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12.02.2001

10:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Daimler-Chrysler sieht Licht am Ende des langen Tunnels

VonUlf Sommer

Die schlechten Zahlen bei Chrysler überlagern Rekordgewinne bei Daimler. So spiegelt es die Aktie wider. Jetzt warten Anleger mit Spannung auf Konzernpläne, um die US-Sparte wieder auf Vordermann zu bringen. Bereits im Vorfeld stieg der Kurs um 20 Prozent. Viele Analysten raten aber zur Vorsicht.

Quelle: Handelsblatt

DÜSSELDORF. So gebannt wie die Börsen auf US-Notenbankchef Alan Greenspan schauen, so akribisch beargwöhnen Daimler-Chrysler-Aktionäre Dieter Zetsche. Der Druck könnte für den neuen Chrysler-Chef kaum größer sein. Händler und Analysten erhoffen sich von ihm die Quadratur des Kreises. Einerseits soll der 47-Jährige am 26. Februar alle Missstände bei der erfolglosen amerikanischen Automarke offen legen. Andererseits erwarten Investoren, dass Zetsche den Aktienkurs zu alten Höhen verhilft. Taktisch klug legte der Gesamtkonzern schon früher als eigentlich geplant seine Karten auf den Tisch und veröffentlichte die Zahlen für 2000. Erwartungsgemäß sank das operative Ergebnis - bedingt durch die hohen Verluste bei Chrysler - um fast die Hälfte auf 5,2 Mrd. Euro. Ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten erwirtschafteten die Stuttgarter im vierten Quartal einen operativen Verlust von 405 Mill. Euro. Mit Prognosen für das laufende Geschäftsjahr hielt sich der Konzern allerdings zurück. Einzige, kleine Überraschung: Die Dividende von 2,35 Euro pro Aktie soll nach dem Willen des Vorstandes gehalten werden. Das entspricht einer Rendite von gut 6 %. So viel zahlt kein anderes im Deutschen Aktienindex (Dax) notiertes Unternehmen.

Die "alten" Zahlen sind draußen, und der Konzern kann sich nun ganz den Aufgaben der Zukunft widmen. Ein wenig ist von den Umstrukturierungsplänen bereits bekannt. Zetsches Konzept für die US-Sparte sieht vor, 26 000 Stellen - ein Fünftel der Belegschaft - zu streichen und sechs Produktionsstätten zu schließen. Wie der promovierte Ingenieur das Ruder bei Chrysler aber herumreißen will und wann der "Turnaround" gelingt, bleibt aber mindestens bis Rosenmontag offen. "Diese Ergebnisse sind schön anzusehen, aber die wirklich wichtige Frage ist, was dieses Jahr passieren wird", meint Thomas Aney von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Rein aus psychologischer Sicht muss Zetsche noch etwas bringen", pflichtet Peter Worel von der Bayerischen Landesbank bei. Solange nicht alle Karten auf den Tisch sind, erwartet das Investmenthaus Goldman Sachs keine Kurszuwächse.

"Wenn das Sanierungsprogramm das Kriterium erfüllt, die Gewinnaussichten für 2002 deutlich zu verbessern, dann hat die Aktie noch mehr Potenzial", meint Georg Stürzer von der Hypovereinsbank. Er setzt das Kursziel auf 58 Euro. Hauck&Aufhäuser hebt die "Restrukturierungsphantasie" hervor. Das Bankhaus stufte die Aktie von "reduzieren" auf "aufstocken" hoch. Die BFG Bank rät zum "langfristigen Kauf". Dagegen sieht Erik Burgold von der BHF Bank "keine fundamentalen Gründe" für den jüngsten Kursanstieg. "Einige Marktteilnehmer spekulieren auf Zerschlagungsszenarien, wie zum Beispiel die Loslösung Chryslers von Daimler", begründet Burgold die jüngste Rally. Sein Kursziel liegt bei 46 Euro. Eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung prognostiziert auch Merck Finck: Die hohe Dividende belaste die angespannte Liquidität. Neben Gerüchten um eine Aufspaltung des Konzerns kursieren Spekulationen über eine mögliche Übernahme. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bestätigte, ein Mandat für einen Abwehrplan zu haben. Die Deutsche ist mit 12 % größter Aktionär des Autobauers. Experten halten eine Übernahme durch Konkurrenten aber für unwahrscheinlich. "Daimler-Chrysler ist zu groß" meint Frank Biller von der Baden Bank. -Württembergischen Denkbar ist allerdings ein Angriff durch "Raider" - Investoren, die die Mehrheit der Anteile erwerben, dann den Konzern zerschlagen und schließlich die Teile Gewinn bringend verkaufen. Angesichts der jüngsten Kurssteigerung um 20 % gegenüber dem Tiefstand vom Januar ist aber auch dieses Szenario erst einmal nur eine wilde Fiktion.

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