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31.01.2003

08:01 Uhr

Aktie unter der Lupe

Impala Platinum holt weiter auf

VonWolfgang Drechseler

Der südafrikanische Platinkonzern Impala Platinum hat Investoren viel zu bieten. Der Minenkonzern profitiert zurzeit von einer steigenden Platinnachfrage der Automobil- und der Schmuckindustrie.

JOHANNESBURG. Zu den Rohstoffaktien, die sich seit Beginn der Börsenkrise vor drei Jahren besonders gut entwickelt haben, gehören die südafrikanischen Platinwerte. Am besten hat sich mit Impala Platinum (Implats) ausgerechnet ein Unternehmen geschlagen, das manche Experten wegen seiner wenig ergiebigen Reserven und komplexen Besitzverhältnisse bereits abgeschrieben hatten. In den letzten vier Jahren hat sich der Implats-Kurs mehr als verzehnfacht - von 50 Rand auf derzeit 585 Rand. Trotzdem gelten die Titel des weltweit zweitgrößten Platinproduzenten noch als günstig.

Zwei Gründe haben Implats zu neuem Glanz verholfen. Zum einen schloss das Unternehmen Anfang 1999 eine außergerichtliche Übereinkunft mit dem Stamm der Bafokeng im Nordwesten Südafrikas; unter dessen Boden schlummert ein Gutteil der Platinvorräte von Implats. Der Streit hatte jahrelang die Entwicklung des Unternehmens und den Aktienkurs gebremst. Zudem profitiert Implats von dem stark gestiegenen Platinpreis, der gestern zeitweise mit 673 $ pro Unze auf dem höchsten Stand seit 17 Jahren lag.

Obwohl die Weltwirtschaft spürbar abgekühlt ist und auch die Nachfrage 2002 stagnierte, haben sich die Aussichten für Platin zuletzt merklich verbessert. Die Autoindustrie hat inzwischen offenbar einen Großteil des von ihr gehorteten Platins aufgebraucht und mit Zukäufen begonnen. Daneben erfreut sich Platin auch im Schmucksektor wachsender Beliebtheit.

Angesichts der günstigen Rahmenbedingungen ist das Augenmerk von Implats ganz auf den Ausbau seiner Kapazitäten gerichtet. Die Gruppe plant Investitionen von über 5 Mrd. Rand (550 Mill. Euro), um die Platinproduktion in den nächsten vier Jahren auf jährlich 2 Mill. Unzen zu schrauben. Damit liegt Implats noch ein ganzes Stück hinter seinem südafrikanischen Erzrivalen Angloplat, das bis 2006 rund 3,5 Mill. Unzen fördern will. Doch würde Implats seine Stellung als Nummer zwei ausbauen. Neben dem Erwerb einiger kleiner Platinproduzenten hat Impala zudem die Exploration in Nordamerika verstärkt und eine strategische Allianz mit der kanadischen Falconbridge-Gruppe geschlossen.

Ein wichtiger Grund für die anhaltend niedrige Bewertung des Unternehmens dürfte in den ungeklärten Besitzverhältnissen liegen. Hauptaktionär von Implats ist noch immer das einst mächtige südafrikanische Minenhaus Gencor, das im Rahmen seiner Zerschlagung zu einer Investmentholding mutiert ist und 46 % an der Platingruppe hält. Gencor wollte zwar seinen Anteil an Impala an die eigenen Aktionäre verteilen, stieg jedoch auf eine Reihe von Hindernissen - z.B. Einzelklagen früherer Mitarbeiter, wegen Erkrankungen durch Asbest. Eine Lösung des Streits würde den Anteil der frei handelbaren Impala-Papiere beträchtlich erhöhen. Gleichzeitig würde Implats aber zu einem Übernahmekandidaten. Als heißer Anwärter gilt die Rohstoffgesellschaft Xstrata. Nach Angaben von Impala-Chef Keith Rumble will das Unternehmen ein unabhängiger Produzent mit einer weniger komplexen Struktur bleiben.

Kopfzerbrechen bereitete Anlegern lange auch der Versuch der Regierung, mittels einer Bergbau-Charta die schwarze Bevölkerung verstärkt an der Minenindustrie Südafrikas zu beteiligen. Die zu diesem Zweck erlassenen Quoten und Gesetze haben viele Auslandsinvestoren verstimmt und den Kurs vieler Minenwerte gedrückt. Dennoch wird Implats noch immer zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt, das Experten wie Rene Hochreiter vom Brokerhaus BoE Securities als Schande bezeichnen. Die tiefe Bewertung, die sich auch in einer großzügigen Dividendenrendite äußert, ist für ihn - selbst angesichts des bis vor kurzem schwachen südafrikanischen Rands - in keinster Weise gerechtfertigt. JP Morgan hatte den Wert Mitte Dezember mit neutral bewertet, Schroder Salomon Smith Barney rät halten.

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