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09.01.2001

19:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Schwächeres Kundenwachstum bereitet Consors Sorgen

Mit einer Meldungen über Kundenwachstum und Zahl der Transaktionen hat Consors versucht, den Kursverfall seiner Aktie zu stoppen. Das ist dem Broker aber nicht gelungen. Analysten fordern von Consors, die europäische Expansion müsse sich deutlicher bei Wachstum und Ertrag niederschlagen.

ali DÜSSELDORF. Die Freude währte nur kurz: Nachdem Consors am Montag nach Handelsschluss Zahlen zur Entwicklung im vierten Quartal vorgelegt hatte, stieg die Aktie zu Handelsbeginn um über 5 %. Doch schon am Nachmittag setzte sie den Abwärtstrend der Vortage wieder fort - trotz freundlicher Börse.

"Die guten und schlechten Nachrichten gleichen sich bei dieser Meldung aus", sagt Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim. Nach Angaben von Consors wuchs die Kundenzahl im vierten Quartal um 26 200 auf 526 000 (plus 5 %). Die Zahl der Orders habe leicht über 3 Mill. gelegen und damit den Wert des Vorquartals von knapp 3 Mill. etwas übertroffen. Dagegen sei das Volumen der Kundengelder (Depots und Einlagen) um 20 % auf 9 Mrd. Euro gefallen.

Mehr Transaktionen trotz Kursrutsch

Durch die Bank weg bewerten Analysten positiv, dass bei Consors die Zahl der Transaktionen trotz des schlechten Marktumfelds sogar leicht gestiegen ist. "Das ist wirklich beeindruckend", meint zum Beispiel Richard Ramsden von Goldman Sachs. Volker von Krüchten, Analyst der BHF Bank, befürchtet dennoch negative Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung des Nürnberger Brokers. Der Grund: Die Transaktionsgebühren sind an das Volumen einer Order gekoppelt. Und das Volumen der Kundengelder ist stark geschrumpft.

Sorgen bereitet den Experten das Wachstum der Kundenzahlen. Laut Ramsden würden die Zahlen zwar in diesem Punkt die Erwartungen von Goldman Sachs erfüllen, aber "wir haben zuvor die Erwartungen gesenkt". "Die Zahl der Neukunden ist nicht berauschend", meint auch Metehan Sen von Sal. Oppenheim. Hintergrund: Das Wachstumsrate hat sich hier zum dritten Mal in Folge abgeschwächt (1. Quartal 2000: +88 %, 2. Quartal: +19 %, 3. Quartal: +11 %, 4. Quartal: +5 %).

Wachstum außerhalb Eurolands lässt nach

Hierbei findet Sen besonders bedenklich, dass das Kundenwachstum von Consors außerhalb Europas nachlässt. "Nach den ganzen Zukäufen im Ausland muss das Wachstum hier stärker werden", fordert er. Auch Goldman-Sachs-Experte Ramsden sieht Consors in der Pflicht, zu zeigen, dass die europäische Expansion bei den Kundenzahlen und den Erträgen Früchte trägt.

Früher wurde Consors mit einem Premium gegenüber seinen Konkurrenten gehandelt. Mittlerweile ist die Aktie der Nürnberger die billigste verglichen mit den beiden großen Wettbewerbern Comdirect und Direkt Anlage Bank (DAB). Das ist zum Beispiel ablesbar an der Kennziffer der Marktkapitalisierung pro Konto: Die DAB kommt hier auf einen Wert von rund 4 700 Euro je Konto, Comdirect liegt bei ca. 5 200 Euro. Consors wird dagegen nur mit 3 200 Euro je Konto bewertet.

Diese Bewertungsdifferenzen kann von Krüchten nicht ganz nachvollziehen. "Den jüngsten Kursverfall von Consors erkläre ich mir vor allem mit der Sorge, dass der Aufbau einer eigenen Investmentbank zu einer Investitionsruine wird", sagt er. Für dieses Urteil sei es aber viel zu früh. "Sollten die Finanzmarktexperten Recht haben, werden wir dieses Jahr moderat steigende Märkte sehen. In diesem Umfeld macht so ein Projekt Sinn", meint von Krüchten. Richard Ramsden von Goldman Sachs bezeichnet den Aufbau der Investmentbank und die Pläne zur Gründung einer Börse für Privatanleger als "Unsicherheitsfaktoren", da neue Nachrichten zu diesen Projekte fehlten.

Um an alte Bewertungsniveaus heranzukommen, muss Consors nach Meinung Oppenheim-Experte Sen es schaffen, sich von einem Broker zu einem Vollservice-Anbieter mit starkem Bein in der Vermögensverwaltung zu wandeln. "Consors muss bei seinen Kunden das Cross-Selling-Potenzial nutzen", sagt Sen.

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