating für die Kreditwürdigkeit und verteuerten damit die künfigten Kredite.

Das Potenzial, wieder ganz vorne mitzumischen, trauen Marktbeobachter dem britischen Konzern aber nach wie vor zu. "Die Summe der Einzelteile ist deutlich mehr wert als der aktuelle Aktienkurs", sagt Stephan Droxner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Er fordert einen konsenquenteren Umbau des Unternehmens. Droxner: "British Telecom müsste sich stärker focussieren und nicht in allen Bereich versuchen, ein bisschen mitzumischen."

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