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30.01.2003

08:06 Uhr

Aktie unter der Lupe

Egis verdient gut mit preiswerter Medizin

VonReinhold Vetter

Der Pharmawert Egis ist eine der wenigen Aktien, die im Jahre 2002 entgegen dem weltweiten Trend kräftig zulegen konnten. Und das Papier bietet nach Aussage von Experten noch weitere Chancen. Geschäftlich ist es vor allem durch die Partnerschaft mit dem französischen Großaktionär in einer guten Position.

BUDAPEST. Renommierte ungarische Ökonomen wie der Direktor des Instituts für Weltwirtschaft an der Akademie der Wissenschaften, Andras Inotai, zählen die Pharmaindustrie zu den zukunftsträchtigen Branchen ihres Landes. Das gelte, so Inotai, insbesondere für jene Unternehmen, die strategische Partnerschaften mit großen westlichen Investoren eingegangen seien. Im Falle der Egis Rt, Ungarns zweitgrößter Pharmaproduzent, ist das die französische ATP-Gruppe (Servier), die gut 50 % der Anteile hält.

Der Direktor der Budapester Börse, Zsolt Horvath, zählt Egis zu den führenden Werten, die zur guten Performance des einheimischen Aktienmarktes beigetragen hätten. So stieg der Index Bux im Jahresverlauf 2002 um 9,4 %, die Egis-Aktie sogar mehr als 30 %.

Zur Jahreshauptversammlung am 15. Januar hat Egis für das letzte Geschäftsjahr (1.10.2001 bis 30.9.2002) gute Zahlen vorgelegt. So stieg der Umsatz im Inland um 15 %, während der Export um 18 % (in $) zunahm. Im einzelnen wuchsen die Ausfuhren nach Russland um 40 %, nach Mittel- und Osteuropa um 27 % und in westliche Länder (nur Fertigprodukte) um 21 %. Bei einem Gesamtumsatz von 75,7 Mrd. Forint schloss das Unternehmen das Geschäftsjahr mit einem um 7,6 % gewachsenen Reinertrag von 6,04 Mrd. Forint (entspricht 25 Mill. Euro). Die Hauptversammlung stimmte dem Vorschlag des Vorstandes zu, den Aktionären eine Dividende von 12 % zu zahlen. Egis beschäftigt seit einigen Jahren etwa 2 700 Mitarbeiter.

Egis-Generaldirektor Istvan Orban und sein Management haben sich auch für die nächsten Jahre ehrgeizige Wachstumsziele vorgenommen. So soll der Export im laufenden Geschäftsjahr in die GUS-Staaten (vor allem nach Russland) um 25 % und sowie nach Mittel- und Osteuropa um 20 % zunehmen. Angesichts der niedrigen Kaufkraft der meisten Menschen in diesen Ländern profitiert Egis gerade auch von seinen günstigen Preisen. In Ungarn selbst soll der Umsatz um 6 bis 8 % wachsen. Egis hat dabei auch die durch die Regierung beschlossenen Preiserhöhung für Medikamente im Blick, die von den Krankenkassen mitgetragen wird.

Zu 50,91 % liegt das Aktienkapital von Egis, das 7,78 Mrd. Forint beträgt, bei der französischen ATP-Gruppe (Servier) als strategischem Investor. Ausländische Institutionelle und private Investoren halten weitere 42,95 %, während der Rest auf ungarische Anleger entfällt. Diese Struktur der Anteilseigner ist in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben.

Gerade die Partnerschaft mit Servier, so die Meinung von Analysten in Budapest, habe Egis geholfen, erfolgreich auf den östlichen Märkten zu expandieren. Von Servier lizensierte Produkte haben im letzten Geschäftsjahr etwa 30 % des Gesamtumsatzes ausgemacht. Mit Hilfe der Muttergesellschaft gelang es Egis auch, stärker mit eigenen Produkten auf westliche Märkte wie insbesondere Frankreich vorzustoßen.

Die Egis-Aktie wird in Budapest unter anderem von Merrill Lynch empfohlen, ebenso wie das Papier des Konkurrenten Gedeon Richter. Auch das Umfeld ist günstig: Die Börse Budapest rechnet mit 18 Mrd. Forint (73 Mill. Euro) Zufluss aus Privatisierungsvorhaben der Regierung.

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