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06.01.2003

08:36 Uhr

Aktie unter der Lupe

Kodak-Aktie verliert an Attraktivität

VonAnnette Kiefer (Handelsblatt)

Dem "gelben Riesen" weht ein scharfer Wind ins Gesicht: Der Siegeszug der digitalen Fotographie gräbt der traditionellen Silber-Technik, dem Standbein von Kodak, mehr und mehr das Wasser ab. Und Haupt-Konkurrent Fuji gewinnt stetig Marktanteile. Neue Wachstumsschübe soll nun der Gesundheitssektor bringen.

NEW YORK. Gut gespielt und doch verloren: Mit Kursgewinnen von rund 50 % seit Mitte Oktober präsentiert sich die Aktie von Eastman Kodak zurzeit äußerst vital an der Börse. Mit rund 38,50 $ markierte sie jüngst sogar einen neuen Höchststand im zurückliegenden Jahr. Im zurückliegenden Quartal hatte das Unternehmen einen Gewinn von 1,15 $ je Aktie erzielt - das Zweieinhalbfache des Vorjahreszeitraums und fast 10 Cent mehr, als Analysten erwartet hatten. Dennoch mahnen die Experten zur Vorsicht beim Film- und Fotogiganten: Von sieben Anlageurteilen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg zurzeit zu Kodak verzeichnet, raten drei zum Halten und vier zum Verkauf der Aktie. Keiner der befragten Analysten empfiehlt den Kauf von Kodak-Titeln.

Der Hauptgrund für die negativen Bewertungen: Eastman Kodak hat in allen Bereichen mit starker Konkurrenz zu kämpfen, und aktuell schlägt sich der weltgrößte Fotofilm-Hersteller nicht allzu gut. "Die ersten Indikatoren für das vierte Quartal bei Kodak sehen zwar gut aus, aber auf Grund der Marktdynamik bleibt die Wettbewerbssituation noch immer unsicher", sagt Analystin Solin Cho von Morgan Stanley. Eines der Sorgenkinder für Kodak ist der traditionelle Fotomarkt. Die Zahl der digitalen Kameras wächst kontinuierlich und verdrängt die traditionelle Silbertechnik mit Negativentwicklung und Papierfotos. "Inzwischen haben sich die Digitalkameras für die US-Konsumenten zu einem Durchschnittsprodukt entwickelt, das nicht mehr nur Technikfreaks benutzen", sagt Analyst Craig Ellis von der Investmentbank Salomon Smith Barney (SSB).

Obwohl Branchenschwergewicht Kodak gemeinsam mit seinem Konkurrenten Sony auf dem Digitalmarkt in diesem Jahr die Nase vorn hat, könnte der Trend langfristig die Gewinne des Fotokonzerns empfindlich angreifen, befürchten Aktienexperten. Schätzungen zufolge wird die Foto-Sparte, die rund drei Viertel des Gesamtgewinns einfährt, Verluste von rund fünf Prozent in diesem Quartal und im laufenden Jahr sogar von zehn Prozent hinnehmen.

Und auch auf anderem Gebiet könnte der New Yorker Fotoriese seine Marktposition einbüßen. Solin Cho rechnet damit, dass ein Exklusivvertrag zwischen Eastman Kodak und dem Großhandelsmarkt "Sam?s Club" bereits im ersten Quartal des kommenden Jahres aufgelöst werden könnte. Die Walmart-Tochter werde dann voraussichtlich erstmals auch Farbfilme und Einwegkameras des Konkurrenten Fuji ins Sortiment aufnehmen. "Wir rechnen damit, dass Fuji rund 50 bis 60 Mill. $ von Kodaks Geschäften wegnimmt - also ein Drittel bis die Hälfte aller Filmumsätze bei Sam?s Club", so die Analystin. Eine solche Entwicklung würde Kodak hart treffen, denn Walmart gilt als der größte Fotofilm-Einzelhändler in den USA, der Schätzungen zufolge rund ein Drittel aller Negativfilme an Privatkunden verkauft.

Um den trüben Aussichten im Foto-Einzelhandel entgegenzuwirken, kündigte Kodak daher jüngst umfassende Stellenstreichungen an und versucht, sich auf anderen Gebieten weitere Marktanteile zu sichern. Einer der wichtigen Märkte der Zukunft könnte dabei der Gesundheitsbereich sein, wo die traditionellen Filme in zunehmendem Maße durch Digitalbilder ersetzt wird - etwa bei Röntgenaufnahmen. Bereits jetzt ist die Sparte der zweitgrößte Geschäftsbereich für Kodak, und das Unternehmen bewertet sie als einen Schlüsselfaktor für weiteres Wachstum. Nach Plänen des Managements soll die Sparte künftig um jeweils drei bis fünf Prozent pro Jahr wachsen.

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