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05.02.2002

19:02 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Kabelbetreiber UPC verwässert seine Aktien

VonTHOMAS WIEDE

UPC-Chef John Riordan sieht die Lage seines Unternehmens sehr gelassen. In einem Brief an die Aktionäre des niederländischen Kabelnetzbetreibers vor wenigen Tagen beschreibt Riordan die anstehende Rekapitalisierung der hochverschuldeten United Pan-Europe Communications als einen "finanztechnischen Prozess". Bankenkreise sehen das anders: "Es wird übel werden", heißt es mit Blick auf die anstehende Gespräche mit institutionellen Anlegern.

HB BRÜSSEL. Übel ist es auch um den Wert der Aktien von UPC bestellt: Seit dem Börsengang im Jahr 1999 befinden sich die UPC-Papiere im Sturzflug: Tiefer geht es kaum mehr. Von 70 Euro ging der Fall ohne große Umwege in die "Penny-Stock-Liga": Gestern notierte UPC bei 25 Cent. Nach der Ankündigung von John Riordan, das milliardenschwere Anleihedarlehen seiner größten Gläubiger mit UPC-Aktien zu bezahlen, hatte der Kurs nochmal kräftig nachgegeben.

Mit der Umwandlung wäre UPC zwar Schulden in der Höhe von 7,5 Mrd. Euro los, die Aktienmenge würde sich aber um das Zwanzigfache erhöhen. "Die Kleinaktionäre gehen wegen der hohen Verwässerung leer aus", sagt Tim Poulus, Analyst bei der Robeco Groep. "Finger weg" ist auch der Rat der Analysten von Rabo Securities. In den Gesprächen mit den Banken geht es nun um ausstehende Zinszahlungen für die 3,5 Mrd. Euro an Darlehen. "Das wird sich noch Monate hinziehen", heißt es in Unternehmenskreisen.

Insgesamt ist es um den Kabelbetreiber - nach der Zahl der Abonennten ist er inzwischen die Nummer Eins in Europa - schlecht bestellt. Der niederländische Konzern, der im vergangenen Jahr noch einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro erwirtschaftete, ist heute nur noch 155 Mill. Euro wert und steht insgesamt mit 10 Mrd. Euro in der Kreide.

UPC gehört in den Dunstkreis von John Malones Liberty Media, die an der in Denver ansässigen UPC-Mutter United Global Communications (UGC) inzwischen 72 % der Anteile hält. Malone musste kürzlich in Deutschland einen herben Rückschlag einstecken, als Bundeskartelamtschef Ulf Böge seinem Vorhaben, 60 % des Kabelnetzes der Deutschen Telekom zu übernehmen, erst einmal einen Riegel vorschob. "Das hat natürlich auch UPC belastet", meint Poulus.

Die Niederländer verfügen zwar noch über Barbestände von 850 Mill. Euro und haben mehrfach versichert, dass sie noch bis 2003 zahlungsfähig seien, "doch das Geschäftsmodell funktioniert nicht", sagt Analyst Poulus. UPC expandierte in einem wahren Kaufrausch in den zurückliegenden Jahren mit 20 Übernahmen in elf europäische Länder. Das Ziel, den Ertrag pro Kabel-Abonnement auf das Niveau in den USA zu heben, erfüllte sich aber nicht. Einem Branchenkenner zufolge erzielen vergleichbare Anbieter in den USA den fünffachen Umsatz pro Nutzer.

Die Kunden haben die ausgelegten Köder - sprich Hochgeschwindigkeitsinternet, Telefonieren über Kabel und Bezahlfernsehen - bisher ignoriert und damit der gesamten Branche hohe Schulden beschert. Anders als die Amerikaner sträubt sich das breite Publikum in Europa, viel Geld für ein "besseres" Pantoffelkino auszugeben. Von den 7 Mill. UPC-Kabelkunden nutzen gerade einmal 50 000 Bezahlfernsehen.

An dem Geschäftsmodell werde sich zunächst nichts ändern, heißt es bei UPC. Man werde in der Zukunft aber weniger breit investieren. Für Analyst Poulus wird UPC erst dann wieder interessant, wenn der heute noch teuere Service, TV, Internet und Telefonie in einem Paket anzubieten, massentauglich ist. Doch das kann noch Jahre dauern.

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