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14.01.2003

07:48 Uhr

Aktie unter der Lupe

McDonald’s kaut am Gesundheitstrend

VonGerhard Mauerer (Handelsblatt)

Die Aktie der größten Fastfood-Kette der Welt befindet sich seit drei Jahren auf Talfahrt. Erstmals wird ein Quartalsverlust erwartet. Besonders der weltweite Trend zu gesunder Ernährung macht dem Unternehmen zu schaffen.

FRANKFURT/M. Ungesundes Essen, unmenschliche Arbeitsbedingungen - seit Jahrzehnten laufen die Hüter verschiedenster Interessen gegen McDonald?s Sturm. Unlängst erregte der Konzern aus Oakbrook, Illinois, gar den Zorn des britischen Igel-Schutzbundes. Angelockt von lecker Eiscreme-Geruch verendeten über 40 Igel in britischen Filialen. Sie drangen in Restaurants ein, schleckten das Eis aus, blieben mit ihren Stacheln in den Eisbehältern stecken und erstickten.

Über zu gutes Image konnte sich McDonald?s nie beklagen. Früher steigerte das Unternehmen aber zum eigenen und dem Trost der Anleger kontinuierlich seine Gewinne. Heute gibt es für die Aktie mehr Verkauf- als Kaufempfehlungen. Seit Ende 1999 verlor das Papier zwei Drittel seines Werts und notiert auf dem tiefsten Stand seit acht Jahren. Bei einem KGV von 13 hat die Aktie einen Bewertungsabschlag zum Dow Jones-Index - lange war dies umgekehrt. Und die Aussichten sind trüb. "Es gibt derzeit nichts Positives", sagt Sven Madsen, Analyst der ING BHF-Bank. "Die Aktie ist auf absehbare Zeit kein Kauf." Karl Strohmeier, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, sagt: "Bei Umsatz und Gewinn erwarte ich keine Überraschungen. Die Aktie ist nur eine Halteposition."

Weltweit sanken Umsatz und Aktienkurs auf das Niveau von 1995. Seit acht Quartalen bröckelt der Gewinn. Viermal senkte der Konzern im vergangenen Jahr die Prognosen. Im vierten Quartal 2002 machte McDonald?s - wenn auch durch Sonderabschreibungen für Filialschließungen - voraussichtlich zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 1965 Verlust. Die Zahlen kommen am 23. Januar.

Ein Teil des Desasters ist hausgemacht. Kunden klagen über schlechten Service und lieblos bereitete Speisen. "In Umfragen hat McDonald?s das schlechteste Image der US-Fastfood- Ketten", sagt Madsen. Auch der vom kürzlich geschassten Vorstandsvorsitzenden Jack Greenberg angezettelte Preiskrieg in den USA missfällt den Analysten: "Die 1-$-Menüs belasten die Margen", sagt Strohmeier.

Ermutigt durch die juristischen Erfolge von Rauchern gegen US-Tabakkonzerne, haben fettleibige Amerikaner Klagen gegen McDonald?s eingereicht. Zudem achten auch die US-Bürger immer mehr auf ihre Gesundheit. Selbst im Mutterland des Burgers verdient McDonald?s weniger "Der Gesundheitstrend ist das Hauptproblem", sagt Madsen. Immer beliebter werden Ketten wie Subway, die Sandwiches mit frischen Zutaten belegen. "Weltweit geht der Trend zu fettarmer Ernährung", sagt Strohmeier. Dies belastet das Wachstum von Fastfood-Ketten.

Schon seit längerem versucht die McDonald?s-Führung, gegenzusteuern - ohne Erfolg. Ex-Chef Greenberg hatte vor allem auf die Schließung unrentabler Filialen der über 30 000 Restaurants in 121 Ländern gesetzt. Aus drei Ländern zieht sich McDonald?s ganz zurück. Der neue Chef James Cantalupo verfolgt den Kurs weiter. Er lässt auch die Rezeptur der Burger überarbeiten und neue Produkte entwickeln.

Darüber hinaus versucht der neue Chef des einstigen Wachstumskonzerns, außerhalb des Kerngeschäfts zu wachsen: In den USA verkauft die Tochter Donatos bereits in über 200 Filialen Pizza. Im November eröffnete in München die erste deutsche Filiale. In der Schweiz betreibt McDonald?s Hotels. "Da der Trend weg vom Burger geht, ist der Ansatz richtig", sagt Madsen. Auf die Zahlen schlügen die Randaktivitäten aber noch kaum durch.

"Sicherlich wichtig für die Aktie sind Service, Qualität und Akzeptanz bei den Kunden. Entscheidend wird aber sein, wie sich das Konsumverhalten bei Fastfood entwickelt", sagt Strohmeier. Eine Trendwende zurück zum Junkfood sei alles andere als in Sicht.

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