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12.01.2001

13:34 Uhr

Aktie unter der Lupe

France Télécom setzt auf Orange-Börsengang

Mit Anlagen in halbstaatliche Unternehmen ist das für viele Anleger so eine Sache. Sie fürchten ein sachfremdes Hineinreden der Politik ins laufende Geschäft. In Frankreich hat die gegenwärtige Regierung wiederholt klar gemacht, dass von ihr keine derartigen Eingriffe zu erwarten seien.

abo PARIS. So erstaunt es, dass Premier Lionel Jospin sich nun gestern dafür stark gemacht hat, dass die zu 54 % in Staatshand befindliche France Télécom S.A. eine Flatrate beim Internet-Zugang einführt. Um diese war in Frankreichs Internet-Landschaft eine heftige Kontroverse entbrannt. Schließlich hatte France Télécom ihre Pläne dafür schon wieder in die Schublade gelegt.

Ob Vorstandschef Michel Bon sie dort wieder herausholt, bleibt abzuwarten: Einerseits lockt eine Vormachtstellung am Markt, das Geschäft, andererseits bringen Geschäftsideen von Staatsvertretern Minuspunkte bei den Investoren.

Die haben France Télécom ohnehin zuletzt in Scharen den Rücken gekehrt. Grund dafür waren die forcierten Investitionen, welche die Finanzierungskraft des Konzerns bis an die Grenzen strapaziert haben. Dabei hat der Staat seine Beteiligung bis auf das gesetzliche Minimum reduziert - Kapitalerhöhungen sind vorerst nicht mehr drin.

Geldquellen zu erschließen war das Ziel des Börsengangs der Online-Tochter Wanadoo im Sommer 2 000. So ist es auch mit dem für Mitte Februar avisierten IPO der Mobilfunksparte Orange. Das könnte den Druck von der Aktie des Mutterhauses nehmen.

Allerdings sieht das Online-Analysehaus Firstinvest die Kurstfrist-Aussichten der Aktie durch das Misstrauen der Märkte gegenüber der Finanzstrategie des Konzerns getrübt. Branchenbeobachter unterstreichen die hohen Risiken, die France Télécom zur Sicherung seiner Mobilfunkzukunft auf sich genommen hat. Doch bei Firstinvest hat man durchaus registriert, dass sich das laufende Geschäft des Telefonriesen gut entwickelt und solide Erträge abwirft. "Daher bleibt die Aktie auf mittlere Sicht interessant", meinen die Analysten. "Heute werden alle Telefoniewerte attackiert", sagt Analyst Jean-Pierre Geremy vom Brokerhaus Wargny. "Aber ich glaube, die Gruppe hat alle Chancen, in Europa in den kommenden Jahren zu den drei Großen ihres Sektors zu gehören."

Dass France Télécom mit ihrer Strategie, die Festnetz- und Netzwerktelefonie, den Mobilfunk das Internet in einer Gruppe zusammen zu halten, stört ihn dabei nicht. "Ein Konglomeratsabschlag? Das sehen wir nicht. Ob es sich um Wanadoo oder um die baldige Notierung von Orange handelt, das Mutterhaus wird die überwiegende Mehrheit des Kapitals behalten. Damit fließen ihr auch die Einnahmen aus diesen Töchtern voll zu."

Schon der strategische Kauf von Orange hat das Pariser Brokerhaus Aurel Leven überzeugt, desgleichen die Mitnahme von UMTS-Lizenzen, wo immer möglich - zuletzt in Schweden. Diese Engagements würden France-Télécom-Mobilfunkern helfen, ihre Abdeckung Europas zu verbessern. Aurel Leven sieht die Aktie des Konzerns als Kauf.

Dem französischen Telekomriese steht allerdings noch ein Hindernis für den erfolgreichen Börsengang von Orange im Weg: Orange kommt mit seiner neuen Aktie nicht allein an den Markt. Denn außer France Télécom wollen auch noch eine Reihe anderer Telefonkonzerne ihre Handytöchter an den Markt bringen. "Japans NTT Docomo scheint France Télécom eine Nasenlänge voraus zu sein", bemerkt der Pariser Analysedienst Boursier.com zu den IPO-Plänen der Japaner, die an der Börse 7,5 Mrd. Dollar einsammeln wollen. Und auch BT Wireless, KPN Mobile und T-Online erwägen dieses Jahr an die Börse zu gehen.

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