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17.01.2003

09:03 Uhr

Aktie unter der Lupe

DRD birgt für Anleger viele Risiken

VonWolfgang Drechsler

Der schwache Rand und der Anstieg des Goldpreises beschleunigen zuletzt den Turnaround von Durban Roodepoort Deep. Dem Goldproduzenten drohen aber weiterhin Gefahren.

JOHANNESBURG. Als Durban Roodepoort Deep (DRD), Südafrikas viertgrößter Goldproduzent, im Juli seine Quartalszahlen vorstellte, unterlegte er die Präsentation mit dem Jimmy Cliff-Song "I can see clearly now" - ein Verweis darauf, dass die Bilanz nach dem Abbau aller Goldverkäufe nun direkt an den Goldpreis gekoppelt ist. CEO Mark Wellesley-Wood frohlockte: "Mit dem Abbau der Terminverkäufe, die mächtig auf das Ergebnis drückten, können unsere Anleger nun klar den aktuellen Goldpreis sehen".

In der Tat stehen bei Anlegern derzeit vor allem Goldkonzerne hoch im Kurs, die ihre Terminverkäufe drastisch vermindert haben. Hatten viele Produzenten bis vor zwei Jahren einen Gutteil des noch im Boden befindlichen Golds im Voraus verkauft, nehmen die meisten jetzt davon Abstand. Gleichzeitig birgt die Strategie, Gold nur noch zum Spotmarktpreis zu verkaufen, erhebliche Risiken: Bei einem Anziehen der Aktienmärkte ist auch ein neuerlicher Rückfall denkbar. Dies würde Firmen ohne Terminverkäufe hart treffen.

Bislang ist die Rechnung des neuen Management aufgegangen: Seit der Trendwende am Goldmarkt vor zwei Jahren hat sich der Kurs der DRD-Aktien mehr als versechsfacht. Neben dem Goldpreisanstieg ist dies dem neuen Management zu verdanken. So wurde die Expansion nach Australien gestoppt; daneben wurden zwei unrentable Minen geschlossen. Heute ist DRD nur noch viermal in Südafrika sowie in Papua-Neuguinea vertreten. Erst im Oktober erwarb der Konzern mit einem kleinen Goldunternehmen eine Mine in Johannesburgs Osten.

DRD ist so optimistisch in puncto Gold, dass der Konzern jetzt sogar ein Großprojekt im Süden von Johannesburg plant. Dort soll auf fast 300 Quadratkilometern die Argonaut-Mine entstehen, die in bis zu 5000 m Tiefe jährlich 1,4 Mill. Unzen Gold fördern soll. Damit wäre Argonaut die siebtgrößte Goldmine der Welt. Eine Entscheidung über die auf rund 1 Mrd. Euro bezifferte Erschließung soll aber erst nach Abschluss einer Durchführbarkeitstudie erfolgen. Beobachter sind skeptisch, da die Mine erst bei einem Weltmarktpreis von 400 $ pro Unze rentabel arbeiten würde.

Mit Stolz verweist DRD darauf, dass es dem Unternehmen gelungen ist, die Kosten pro Unze fortwährend zu senken. Allerdings war ein Gutteil vom Wechselkurs bedingt. Während die Kosten in Rands anfallen, erhalten sie ihre Erlöse in Dollar. Obwohl die Goldförderer gemessen am durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 noch immer wesentlich billiger als ihre doppelt so hoch bewerteten US- Rivalen sind, dürfte die Rentabilität wegen des zuletzt wieder erstarkten Rands und wegen der gestiegenen Inflation (November: 12,7%) beeinträchtigt werden. So erhielten Südafrikas Goldhäuser im Dezember trotz des Preisanstiegs auf das Sechsjahres-Hoch von 357 $ weniger als im Dezember 2001.

Anders als die südafrikanischen Marktführer Anglogold und Gold Fields, die hohe Dividenden zahlen, werden die Aktionäre von DRD noch auf solche Sonderzahlung warten müssen. Wenn es aber dazu kommt, will DRD die Dividende in reinem Gold ausschütten.

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