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15.01.2001

19:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Schlechte Aussichten für Motorola

VonRUDI KULZER

Neben Nokia und Ericsson spürt auch Motorola die Sättigung des Handy-Marktes. Investmenthäuser senken ihre Gewinnerwartung und sprechen der Aktie kurzfristig nur wenig Potenzial zu.

PALO ALTO. An der Wall Street ist Motorola Mitte vergangener Woche noch einmal davon gekommen. Die Analysten hatten für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2000 des Elektronikkonzerns (31.12.) ihre Erwartungen bereits nach unten korrigiert. So war in Quartals- und Jahreszahlen kein Desaster abzulesen, das den Kurs des Hersteller von Handys und Kommunikationschips erneut belasten konnte.

Die Investoren nahmen das Quartalsergebnis gelassen hin. Der Motorola-Aktie schloss am Mittwoch mit 21,19 $ (plus 50 Cent) und beendete die Woche bei 22,12 $. Nach den Zahlen des finnischen Weltmarktführers Nokia und der Nummer zwei aus Schweden, Ericsson, wäre es eine Überraschung gewesen, wenn die Nummer drei aus den USA von der rückläufigen Marktentwicklung verschont geblieben wäre.

Nach Veröffentlichung der Zahlen und des Ausblicks für dieses Jahr senkte eine Reihe Investmentbanken ihre Gewinnprognosen. Eine Welle der Empfehlungsrückstufungen blieb aber aus. Dennoch rechnet zum Beispiel Salomon Brothers angesichts der eingetrübten Aussichten nicht mit einer nennenswerten Erholung der Aktie vor dem zweiten Halbjahr.

Der Telekommunikationsausrüster Motorola konnte mit einem Gewinn von 335 Mill. $ oder 15 Cents pro Aktie die Erwartungen zwar der Analysten erfüllen. Allerdings war der Gewinn im vierten Quartal 1999 mit 25 Cents pro Aktie jedoch noch deutlich höher ausgefallen. Zudem hatte das Unternehmen die Analysten kürzlich bereits zwei Mal vorgewarnt und Prognosen nach unten revidiert. Den Umsatz steigerte Motorola im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 % auf 10,1 Mrd. $.

Falsche Modellpolitik des ehemaligen Marktführers

Hier hatten die Experten mit mehr gerechnet, sollte doch das Geschäftsjahr 2000 ein wirtschaftlicher Wendepunkt für den ehemaligen Marktführer werden. Durch eine falsche Modellpolitik und damit verbunden Schwierigkeiten bei der Produktion und Terminen hat Motorola in den vergangenen Jahren seine führende Rolle als Handyhersteller an die Skandinavier verloren.

In einer Telephonkonferenz am Donnerstag mussten President und Chief Operating Officer (COO) Robert L. Growney bestätigen, dass weder auf dem Handy- noch auf dem Halbleitermarkt in den nächsten zwei Quartalen mit einer durchgreifenden Verbesserung der Marktsituation zu rechnen sei.

Die Sorgen der Analysten wurden durch die Angaben von Motorola bestätigt, dass im vierten Quartal die Aufträge im Geschäftsbereich Personal Communications, zu dem auch das Handy-Geschäft gehört, um 20 %, und die Aufträge im Halbleiter-Geschäft um 19 % zurückgegangen seien. Analysten bereitet dieser Einbruch Sorgen: "Da leuchten Warnlampen auf", kommentiert Analyst Jeffrey Schlesinger von USB Warburg die Situation für die erste Jahreshälfte. Auch Analyst Tim Luke vom Brokerhaus Lehman Brother sieht auf der Grundlage dieser Zahlen einen scharfen Rückgang im Telefongeschäft von Motorola sowie einen zumindest bemerkungswerten Einbruch bei den Kommunikationschips.

Neben diesen deutlich nach unten korrigierten Auftragserwartungen enttäuschte Motorola auch mit seinem Ergebnis bei der Kostenreduzierung. Obwohl die Verantwortlichen hier immer wieder aggressive Maßnahmen versprochen hatten, um die Profitabilität zu erhöhen, konnte die Analysten nur magere Kostensenkung von 2 % um abgelaufenen Quartal ausmachen. Noch im Oktober hatte Motorola zu diesem Thema von Einsparungen in der Nähe von 6 % gesprochen.

Nach Ansicht von Experten hat Motorola derzeit noch zu viele verschiedene Modelle, die praktisch alle eigenen elektronische Bauteile brauchen. Einen derartigen Fertigungsansatz könne sich Motorola aber nicht mehr leisten. Weiterhin haben die Amerikaner im Gegensatz zu ihren skandinavischen Konkurrenten es nicht geschafft, eine Reihe preiswerter Modelle unter 90 $ zu entwickeln, wie sie der Markt derzeit verlangt.



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