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11.02.2002

20:54 Uhr

Aktie unter der Lupe

Honeywell ist wieder auf Kurs

VonANETTE KLOSE

Querelen an der Führungsspitze, ein mehr als schwieriges Luftfahrtgeschäft und Asbest-Klagen von Angestellten: Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen der amerikanische Mischkonzern Honeywell zuletzt zu kämpfen hatte, bekommt die Aktie von den Analysten gute Noten.

NEW YORK. Vor wenigen Tagen hat sich Honeywell mit der Bilanz für das vierte Quartal 2001 selbst die Quittung für die selbstverschuldeten und externe Probleme ausgestellt: Um mehr als die Hälfte ist der Nettoverdienst im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen, von 32 auf 14 Cents je Aktie.

Doch Analysten und die Führung des US-Mischkonzerns sind optimistisch, dass das Ende der Durststrecke erreicht ist. In vielen bislang problematischen Bereichen zeichne sich eine Besserung ab, sagt Quinten Nufer vom Bankhaus Lazard Frères: "Honeywell hat das Schiff wieder aufgerichtet und fährt jetzt in die richtige Richtung." Honeywells Produktpalette reicht von Flugzeugelektronik über Spezialchemikalien bis hin zu Alarmsystemen.

Die meisten Analysten teilen Nufers Einschätzung. Neun von zehn der Honeywell-Experten, die der Finanznachrichtendienst Bloomberg registriert, raten zum Kauf der Aktie. Zurzeit notieren sie bei rund 33 US $, rund 50 % über dem Tiefstand von September 200, aber immernoch ca. 40 % unter dem Zwölfmonatshoch von fast 54 US $ im Mai des vergangenen Jahres. In den vergangenen Monaten verunsicherten Querelen an der Führungsspitze und die geplatzte Fusion mit General Electric die Anleger.

Mit der Reaktivierung des schon in den Ruhestand gegangenen Vorstandsvorsitzenden Lawrence Bossidy hat sich die Firma aber stabilisiert, konstatieren die Analysten. Allerdings plant Bossidy, Honeywell im Juli endgültig zu verlassen. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Analyst Jeffrey Sprague von Salomon Smith Barney glaubt zwar nicht, dass dies zu größeren Problemen führen wird, "aber nach dem Tumult der vergangenen Jahre lassen sich die Bedenken nicht völlig ausräumen". Bossidy hat mehrfach betont, die Unabhängigkeit des Konzerns erhalten zu wollen. Auch unter einem neuen Vorstand sei eine Fusion nicht zu erwarten, sagt Nufer. "Bossidy hat so viel erreicht. Kein neuer CEO wird kommen und das ändern wollen."

Sorgen machte zuletzt die Luftfahrtsparte. Fast zeitgleich mit der Vorlage der Bilanz Ende Januar stoppte British Airways das RJX Jet-Programm, für das Honeywell die Turbinen hätte liefern sollen. Zudem litt der Flugbereich unter dem Umsatzeinbruch der gesamten Branche nach den Anschlägen in den USA. Nufer erwartet aber, dass der Konzern weniger hart betroffen sein dürfte, als zunächst erwartet: "Honeywell verdient einen großen Teil seines Geldes mit Extraausstattungen, sprich mit Aufrüstungs- und Ergänzungsprodukten für Flugzeuge. Wenn die Leute in den kommenden zwei Monaten wieder mehr fliegen, wie es im Januar der Fall war, dann erwarten wir wieder größere Ausgaben der Fluggesellschaften." Jeffrey Sprague ergänzt, im Bereich Luftfahrt sei Honeywell der "Neid der Industrie". Er stufte jüngst die Aktie von "Neutral" auf "Outperform", geht aber von einer langsameren Erholung der Branche aus.

Ein Faktor, der die Aktie belasten könnte, sind noch ausstehende Asbest-Schadensersatzklagen von ehemaligen Mitarbeitern. Analysten glauben aber, dass diese keine negativen Auswirkungen haben werden. Der Konzern habe für diese Prozesse vorsorglich 3,3 Mrd. US $ zurückgelegt.

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