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15.04.2003

08:35 Uhr

Aktie unter der Lupe

Coca-Cola erfrischt Anleger und Analysten

VonAnette Kiefer (Handelsblatt)

Beim weltgrößten Getränkehersteller Coca-Cola werden auch in der nächsten Zeit die Gewinne sprudeln. Das erwarten zumindest Analysten großer US-Bankhäuser. Vor der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen am Mittwoch vergeben sie daher überwiegend gute Bewertungen für die Aktie. Analyst Marc Cohen von Goldman Sachs etwa bewertet Coca-Cola mit "Outperform" (überdurchschnittliche Marktentwicklung) und nennt die gesamte Getränkebranche "attraktiv".

NEW YORK. Zudem erfreute der Softdrinkgigant, dem unter anderem auch andere Limonadenmarken (u.a. "Sprite") und Saftproduzenten gehören, seine Anleger Anfang des Monats mit einer um zehn Prozent erhöhten Jahresdividende: Nach 80 Cent im Vorjahr schüttet Coca-Cola diesmal für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Bonus von 88 Cent je Aktie aus.

Die schwierige weltpolitische Lage scheint dem Unternehmen aus Atlanta bisher noch keine bedeutenden Nachteile gebracht zu haben. Die Marke Coca-Cola gilt als eines der bekanntesten Symbole des US-Kapitalismus, allein der Markenwert wird von der Unternehmensberatung Interbrand auf rund 70 Mrd. Dollar geschätzt. Coca-Cola steht deshalb erneut im Zentrum vieler antiamerikanischer Boykottaufrufe - wie aktuell in Teilen von Indien, wo die Verkaufszahlen nach Angaben von Händlern seit einigen Wochen um 50 % zurückgehen.

Dennoch bekräftigte die Geschäftsleitung vor wenigen Tagen, die bislang gemachte Gewinnprognose für das Gesamtjahr einhalten zu wollen. Die Aktie zog daraufhin um mehr als sieben Prozent an. "Die momentan antiamerikanische Stimmung gibt einerseits Grund zur Sorge, weil fast zehn Prozent des Umsatzes bei Coca-Cola aus Ländern wie Thailand, Indonesien und dem Nahen Osten kommen", sagt Analystin Caroline Levy von UBS Warburg, die dennoch zum Kauf der Aktie rät. Schließlich stamme "fast die Hälfte dieser Umsätze von einheimischen Marken, die Coca-Cola in den vergangenen Jahren aufgekauft hat, und diese sollten relativ gut geschützt sein vor Umsatzeinbrüchen durch Boykottaufrufe".

Im operativen Bereich erwarten die Experten ebenfalls erfreuliche Entwicklungen. Coca-Cola werde unter anderem vom aktuell schwachen Wechselkurs des Dollars profitieren, da ein großer Teil der Umsätze außerhalb der USA erzielt werde. "Wir schätzen, dass - wenn der Euro im Verhältnis zum Dollar um fünf Prozent zulegt - etwa zwei bis drei US-Cent zum Gewinn je Coca-Cola-Aktie hinzukommen", sagt Merrill-Lynch-Analyst Martin Feldman, der den Wert positiv bewertet. "Der Cash-Flow bei Coca-Cola ist ausgesprochen attraktiv - in den nächsten fünf Jahren erwarten wir einen Bargeld-Zufluss von rund 26 Mrd. Dollar, den das Unternehmen für Dividendenzahlungen, Übernahmen und Aktienrückkäufe verwenden kann", so Feldman enthusiastisch.

Daneben werden die Innovationskünste des Getränkeherstellers gelobt, die beispielsweise UBS-Expertin Levy "ausgesprochen ermutigend" sieht. An erster Stelle der Neuheiten steht eine veränderte Verpackung der Limonadendosen-Zwölferkartons, die so genannte Kühlschrankpackung (Fridge Pack). Sie passt komplett in einen Standard-Kühlschrank und wirft die Getränkedosen einzeln aus. "Wir vergleichen die neue Verpackung mit einem benutzerfreundlichen Getränkeautomaten im eigenen Kühlschrank, der den Durchsatz und die Verbrauchsgeschwindigkeit deutlich erhöht", erklärt Levy. Sie schätzt, dass die neuen Kartons in den US-Staaten, in denen sie bereits in den Regalen stehen, bislang für ein Umsatzplus von mindestens fünf Prozent gesorgt haben.

Der aktuell verhältnismäßig niedrige Aktienkurs beflügelt zusätzlich die positiven Urteile der Analysten. Seit Mai vergangenen Jahres hat die Notierung, derzeit rund 42 Dollar, etwa 25 % nachgegeben. Viele Experten erwarten nun, dass der Kurs innerhalb der kommenden zwölf Monate wieder die Marke von 55 Dollar erreichen könnte. "Die Coca-Cola-Titel treten jetzt attraktiver auf, weil die Anleger die starken Jahre vom Kurs abgeschlagen haben", sagt Jeffrey Kanter von Prudential. Und Martin Feldman weist auf das ungewöhnlich niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hin, das im Moment bei nur etwa 20 liegt: "Im Vergleich zum Zehn-Jahres-Durchschnitt ist das ein Abschlag von rund 30 Prozent."

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